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Eutiner Aufklärer spähen in Ostholstein

Eutiner Aufklärer spähen in Ostholstein

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Eutin
Lesedauer:
3 MIN

Die Bundesstraße 432 zwischen Scharbeutz und Gnissau ist durch eine Minensperre unpassierbar. Sie liegt zwischen den Sicherungslinien der sich bekämpfenden blauen und gelben Streitkräfte. Entlang dieser Linie erkennen Spähtrupps mehrere Türme feindlicher Schützenpanzer. All das ist Teil des Übungsszenarios für das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ aus Eutin.

Ein Militärfahrzeug fährt auf einer von hohen Sträuchern gesäumten Straße. Zwei Soldaten schauen aus den Luken heraus.

Ein Spähwagen Fennek und seine Besatzung auf einer Landstraße in Ostholstein auf dem Weg zum nächsten Auftrag

Bundeswehr/Sabine Oelbeck

Entlang eines sogenannten Spähparcours namens Holstein Ritt üben die Eutiner Aufklärer in Ostholstein die Landes- und Bündnisverteidigung. Aufgeteilt in blaue und gelbe Einheiten, treten die Soldaten gegeneinander an. Dabei nutzt das Aufklärungsbataillon 6 all seine Fähigkeiten. Neben den Spähwagen Fennek und dem Transportpanzer Fuchs mit den leichten Spähkräften kommen auch die Feldnachrichtenkräfte, Radaraufklärer und das Aufklärungssystem KZO (Kleinfluggerät zur Zielortung) im öffentlichen Raum zum Einsatz. Die 270 Eutiner Soldaten sind dabei über vier Tage und bestem norddeutschen Wetter im Gelände, entlang der Wälder, Dörfer, Feldwege und Gehöfte in Ostholstein.

Wertvoll für die Ausbildung

Auf einer Landkarte trägt ein Soldat seinen geplanten Weg mit einem blauen Stift ein.

Ein Spähtruppführer plant seine Route zu den feindlichen Sicherungslinien.

Bundeswehr/Holger Schmidt

Mit einer Ausdehnung von 30 Kilometern auf der Nord-Süd-Achse und 15 Kilometern von Ost nach West ist der Übungsraum in Ostholstein größer als jeder Truppenübungsplatz und bietet den Eutiner Aufklärern damit ganz andere Dimensionen und Möglichkeiten für diese Übung, die als freilaufende Übung bezeichnet wird. „Solch große Distanzen zur Aufklärung sind auf einem Truppenübungsplatz nicht möglich“, so der Kommandeur der Aufklärer, Oberstleutnant Tobias Aust. „Das reale Gelände mit all den Ortschaften, Straßen, Zivilisten und teilweise Unberechenbarkeiten bietet einen zusätzlichen Ausbildungsmehrwert. Denn Übungsplätze sind für unsere Spähaufklärung weit in die Tiefe des Feindes meist zu klein und zu künstlich.“ Das eher nicht alltägliche Bild in Ostholstein von gepanzerten Fahrzeugen im freien Gelände ist für viele Zivilisten zunächst etwas überraschend, stellt jedoch kein Problem dar. „Wir erfahren sehr positiven Zuspruch für diese Übung. Das liegt daran, dass die Bundeswehr in Eutin und Ostholstein fest verankert und ein Teil des öffentlichen Lebens ist“, sagt Major Felix Lotzin, Chef der „Roten Zwoten“, der Projektkompanie für die Übung Holstein Ritt.

Mediale Begleitung

Ein Kameramann und eine Redakteurin knien auf einem Militärfahrzeug. Ein Soldat schaut aus einer Luke und wird interviewt.

Der Spähtruppführer, Oberleutnant Michael Zigelski, gibt einem Fernsehteam auf seinem Spähwagen Fennek ein Interview.

Bundeswehr/Holger Schmidt

Nicht nur bei der Ostholsteiner Bevölkerung ruft die freilaufende Übung großes Interesse hervor. Auch ein Kamerateam eines Privatsenders begleitet die Eutiner Aufklärer entlang des Spähparcours. Spähtruppführer, Oberleutnant Michael Zigelski, gibt auf seinem Spähwagen Fennek den Reportern im Gelände gern ein Interview. Der Oberleutnant führt das erste Mal einen Spähtrupp bei einer solchen Übung: „Wir versuchen jeden Tag besser zu werden. Die Spähaufklärung hier im freien Gelände in Ostholstein üben zu können, bietet uns ganz andere Ausbildungsmöglichkeiten“, so Zigelski. Sein Spieß, Oberstabsfeldwebel Stephan Starck, folgt dem Oberleutnant als Schiedsrichter und bestätigt den großen Mehrwert einer freilaufenden Übung. Das Unvorhersehbare führe zu Fehlern und Herausforderungen. Nur so könnten die Soldaten dazulernen. Wie aufs Wort taucht ein liegengebliebenes Fahrzeug mitten auf einem schmalen Waldweg auf. Die geplante Route ist dahin. Oberleutnant Zigelski befiehlt kurzentschlossen quer durch den Wald weiter vorzustoßen – die Kraftfahrer sind nun gefordert, und meistern das matschige und schwierige Gelände.

Leben im Felde

Soldaten gehen in zwei Reihen einen Waldweg entlang. Der Boden ist vom Regen matschig.

Die Soldaten der Spezialgrundausbildung üben die Bewegungsarten im Gelände – hier die Schützenreihe.

Bundeswehr/Matthias Simon

Einen ganz anderen Ausbildungsstand haben die Soldaten auf dem Butterberg westlich von Eutin. In einem weitläufigen Waldstück findet die sogenannte Spezialgrundausbildung des Bataillons statt. Hier lernen die jungen Soldaten, die zumeist gerade aus ihrer Grundausbildung kommen, den Umgang mit weiteren Handwaffen wie dem Maschinengewehr MG 3, der Pistole P8 oder der Panzerfaust. Auch das Leben im Felde, der Gefechtsdienst sowie die Ausbildung als Spähtrupp zu Fuß werden den 35 neuen Aufklärern in Eutin vermittelt. Verdreckt und voller Matsch sitzen die Soldaten bei leichtem Regen nach der Ausbildung im Gelände und reinigen ihre Waffen. „Erst die Waffe, dann die Ausrüstung, und erst dann kommt der Soldat“, erklärt Gefreiter Mehmet Günay. Er hat die Grundsätze des Gefechtsdienstes bereits verinnerlicht und nimmt die notwendige Waffenreinigung vor dem Mittagessen vor.

Es wartet jedoch nicht eine Mahlzeit aus der Truppenküche auf ihn, sondern die neben ihm liegende Einmannpackung. Bevor es also ein warmes Essen gibt, muss zunächst wieder ein Feuer entfacht werden. Neben der Schulung der Soldaten dient das Ausbildungslager auch noch als Aufklärungsziel der Spähtrupps. „Irgendwo da draußen ist vielleicht schon ein Fennek und versucht uns aufzuspüren – ein komisches Gefühl“, so Günay. „Aber dafür haben wir ja unsere Alarmposten ausgelegt und Stellungen gebaut“, sagt der junge Gefreite zuversichtlich und widmet sich wieder der Reinigung seiner Waffe.


von Matthias Simon

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