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Heer
Szenario Bündnisfall

Heimatschützer trainieren Sicherung der Infrastruktur

Landes- und Bündnisverteidigung
Datum:
Ort:
Lehnin
Lesedauer:
6 MIN

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Die Heimatschutzkompanie Sachsen trainiert ein Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung. Über einen Bahnhof verlegt die Bundeswehr eigene und alliierte Truppen in Richtung Ostflanke. Die Kompanie erhält den Auftrag, eine Verladerampe für Panzer zu sichern. 

Zwischen leeren Gebäuden, alten Waggons und Gleisen laufen mehrere Soldaten mit Gewehr.

Soldatinnen und Soldaten der Heimatschutzkompanie Sachsen trainieren auf einem Gelände in Lehnin den Gebäudekampf

Bundeswehr/Benjamin Vorhölter

Um auf diesen Ernstfall vorbereitet zu sein, üben die Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzregiments 5 (siehe Infobox) regelmäßig, dieses Mal auf dem Truppenübungsplatz Lehnin.

„Klare Kommunikation“, ruft Oberstleutnant Bernd B. bei der Befehlsausgabe in die Formation. Der Kompaniechef zeigt mit einem Stock auf den Geländesandkasten. Das ist ein Modell des Geländes, nachgebaut aus natürlichen Materialien. Die Truppe ist fokussiert, ihre Motivation ist hoch. Mithilfe des Sandkastens gibt der Chef die Übungslage und den Auftrag durch. Der hat es in sich: Das Gelände ist weitläufig und umfasst mehrere Gebäude, Waggons, eine Verladerampe und ein angrenzendes Waldstück. „Unser Ziel ist es, das Objekt zu sichern und die Sabotage der Verladung zu verhindern“, erläutert der Kompaniechef die Anforderung an seine Einheit. Dabei übt die Kompanie vielseitige Fähigkeiten, etwa Wach- und Sicherungsaufgaben. Zur Ausbildung gehören auch Aufträge im Zusammenhang mit der Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe, über die sich die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Bündnistruppen von West nach Ost bewegen. Darüber hinaus soll den Soldaten vermittelt werden, feindbesetzte Gebäude zu nehmen, um sie anschließend zu sichern. Das erfordert intensives Training und Erfahrung.

Hohe Ausbildungsstandards

Zur Heimatschutzkompanie Sachsen gehören Reservistinnen und Reservisten aller Dienstgrade bis zum Oberstleutnant. Die meisten von ihnen wohnen in Sachsen und sind mit Land und Leuten vertraut. Ihr Hauptauftrag ist es, die aktive Truppe im Wach- und Sicherungsdienst für militärische Anlagen und Infrastruktur zu unterstützen und zu stärken. „Wir adaptieren bei den Aufgaben im Heimatschutz die Ausbildungsstandards des Heeres“, sagt Oberstleutnant B. Die Heimatschützer müssten sich auf Zivilisten, auf Störer, aber auch auf subversive Kräfte, einen militärischen Gegner einstellen. Denkbar seien Agenten, die militärische Objekte ausspähen oder Brandsätze legen. Es könnten aber auch professionelle Sabotagetrupps sein, die mit Handwaffen und Sprengmitteln ausgestattet sind. Um auf solche unterschiedlichen Akteure eingestellt zu sein, sind die Ausbildungsstandards entsprechend hoch. Wie wird das erreicht?

In Sachen Ausbildung hat sich im Heimatschutz seit der Unterstellung unter das Heer viel getan. „Wir haben einen klaren Ausbildungsauftrag“, sagt der Chef. Das sei vorher nicht der Fall gewesen. Personell, materiell und was die Ausrüstung betreffe, sei jetzt eine ganz andere Dynamik im Heimatschutz zu verzeichnen. „Ich habe nun die Ausbilder, um mit drei Zügen ausbilden zu können. Wir können vom Einzelschützen bis zum Offizier weiterbilden. Durch den Neuen Wehrdienst wird Personal hinzukommen. Und wir haben einen Ausbilder, der die Drohnenbedienung unterrichtet. So können wir auch Reservisten aus anderen Kompanien ausbilden“, zählt der Kompaniechef auf.

Im Auge des Sturms

Zurück in der Lage. Nach den Vorbereitungsmaßnahmen beziehen die Kräfte die Ausgangsstellung, um ein feindbesetztes Gebäude zu nehmen. Ein Trupp mit vier Männern positioniert sich hinter einem Waggon. Ein kurzes Signal an ihre Kameraden, die sich wenige Meter hinter ihnen befinden, und sie stürmen mit dem Gewehr G36 aus der Deckung. Mit schnellen Schritten geht es in Richtung Gebäudewand. Ein Soldat sichert nach oben ab, einer richtet sein G36 nach links, ein anderer nach rechts. Der vierte Kamerad konzentriert sich auf das Gebäude geradeaus. An einem Fenster, der möglichen Einbruchstelle, positioniert sich der Trupp und dringt in das Gebäude ein.

Mehrere Soldaten rennen mit Gewehren im Anschlag über eine Wiese zu einem Gebäude.

Der erfolgreiche Kampf in und um Gebäude verlangt höchste Konzentration und praktisches Können. In Lehnin lernen die Reservistendienstleistenden auch die Annäherung an ein Gebäude.

Bundeswehr/Benjamin Vorhölter

Im Haus riegelt ein Soldat einen Flur ab, ein anderer arbeitet sich eine Treppe hoch. Während die Soldaten ins erste Geschoss vordringen, rücken weitere Trupps in das Gebäude nach. An dieser Stelle unterbricht der Leitende die Übung und versammelt die Soldaten um sich. Die unverzügliche Manöverkritik der Ausbilder ist wertvoll: Sie verdeutlicht den Wert klarer Kommunikation und vermittelt Grundsätze wie die Aufstellung und Bewegung des Trupps im Raum. So gelingt es, Schritt für Schritt die Mängel abzustellen.

Gefährliches Nadelöhr

Schnell wird deutlich: Das richtige Nehmen eines Gebäudes ist die Königsdisziplin – selbst unter anfänglich einfachen Bedingungen. Man merkt: Je besser die Soldatinnen und Soldaten einzeln und in ihrem Zusammenwirken werden, desto komplexer wird das Szenario gestaltet: Wie ist die Lage im Gebäude? Sind unbeteiligte Personen oder ausschließlich Feindkräfte im Haus? Überall könnten Sprengfallen lauern. 

An diesem Tag setzen die Soldatinnen und Soldaten nun zum vierten Mal an, um das Gebäude zu nehmen. Aus den Fenstern blitzen die Läufe von Sturmgewehren, das Gebäude ist definitiv feindbesetzt. Ein Trupp nähert sich. Die Reservisten, die sich im Haus gegenüber verschanzt haben, müssen den Feind am Fenster niederhalten, also mit Feuer in die Deckung zwingen. „Handgranate!“, ertönt es. Auf der freien Fläche zwischen Bahnwaggon und Hauswand gibt es keine Deckung. Das Ausbildungsgerät Duellsimulator (AGDUSAusbildungsgerät Duellsimulator) eines Soldaten blinkt. Mit dem System lassen sich, ähnlich wie beim Spiel Laser Tag, Treffer simulieren. Beintreffer. Die Nebenleute reagieren sofort.

Einer packt den Verwundeten und zieht ihn hinter den Eisenbahnwaggon. Ein anderer feuert auf den Feind am Fenster im ersten Stockwerk. Während ein dritter Kamerad die Erstversorgung vornimmt, rücken weitere Kräfte des Alpha-Zugs nach. Im Haus müssen sie die Treppe überwinden. Dazu riegeln sie zunächst die Gänge ab. Der Treppenaufstieg ist ein gefährliches Nadelöhr. Hier sind gute Kommunikation, Koordination, schnelles Handeln und vor allem Mut gefragt. Das Gefecht ist kurz, intensiv und erfolgreich für den Alpha-Zug.

Mehrere Soldaten laufen mit Gewehren im Anschlag durch ein Treppenhaus eines grauen Gebäudes.

Im Gebäude können die Soldatinnen und Soldaten praktisch nachvollziehen, wie anstrengend es ist, sich Raum für Raum und Etage für Etage im feindbesetzten Gebäude vorzuarbeiten

Bundeswehr/Benjamin Vorhölter

Mit Beharrlichkeit und Motivation 

Oberstleutnant B. lässt anschließend am Sandkasten zur Auswertung antreten. „Die Treppe war nicht abgeriegelt. Vorher habt ihr das Erdgeschoss nicht genommen und der Feind muss entwaffnet sein“, lauten die Kritikpunkte. Auch die Gruppen- und Zugführer bekommen ein Feedback. Denn während der Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz übt auch das Führungspersonal in seinen Funktionen.

Oberstleutnant B. erinnert an den Dreiklang Kräfte, Raum und Zeit: „Wir sind ein verstärkter Zug, wir kennen unsere Gebäude, haben Raumkenntnis, und sind in einem Verhältnis zum Feind, wo wir angreifen können. Das Gebäude zu nehmen, geht daher schneller. Wenn wir länger brauchen, verzögert sich auch die Verladung. Das darf nicht passieren.“ Die Kritik zeigt, dass die Aufgabe sehr komplex ist. Das Zusammenspiel der Trupps muss funktionieren. Der Zugführer ist wie ein Dirigent, der in einem Orchester die einzelnen Instrumente zum Einsatz bringt. Alle müssen ihr Instrument beherrschen und ihre Rollen kennen. 

Ein letzter Durchgang. Der Kompaniechef lässt den Sturm des Gebäudes wiederholen. Dieses Mal leisten die Feinddarsteller größeren Widerstand. Mehr AGDUSAusbildungsgerät Duellsimulator-Geräte piepen. „Wenn ich den Schwierigkeitsgrad erhöhe, ist es ein Stück besser als vorher“, freut sich der Kompaniechef abschließend. Tatsächlich brauchen die Reservistinnen und Reservisten diesmal deutlich weniger Zeit, um das Gebäude zu sichern, werden insgesamt flüssiger in ihren Bewegungen.

Das Resümee: Der Ausbildungstag war für alle intensiv und hat deutliche Fortschritte und wertvolle Erkenntnisse mit sich gebracht. 

von Benjamin Vorhölter

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