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Chef-Ausbilder des Heeres geben Richtungsschuss

Chef-Ausbilder des Heeres geben Richtungsschuss

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Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

Die Kommandeure der Ausbildungseinrichtungen des Heeres haben sich zu einer viertägigen Besprechung am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg getroffen. Zentrale Themen waren die Ausbildung unter Corona-Bedingungen und die Digitalisierung.

Ein Soldat geht mit einem Gewehr G36 in den Probeanschlag.

Einer der Besprechungsteilnehmer: Oberst Jörn Rohmann, Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit, in Celle

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Das Programm war zweigeteilt, bestehend aus einem fachlichen sowie einem kulturellen Teil. Der Kommandeur des Ausbildungskommandos und Leiter der Veranstaltung, Generalmajor Norbert Wagner, erklärte: „Ich halte es für essenziell, dass wir uns austauschen.“ Er betonte gegenüber den Kommandeuren die Bedeutung einer guten Führung und Erziehung seiner Soldatinnen und Soldaten: „Es gibt No-Gos bei der Bundeswehr. Dazu gehören Betäubungsmittel genauso wie Extremismus.“ Es sei Aufgabe eines jeden militärischen Führers, dies selbst vorzuleben und gegenüber seinen Soldaten aufmerksam zu sein. Und weiter: „Bei Extremismus gibt es kein Pardon. Wer hier auffällt, wird umgehend aus dem Dienstverhältnis entfernt.“

Neues Prüfungsmodell

Ein Soldat steht gestikulierend vor einer Lagekarte, die die Gliederung eines Gefechtsverbandes zeigt.

Generalmajor Norbert Wagner, Kommandeur des Ausbildungskommandos in Leipzig, referiert vor seinen unterstellten Kommandeuren über Taktik.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Der Vormittag stand im Zeichen des Kommandeurs des Ausbildungskommandos, am Nachmittag berichteten die Kommandeure aus ihren Standorten. Zunächst erläuterte Brigadegeneral Ullrich Spannuth sein neues Prüfungsmodell. „Wo immer möglich, lasse ich Prüfungen durch lehrgangsbegleitende Bewertung in Form von Beobachtungsbögen ersetzen.“ Ziel müsse es sein, in die Zukunft zu blicken, Potenziale der Lehrgangsteilnehmer zu erkennen und diese dann zu erschließen. „Letztlich ist das Problem an einer Prüfung, dass die Note lediglich zurückblickt. Sie sagt aus, wie gut jemand etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt gemacht hat. Für die Zukunft will ich aber wissen, wie gut er voraussichtlich etwas machen wird“, so Spannuth.

Deshalb gebe es in Munster nun ein Zwei-Säulen-Modell aus schriftlichen Leistungsnachweisen und Erfolgskontrollen sowie praktischen Beobachtungsbögen. „Wann immer jemand auf der Kippe steht, entscheidet die Praxis, also was der Soldat auf dem Acker kann.“

Ausbildungsnormalität in Blöcken

An einem Konferenztisch sitzen drei Soldaten nebeneinander und schreiben, einer blickt auf das Podium vor ihnen.

Brigadegeneral Michael Matz (v.r.) ist als General der Infanterie und Kommandeur Infanterieschule Gastgeber der Besprechung.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Der Gastgeber, Brigadegeneral Michael Matz, trug aus dem Hammelburger Ausbildungszentrum Infanterie zur Tagung bei: „Wir haben die neue Ausbildungsnormalität erreicht.“ Inzwischen liefen die Lehrgänge wieder annähernd so, wie vor der Corona-Zwangspause. Die Teilnehmerzahlen seien dennoch geringer, da alle Soldaten in Einzelunterkünften untergebracht werden müssten. Auch gebe es weiterhin die Blockausbildung. „Dabei behalten wir die Lehrgangsteilnehmer zehn Tage am Stück am Standort, um sie dann für eine Woche nach Hause zu schicken“, so Matz. Die Pandemie habe neue Erkenntnisse im E-Learning gebracht. „Nichts ist wichtiger als eine regelmäßige Verbindung zwischen Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer. Dieses digitale Führen ist aber derzeit noch nicht ohne den Einsatz privater Geräte möglich. Deswegen haben wir eine Verbesserung der IT-Ausstattung angestoßen“, bilanzierte der General der Infanterie die Ausbildung unter Corona-Bedingungen.

Digitalisierung in Aachen und Bückeburg

Ein Soldat spricht mit selbstsicherer Handgeste zu seinen Kameraden.

Brigadegeneral Ulrich Ott, der General der Heeresfliegertruppe, erklärt die Lernerfolge mit Lern-Apps.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Diesem Digitalisierungsgedanken schlossen sich auch die Kommandeure des Ausbildungszentrums Technik Landsysteme in Aachen, Brigadegeneral Klaus-Dieter Cohrs, sowie des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums in Bückeburg, Brigadegeneral Ulrich Ott, an. Er erklärte: „E-Learning gelingt am besten mit einem starken Challenge-Gedanken. Wir haben dies mit Hilfe von Apps erreicht, wo sich unsere Lehrgangsteilnehmer gegenseitig überprüfen und abfragen können. Man kann quasi entspannt in der Sonne oder am Strand liegen und dabei nochmal Lehrgangsinhalte wiederholen, sodass sich diese weiter festsetzen.“ Cohrs gab für sein Ausbildungszentrum in Aachen das ambitionierte Ziel aus, den Anteil der Fernausbildung von derzeit etwa drei Prozent in den nächsten Jahren in Richtung 20 Prozent zu erhöhen, ohne dabei die weiterhin unverzichtbaren praktischen Ausbildungsanteile zu schwächen.

Weiterbildung zum Abschluss

Eine Gruppe von Soldaten bildet in einem Zelt stehend einen Halbkreis um den Ausbilder.

Die Weiterbildung „MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System“ führt Stabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke (3.v.r.) durch, der bei dieser Gelegenheit zum Oberstabsfeldwebel befördert wurde.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Den Abschluss der Besprechung bildete eine Weiterbildung der Kommandeure. Zunächst stand Taktik auf dem Programm. Geleitet von Wagner planten die Kommandeure Anteile der Operationsart „Verzögerung“ in einem Übungsszenario aus. Es galt, unter Aufgabe von Gelände Zeit zu gewinnen und den Feind während eines geplanten Rückzuges immer wieder anzuschießen, sodass dieser Verluste erleidet. Nach dieser Planübung folgte die Einweisung in das Panzerabwehrsystem MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System (mehrrollenfähiges leichtes Lenkflugkörpersystem) sowie in die Ausrüstung „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“. Abschließend bedankte sich Wagner bei allen beteiligten Organisatoren und richtete das Wort an seine Kommandeure: „Lassen Sie uns weiterhin mit Leidenschaft ausbilden und unseren Nachwuchs voranbringen.“


von Jan Volkmann

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