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Corona-Amtshilfe: Röhrchen bekleben statt Rucksack heben

Corona-Amtshilfe: Röhrchen bekleben statt Rucksack heben

  • Amtshilfe
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Datum:
Ort:
Bayern
Lesedauer:
3 MIN

Während ein Teil der Reichenhaller Jager ihre schweren Rucksäcke im Skimarsch auf die Reiteralpe wuchten, leistet der andere Teil Amtshilfe in den umliegenden Landkreisen. Der Alltag für die Soldatinnen und Soldaten im Testzentrum Ebersberg unterscheidet sich vom Dienst im Gebirge und dennoch fordert dieser Auftrag alles von den Soldaten ab.

Ein Soldat klebt kleine Aufkleber auf Plastikröhrchen.

Täglicher Dienst für die Soldaten in Ebersberg: Jedes Teströhrchen wird einzeln von den Soldaten vorbereitet.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Telefone klingeln, Drucker summen und Barcodescanner piepsen. Was wie der Alltag eines Großraumbüros wirkt, ist die Operationszentrale der Reichenhaller Jager im Testzentrum Ebersberg. Die Wände sind voll mit Ablaufplänen und Schichteinteilungen. Auf den Tischen in der Mitte des Raumes liegen sortierte Päckchen voll mit Teströhrchen, dahinter sitzen die Soldaten an ihren Arbeitsplätzen. Boxen aus Plexiglas schirmen sie voneinander ab. Zehn Gebirgsjäger aus der 3. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 leisten hier Amtshilfe.

40 Anrufe pro Soldat

Ein Soldat sitzt hinter zwei Bildschirmen an einem Bürotisch.

Ungewohnte Tätigkeiten für Soldaten: Sie erledigen Terminanfragen für Tests, erfassen Daten oder führen auch mal ein längeres Gespräch in einer Fremdsprache.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Hauptgefreiter Markus Rehm* sollte jetzt eigentlich auf 1.500 Höhenmeter im Schnee sein Iglu bauen und Schnee zu Trinkwasser schmelzen. Seine Kameraden sind im Winterbiwak auf der Reiteralpe und werden im winterlichen Gebirgskampf ausgebildet. Doch Amtshilfe geht vor. Da klingelt auch schon das Telefon und der Gebirgssoldat hebt ab: „Testzentrum Ebersberg, Sie sprechen mit Markus Rehm.“ Es folgt eine längere Pause und ein etwas irritierter Blick, da wechselt der Soldat zur polnischen Sprache, stellt kurze Gegenfragen und tippt einige Daten in seinen Computer. „Es kommt gar nicht selten vor, da rufen hier Bürger an, die kaum Deutsch sprechen. Da ist es hilfreich, dass ich noch weitere Sprachen spreche. Ich nehme dann deren Daten hier auf, gebe ihnen einen Testtermin und halte das in unserem System fest.“ Neben Rehm sitzen noch zwei weitere Kameraden an Telefonen. „Jeden von uns erreichen so um die 40 Anrufe am Tag. Mal mehr, mal weniger“, erklärt sein Tischnachbar Obergefreiter Tim Geister*. „Anstrengender sind die E-Mails, die wir bearbeiten. Da bittet dann beispielsweise ein Pflegeheim um ein Testtermin für die komplette Belegschaft. Die zu testenden Personen müssen dann alle einzeln im System eingetragen werden. Am Tag bekommen wir so an die 15 Mails.“

Kleben statt heben

Ein Soldat hält einen Scanner in der Hand.

Für jeden Bürger scannt der Soldat einen Barcode.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Diese Daten landen im Büro nebenan bei Fahnenjunker Patrick Roth* und zwei weiteren Kameraden: „Wir erfassen hier die eingepflegten Daten, weisen jedem Datensatz einen Barcode zu und bekleben ein Teströhrchen damit“, erklärt er und nimmt dabei ein Röhrchen aus dem Ständer, klebt den Barcode mit geübter Präzision darauf und stellt es geschickt wieder zurück. „Dann können die Bürger morgen einfach kommen, lassen einen Abstrich machen und der geht direkt im vorbereitete Röhrchen ans Labor. Das machen wir von 8 bis 17 Uhr täglich und sonntags für ein paar Stunden, um alle Röhrchen vorzubereiten.“ Auch er sollte jetzt eigentlich mit seinem 30 Kilogramm Rucksack auf dem Hochplateau der Reiteralpe den Winterkampf üben. „Ich wäre schon lieber bei der Ausbildung dabei, aber diese Pandemie betrifft uns eben alle, da muss man auch mal zurückstecken.“

Regelmäßige Dienstaufsicht

Zwei Soldaten sitzen vor einem Computer.

Der Kommandeur, Oberstleutnant Dennis Jahn (r.), weiß genau, was seine Soldaten leisten.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillon 231, Oberstleutnant Dennis Jahn, erkundigt sich regelmäßig nach dem Wohlergehen seiner Soldaten und lässt sich die Arbeitsabläufe erläutern. „Die Soldaten leisten hier einen außerordentlichen Job. Seit vier Monaten unterstützen sie mit unermüdlicher Ausdauer. Darunter leidet die Ausbildung. Daher bin ich sehr froh, dass wir heute einen Zeitplan für die Beendigung der Amtshilfe in Ebersberg besprechen konnten.“ Ab Mitte März werde das Testzentrum durch zivile Mitarbeiter verstärkt. Deshalb könne man nach einer kurzen Übergangsphase die Soldaten Ende März aus Ebersberg abziehen. Anschließend gilt es zügig die verpasste Ausbildung nachzuholen, um unserem Kernauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung gerecht werden zu können. Denn auch für das Gebirgsjägerbataillon 231 ist der nächste Einsatz in Mali schon geplant.

Das Gebirgsjägerbataillon 231 unterstützt derzeit bei der Amtshilfe mit 70 Soldaten in drei verschiedenen Einrichtungen. Die Bundeswehr leistet in allen sechzehn Bundesländern Amtshilfe mit rund 17.600 Soldaten.

*Namen redaktionell geändert.

von David Matei

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