Heer
Praktische Anwendung

Führungssystem Sitaware in der Coronakrise eingesetzt

Führungssystem Sitaware in der Coronakrise eingesetzt

Datum:
Ort:
Veitshöchheim
Lesedauer:
3 MIN

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Der Stab der 10. Panzerdivision beschäftigt sich seit Längerem mit der Einführung des neuen digitalen Führungsinformationssystems Sitaware. Im fränkischen Veitshöchheim ahnte jedoch niemand, dass mit dem neuen System einmal der Einsatz von Bundeswehrsoldaten im Inneren wie im Fall der Corona-Pandemie gemeistert werden könnte.

Zwei Soldaten sitzen vor einem Laptop.

Gefechtsstandarbeit bei einer Übung: Das System Sitaware ermöglicht ein umfassendes Lagebild in Echtzeit

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Viele Jahre wurde im Deutschen Heer das Führungsinformationssystem Heer eingesetzt, um die Operationsführung national zu gewährleisten. Dieses System ist mittlerweile, trotz ständiger Updates, deutlich in die Jahre gekommen. Die Software Sitaware Headquarters (HQHeadquarters) soll es nun ablösen. Sie bietet erweiterte Möglichkeiten der Operationsplanung und -führung und liefert ein umfassendes, gemeinsames Lagebild. Dadurch wird die Führungsfähigkeit des Heeres wesentlich verbessert: Ein Klick auf die digitale Lagekarte und das Lagezentrum erfährt, wie viele Soldaten an welchem Ort mit welchem Auftrag tätig sind.

Auch in einem multinationalen Umfeld lässt sich so die Führungsfähigkeit deutlich verbessern, weil Sitaware sich mit den meisten Systemen relativ unkompliziert verbinden lässt. Zudem führen mehr und mehr NATONorth Atlantic Treaty Organization-Staaten Sitaware in ihren Streitkräften ein. Ein wesentliches Element von Sitaware ist also die verstärkte Verzahnung multinationaler Streitkräfte. In der heutigen Zeit führen nur wenige Streitkräfte rein nationale Einsätze durch – deshalb ist es notwendig, Informationen aus eigenen Systemen auch den Streitkräften anderer Staaten verfügbar zu machen.

Wie ein Schweizer Taschenmesser

Rechts ein Bildschirm mit Karte. Daneben sitzt ein Soldat und bedient einen Laptop.

Übung Schneller Degen in Wildflecken: Ein großer Bildschirm ersetzt die analoge Karte

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Unter Einsatzbedingungen nutzt das Heer Sitaware HQHeadquarters bereits bei der anerkannten Mission enhanced Forward Presence (verstärkte Vornepräsenz, kurz: eFPenhanced Forward Presence) der NATONorth Atlantic Treaty Organization, bei der Deutschland als sogenannte Rahmennation die Führung eines multinationalen Kampfverbands in Litauen übernimmt. Dort stellt Sitaware unter anderem den militärischen Führern ein detailliertes gemeinsames Lagebild bereit, das mit den Bündnispartnern geteilt wird, vor allem auch mit den Landstreitkräften Litauens. Deren drei mechanisierte Infanteriebrigaden sind ebenfalls mit Sitaware HQHeadquarters und Sitaware Frontline ausgestattet. Zudem beschafft Litauen derzeit 84 neue Gefechtsfahrzeuge vom Typ Boxer (litauisch: Vilkas, Wolf), die mit Sitaware Frontline bestückt werden.

Da die Software von Sitaware HQHeadquarters vielseitig einsetzbar wie ein Schweizer Taschenmesser ist, kann es auch in nicht-militärischen Szenarien genutzt werden. Nachdem mittlerweile alle unterstellten Verbände mit entsprechender Hardware, hier speziell die Server, ausgestattet sind, war es mit dem Aufkommen der Coronakrise ein Leichtes, den Auftrag des Divisionskommandeurs umzusetzen, das neue System auch im Covid-19-Lagezentrum zu erproben. „Wir haben es einfach getestet“, berichtet der Leiter der Abteilung ITInformationstechnik der Division, Oberstleutnant Marcel Günther. Man habe schnell festgestellt: „Es ist uneingeschränkt auch für eine zivil-militärische Lage verwendbar und kann vor allem dann seine Vorteile ausspielen, wenn es sauber aufgebaut ist, also in den Organisationsebenen durch Meldungen von unten nach oben ein genaues, aktuelles Lagebild entsteht“.

Amtshilfe schneller organisieren

In einem großen Raum sitzen mehrere Personen an einem großen Tisch. Ein Soldat steht an einer Karte.

Der Würzburger Landrat Eberhard Nuß lässt sich in Veitshöchheim, die Möglichkeiten des Führungsinformationssystems Sitaware für die zivile Nutzung vorstellen

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Innerhalb kürzester Zeit musste ein Regionaler Führungsstab in Veitshöchheim etabliert werden. Er soll unter anderem ein gemeinsames Lagebild aller Verbände erstellen, damit alle Amtshilfeanträge schneller erfasst und bearbeitet werden. Anträge auf Amtshilfe können zivile Einrichtungen wie Landkreis- und Gesundheitsämter, Rotes Kreuz oder THWTechnisches Hilfswerk stellen, wenn sie Unterstützung durch Bundeswehrsoldaten zum Beispiel beim Transport von Schutzmaterial oder an Corona-Teststationen für die Verkehrslenkung benötigen.

Besonders angetan sind alle von der Bedienerfreundlichkeit: „Das ist ein System, das nicht nur den Administratoren gefällt, sondern vor allem den Nutzern“, berichtet Günther. Die moderne Software kann nach einer kurzen Einweisung intuitiv gehandhabt werden, Klickfelder und Schaltflächen auf einer klar strukturierten Bedieneroberfläche erklären sich von selbst. Die Informationen stehen verzugslos auf allen Ebenen mit der jeweils erforderlichen Darstellungstiefe zur Verfügung.

Nächster Test: Übung Kalter Wettiner

Zwei große Leinwände zeigen Lagekarten mit diversen Standorten in Süddeutschland.

Mit Sitaware ist auch eine Projektion auf eine Leinwand problemlos möglich

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Das Rollout bei der 10. Panzerdivision ist geglückt: „Wir nutzen jetzt in der Gefechtsstandarbeit auf Divisions- und Brigadeebene ausschließlich Sitaware HQHeadquarters“, stellt Günther zufrieden fest. Im November will die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ sich mit ihrer Verlegeübung Kalter Wettiner im Gefechtsübungszentrum des Heeres in der Letzlinger Heide auf 2021 vorbereiten. Dann soll die Brigade für ihren Auftrag als Schnelle Eingreiftruppe der NATONorth Atlantic Treaty Organization, als Very High Readiness Joint Task Force, zertifiziert werden. Dabei soll das System Sitaware Frontline erstmals im Heer bis hinunter auf die Ebene der Teileinheiten genutzt werden. Das heißt, jedes einzelne Gefechtsfahrzeug ist mit Sitaware ausgerüstet und liefert dem Gesamtsystem detaillierte Informationen über die Lage vor Ort. So wächst das Lagebild von unten nach oben auf und gibt einen allumfassenden Überblick.

von Alexander Wittig

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