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Die Eistaucher aus Havelberg

Die Eistaucher aus Havelberg

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Datum:
Ort:
Havelberg
Lesedauer:
2 MIN

Die Taucher der 3. Kompanie des Panzerpionierbataillons 803 aus Havelberg üben für zwei Wochen das Eistauchen nahe Gräfenhainichen östlich von Dessau im Gremminer See. Die Bandbreite an Unterwasseraufträgen kann sich sehen lassen – und dafür braucht es Spezialisten.

Vier Taucher steigen von Leinen gesichert aus dem Wasser.

Bei minus 15 Grad gibt es unter Wasser für die Spezialisten der 3. Kompanie des Panzerpionierbataillons 803 eine Fülle von Aufgaben, wie Schweißen, Bohren oder Personensuche zu erledigen.

Bundeswehr/Heiko Mangelsdorf

Normalerweise lässt das Wetter in Mitteldeutschland das Tauchen unter Eis so selten zu, dass die Havelberger Pioniertaucher nach Österreich oder Kanada ausweichen müssen, um diese gefährliche Ausbildung zu absolvieren. Aber bei Temperaturen um die 15 Grad minus geht das auch mal in Sachsen-Anhalt. Bei Dessau liegt Ferropolis, die „Eisenstadt“ auf einer Halbinsel im Gremminer See. Dieses Industriedenkmal gehörte früher zum Tagebau Golpa-Nord. Heute ist es ein Veranstaltungsort mit vielen Freizeitmöglichkeiten für maximal 25.000 Gäste.

Präzise Vorbereitung

Eine Tauchschneise in einem zugefrorenen See. Am Rand steht ein Taucher und im Hintergrund Männer und Militärfahrzeuge.

Im ehemaligen Tagebau-Gelände Golpa-Nord, Ferropolis genannt, am Gremminer See tauchen die Männer des Panzerpionierbataillons 803 gern ab.

Bundeswehr/Heiko Mangelsdorf

Jetzt, mitten im Corona-Lockdown, sind nur die Pioniertaucher der 3. Kompanie zu Gast. Sie fühlen sich hier sichtlich wohl bei Tagestemperaturen um die minus 15 Grad. Die Taucher um Zugführer Oberstabsfeldwebel Heiko Mangelsdorf sind erfahren und gut vorbereitet. Nicht nur eine gute Planung der einzelnen Tauchgänge unter der sieben Zentimeter dicken Eisschicht gehört dazu. Vorher muss auch das Schweißen, Bohren und Trennen von Metall, Holz und Stein geübt werden, damit es später im kalten See klappt. Die Personen- und Gerätesuche runden das umfangreiche Übungsprogramm unter Wasser ab. Eine weitere Fähigkeit des Taucherzuges ist das Bergen und Sprengen von Hindernissen und Sperren, die sich unter Wasser befinden. Während der Tauchgänge ist das Anleinen vom Land oder vom Boot aus vorgeschrieben, um die Sicherheit der Männer zu gewährleisten.

Einer für alle, alle für einen und jeder für jeden

Ein Taucher steht auf dem Eis und gibt einem anderen Taucher, der im Wasser vor ihm schwimmt, Anweisungen.

Vor dem eigentlichen Tauchgang wird das Gewässer erkundet und bewertet.

Bundeswehr/Heiko Mangelsdorf

Ausdauer, Konzentration und körperliche Leistungsfähigkeit sind Grundvoraussetzungen für das Arbeiten unter Wasser. „Andauerndes Training ist in diesem Beruf unerlässlich“, sagt Taucherzugführer Mangelsdorf. „Wir müssen auch im Wasser unter einer Eisdecke unsere Aufträge erledigen können.“ Dazu gehört das blinde Vertrauen untereinander und es ist unerlässlich, dass das innere Gefüge untereinander intakt ist. Das Motto „Einer für alle, alle für einen und jeder für jeden“ ist gelebte Kameradschaft, nicht nur Lippenbekenntnis. Für die Pioniertaucher aus Havelberg können die Bedingungen nicht unterschiedlich genug sein: Tauchen in Gewässern bei einer Handbreit Sicht oder in glasklaren Alpenseen mit Außentemperaturen deutlich unter null Grad. „Gerade diese Vielfältigkeit macht diesen Beruf zu etwas ganz Besonderem. Also ich möchte niemals tauschen, doch immer tauchen“, sagt Mangelsdorf. Mit etwas Glück wird in den nächsten Tagen noch die Sonne scheinen, was das Eistauchen zu einem noch unvergesslicheren Erlebnis macht. Pioniertaucher sind wahre Spezialisten auf ihrem Gebiet. Daher dauert die vielfältige und erlebnisreiche Ausbildung mehrere Jahre. Danach gehören nicht nur Havel und Elbe zum Tauchrevier, sondern auch große Gewässer von der Ostsee bis zum Atlantik. Die Havelberger Spezialisten sind tauchbereit zu jeder Jahreszeit.

Vier Männer stehen mit voller Tauchausrüstung bis zu den Hüften in einem teilweise zugefrorenen See und lächeln.

Ausdauer, Konzentration und körperliche Leistungsfähigkeit sind Grundvoraussetzungen für einen Pioniertaucher. Angesichts der Aufgabenbandbreite ist blindes Vertrauen untereinander notwendig und der Kitt für die Kameradschaft.

Bundeswehr/Heiko Mangelsdorf
von Stefan Gäde

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