Der Heimatschutz der Bundeswehr probt den Ernstfall
Übung- Datum:
- Ort:
- Sachsen-Anhalt
- Lesedauer:
- 4 MIN
An drei Standorten haben die Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzes bei der Übung Vigilant Roland II zwei Wochen lang in verschiedenen Szenarien den Schutz Deutschlands im Inneren trainiert. Denn Angriffe auf die kritische Infrastruktur sind keine Seltenheit mehr – wie im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine täglich zu beobachten ist.
Ein Teil der zweiwöchigen Übung Vigilant Roland II fand im urbanen Raum Stendal, also außerhalb der Kasernen, statt. Hier überwacht ein Soldat einen Verkehrsknotenpunkt.
Bundeswehr/Marco DorowMontagmorgen, strahlend blauer Himmel. Der Berufsverkehr rollt über die neue Anschlussstelle der Autobahn A14 im Raum Stendal und der stark befahrenen Bundesstraße B188 – ein ganz normaler Wochenstart. Die meisten Autofahrerinnen und Autofahrer sind jedoch überrascht, als sie entlang der Bundesstraße mehrere ausgebaute Stellungen mit Sandsäcken sowie Soldatinnen und Soldaten sehen. Sie gehören nicht zur aktiven Truppe, sondern zur Heimatschutzdivision und bestehen zum Großteil aus Reservistendienstleistenden.
Die Übung Vigilant Roland II findet an drei verschiedenen Standorten von Mitte September bis Anfang Oktober statt: In Stendal werden verschiedene Szenarien im urbanen Raum, wie die zivil-militärische Zusammenarbeit bei Verkehrsunfällen, der Umgang mit gewaltbereiten Störern oder das Vorgehen bei Ausspähversuchen mit Drohnen trainiert. In der bayerischen Gemeinde Dornstadt übt das Heimatschutzregiment 1 die Sicherung eines Convoy Support Centers, also eines wichtigen militärischen Rastplatzes für Kraftfahrzeuge der Bundeswehr während einer Verlegung. Außerdem trainieren Heimatschützer auf dem Truppenübungsplatz Klietz mit unbemannten Drohnen und Sensoren.
All das gehört zum Auftrag der Heimatschutzdivision. Sie führt aktuell von Berlin aus sechs Regimenter mit 60 Heimatschutzkompanien an 42 Standorten in ganz Deutschland. Zu ihren Aufgaben zählen der Schutz und die Verteidigung des Staatsgebiets bei militärischen Bedrohungen, wie Angriffen auf die kritische Infrastruktur, aber auch Hilfe in Krisensituationen oder bei Naturkatastrophen.
Alles von oben im Blick: Per Drohne bewachen die Reservistinnen und Reservisten wichtige Infrastruktur und gewährleisten damit die Bewegungsfreiheit entlang wichtiger Marschrouten
Bundeswehr/Marco Dorow
Ohne Drohnen geht heutzutage nichts mehr bei der Bundeswehr. Auch beim Heimatschutz werden sie für vielfältige Aufgaben eingesetzt. Während der Übung wurde ihre Bedienung trainiert.
Bundeswehr/Marco DorowZurück nach Stendal. Hier übt der Heimatschutz drei Tage lang den Schutz verteidigungsrelevanter Infrastruktur, verhindert Sabotageakte und vereitelt gegnerische Aufklärung. „Wir simulieren eine Übung im Spannungsfall, bei der verkehrswichtige Knotenpunkte abgesichert werden müssen. Dabei überwachen wir diese vom Boden und aus der Luft“, erklärt Zugführer Hauptfeldwebel Nils B.*, während er mit einer Drohne verdächtige Objekte beobachten lässt.
Ausspähversuche sind keine Seltenheit mehr. Und wenn die Truppe abseits von Kasernen im öffentlichen Raum operiert, ist sie ständig der Gefahr gegnerischer Spionage ausgesetzt. Die möchte erfahren: Wie verhalten sich die Soldatinnen und Soldaten, wie ist die Bewaffnung und wie viele Soldatinnen und Soldaten sind eingesetzt? Genau vor dieser Art von Aufklärung müssen sich die Reservistinnen und Reservisten schützen.
Seit einiger Zeit ist die Drohnenausbildung daher Bestandteil der Heimatschutzausbildung Streitkräfte, der ehemaligen Grundausbildung. Dabei wird auch vermittelt, wie man Drohnen bedient. Und auch während der Übung Vigilant Roland II ist fast zu jeder Zeit eine Drohne in der Luft – entweder zur eigenen Aufklärung oder zur Unterstützung bei einer unübersichtlichen Lage.
Ein weiteres Szenario, das bis ins kleinste Detail vorbereitet wurde, ist die zivil-militärische Zusammenarbeit bei Verkehrsunfällen, zum Beispiel wenn Militärfahrzeuge während einer Verlegung über die Straße in einen Unfall verwickelt werden. In solchen Situationen kann die Bundeswehr aufgrund der Sanitätsausbildung der Soldatinnen und Soldaten und ihrer Ausrüstung schneller und besser helfen als die meisten Zivilistinnen und Zivilisten.
Gemeinsam Leben retten: Bei diesem fiktiven Unfall während der Übung Vigilant Roland II arbeitet die Truppe mit zivilen Kräften Hand in Hand
Bundeswehr/Marco DorowSo wird nach einem fiktiven Unfall mit mehreren verletzten Verkehrsteilnehmenden eine Rettungskette schnell aufgebaut. Die Unfallstelle wird abgesichert und die zivilen Rettungskräfte alarmiert. Bis zu ihrer Ankunft werden alle Patientinnen und Patienten bereits erstversorgt und lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen. Als die Rettungskräfte realitätsnah mit Blaulicht und Martinshorn eintreffen, erfolgt eine schnelle Übergabe der Verletzten. Schließlich geht es bei der Rettung von Menschenleben um Sekunden.
Jedes Übungsszenario an den drei Standorten wird im Anschluss mit allen Beteiligten professionell ausgewertet. Verbesserungsvorschläge können daher in den darauffolgenden Trainingsabschnitten sofort umgesetzt werden. Am Ende der Übung Vigilant Roland II hat der Heimatschutz bewiesen, dass er ein unverzichtbarer Pfeiler in der nationalen Sicherheitsarchitektur ist. Ob bei Sabotageakten, Ausspähversuchen oder einem Verkehrsunfall – die Reservistinnen und Reservisten haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, ihr Heimatland effektiv zu schützen und zu verteidigen. Zudem können sie zivile Behörden in einer Krise spürbar entlasten – die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Rettungsdienst und Polizei funktioniert auf hohem Niveau.
von PIZ Heer