Heer
Informationsüberlegenheit

Gemeinsam aufklären: Truppengattung übt in Lüneburg

Gemeinsam aufklären: Truppengattung übt in Lüneburg

  • Aufklärung
  • Heer
Datum:
Ort:
Lüneburg
Lesedauer:
3 MIN

Aufklärer aus ganz Deutschland – von Eutin bis Füssen – treffen sich einmal im Jahr zur Ausbildungswoche der Heeresaufklärungstruppe. 2022 ist das Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“ der Gastgeber für das gemeinsame Training.

Ein Soldat zeigt mit einem Zeigestock auf eine Lagekarte. Mehrere Soldaten stehen um ihn herum.

Die Lüneburger Aufklärer haben für die Ausbildungswoche einiges vorbereitet. Gefechtsstandarbeit, Befragung und Auswertung sowie ein militärischer Wettkampf sind Teil der gemeinsamen Ausbildung.

Bundeswehr/Andy Meier

Informationsüberlegenheit: Das ist das große Ziel für die Aufklärer des Heeres. An mehreren Stationen müssen die Soldatinnen und Soldaten Informationen gewinnen und sie auswerten. Ob Aufklärung aus der Luft mit der Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung, vom Boden mit dem Spähwagen Fennek oder durch die Gesprächsaufklärung der Feldnachrichtenkräfte – der Heeresaufklärungstruppe stehen viele Möglichkeiten zur Informationsgewinnung zur Verfügung. Gebündelt und ausgewertet werden die gewonnenen Informationen auf dem Kompaniegefechtsstand. Durch die verschiedenen Sensoren entsteht hier eine komplette Übersicht über die aktuelle Lage. Während der Ausbildungswoche in Lüneburg stehen deshalb die Abläufe und die Arbeit der Gefechtsstände im Fokus.

Einweisung in die Lage

Ein Soldat steht an der Lagekarte und trägt vor. Mehrere Soldaten sitzen vor ihm und hören zu.

Befehlsausgabe – die Bataillonsführung weist die Übungsteilnehmer in die taktische Lage ein. Neben der Lage feindlicher und eigener Kräfte wird hier vor allem die Absicht des Kommandeurs bekanntgegeben.

Bundeswehr/Andy Meier

Mit der Befehlsausgabe durch den stellvertretenden Bataillonskommandeur und den Stab des Aufklärungslehrbataillons 3 „Lüneburg“ kann die Ausbildungswoche beginnen. Das Szenario: Landes- und Bündnisverteidigung eines fiktiven NATO-Staates. Teile des Bündnisgebietes wurden durch einen Aggressor besetzt und der greift weiter an. Durch Artikel 5 des Nordatlantikvertrages legitimiert sich die gemeinsame Verteidigung des Staatsgebietes. Das ist die Ausgangslage für die bevorstehenden Tage.

Die Lagekarte – alt aber bewährt

Zwei Soldaten stehen vor einer Lagekarte.

Nach der Befehlsausgabe beginnen die Kompanien mit der Arbeit auf den Gefechtsständen. Die neuen Informationen werden auf die Lagekarten übertragen – analog und digital.

Bundeswehr/René Birkenstock

Für die Arbeit auf dem Gefechtsstand nutzen die Kompanien verschiedene Plattformen, dazu gehören die klassische Lagekarte mit Folienstift aber auch  digitale Führungssysteme. Der Grund dafür ist, dass die Systeme redundant sein sollen. Redundanz bedeutet, dass bei Ausfall eines Systems auf ein anderes gewechselt werden kann und es die gleichen Aufgaben erfüllt. Somit kann die Führungsfähigkeit auch in schwierigen Situationen – beispielsweise einer elektromagnetischen Störung durch feindliche Kräfte – gewährleistet werden. Bei der Ausbildungswoche in Lüneburg wird die Arbeit auf dem Gefechtsstand vertieft.

Die Informationsgewinnung durch Gespräche

Der Bildschirm einer Videokamera zeigt drei Personen in einer Befragung.

Feldnachrichtenkräfte gewinnen Informationen durch gezielte Gesprächsführung. Die Auswertung ist dabei von besonderer Bedeutung.

Bundeswehr/Andy Meier

Die Feldnachrichtenkräfte der Bundeswehr haben in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung unter anderem die Aufgabe, Kriegsgefangene zu befragen. Das hochwertig ausgebildete Personal befragt Kriegsgefangene, um Schlüsselinformationen zu erlangen – immer mit dem Ziel der Informationsüberlegenheit. Bei der Ausbildungswoche der Heeresaufklärungstruppe werden Kriegsgefangene durch Rollenspieler dargestellt, um die Befragung zu üben. Das gesamte Gespräch wird gefilmt und im Anschluss ausgewertet. Aus vielen Gesprächen und Informationsfragmenten ergibt sich so ein umfassendes Lagebild.

Aufklären: Ganz sicher nicht nur Kopfarbeit

Ein Soldat stemmt eine Munitionskiste über den Kopf. Drei Soldaten stehen daneben und schauen zu.

Military Fitness ist vielseitig – den Aufklärern wird viel abverlangt

Bundeswehr/Andy Meier

Ein weiterer Höhepunkt der Ausbildungswoche in Lüneburg ist der militärische Wettkampf. Die zehnköpfigen Mannschaften der Aufklärerverbände haben einen langen Tag vor sich. Ein Parcours über fünf Stationen müssen sie bewältigen. Los geht es mit einem intensiven Zirkel auf der Schießanlage. Die Aufgaben: eine Munitionskiste stemmen, Kanister tragen, einen Verwundeten bergen und ein Kriechhindernis überwinden. Direkt nach der körperlichen Anstrengung wird geschossen – alle Aufgaben laufen auf Zeit und mit Wettkampfdruck.

Nach dem Schießen geht der Tag erst los

Eine Gruppe von acht Soldatinnen und Soldaten läuft mit Gepäck auf einem Schotterweg.

Ausdauer- und Leidensfähigkeit – entscheidende Fähigkeiten beim abschließenden Gepäcklauf des militärischen Wettkampfes

Bundeswehr/Andy Meier

Einige weitere Stationen durchlaufen die Soldatinnen und Soldaten gemeinsam, bis sie durchgeschwitzt den Elbeseitenkanal erreichen. Der Auftrag dort: ein wasserdichtes Zeltbahnpaket zum Verstauen der Ausrüstung und Bekleidung bauen und das Gewässer als Gruppe durchqueren. Nachdem das andere Ufer erreicht ist, wartet die letzte Station – der Gepäcklauf zurück in die Theodor-Körner-Kaserne. Nach rund 14 Kilometer Gesamtstrecke erreichen alle Teams das Ziel. Gewinner ist die Mannschaft des Aufklärungsbataillons 13 aus Gotha.

Lob und Beförderungen zum Abschluss

Mehrere Soldatinnen und Soldaten stehen in einer Linie. Rechts von ihnen spricht ein Soldat an einem Rednerpult.

Am Ende der Ausbildungswoche werden mehrere Offiziere während des Abschlussappells befördert

Bundeswehr/Andy Meier

Einen ganz besonderen Moment gibt es für den Offiziernachwuchs der Lüneburger Aufklärer. Der Kommandeur des Aufklärungslehrbataillons 3,  Oberstleutnant Martin Mittmesser, der General der Heeresaufklärungstruppe, Oberst Ralph Malzahn, und der Kommandeur der 10. Panzerdivision, Generalmajor Ruprecht von Butler, gratulieren den angetretenen Offizieren zu ihren neuen Dienstgraden.

„Ausgebildet werden und ausbilden“ – mit dieser Zielsetzung im Blick stellt sich die Heeresaufklärungstruppe jährlich der gemeinsamen Ausbildungswoche. Im kommenden Jahr treffen sich die Aufklärer des Heeres in Füssen und zeigen wieder, was sie können und lernen dazu.

von René Birkenstock

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