Heer

Mit Flößen und Schlauchbooten über die Donau

Mit Flößen und Schlauchbooten über die Donau

  • Pioniere
  • Heer
Datum:
Ort:
Bogen
Lesedauer:
4 MIN

In dieser Woche sind die beiden Offizieranwärter Hauptgefreiter OAOffiziersanwärter Jonathan Seib und Gefreiter OAOffiziersanwärter Benjamin Teichmann bei der Gewässerausbildung an der Donau. Gemeinsam mit den anderen Kameraden der Spezialgrundausbildung (SGA) lernen sie, mit unterschiedlichsten Mitteln, wie Stegen, Flößen oder Schlauchbooten, Gewässer zu überwinden.

Vier Soldaten sitzen mit je einem Paddel auf einem Tonnenfloß. Am Ufer beobachtet sie ein Ausbilder.

Während der Gewässerausbildung paddeln die Offizieranwärter mit ihrem selbstgebauten Floß, bestehend aus vier Tonnen und Rundhölzern, über die Donau.

Bundeswehr/Lena Techam

Bevor die Soldaten auf das Wasser können, werden ihnen in der Theorie wichtige Grundlagen über Gewässer vermittelt. Die Ausbilder erklären Begriffe wie jenseits und diesseits, linkes und rechtes Ufer, Ober- und Unterstrom und die Sicherheitsbestimmungen. Im Anschluss an diesen Unterricht folgt die praktische Ausbildung.

Alles eine Frage der Technik

Im Vordergrund ein Vermessungsgerät auf einem Stativ: Soldaten sitzen nahe des Ufers auf einem Schlauchboot.

Blick vorbei am elektrooptischen Entfernungsmessgerät: Die Gruppe paddelt mit dem Schlauchboot zum anderen Ufer, um mit dem Wassertiefenaufnahmegerät die Wassertiefe des Seitenarms der Donau zu messen.

Bundeswehr/Lena Techam

Der Grundsatz lautet: Vor jedem Überwinden eines Flusses oder Sees muss dieser erkundet werden. Dabei wird zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit des Ufers getestet, der Böschungswinkel und die Breite des Gewässers gemessen. Auch müssen Stromgeschwindigkeit und Wassertiefe bestimmt werden. Um die Breite eines Flusses messen zu können, verwenden die Soldaten das elektrooptische Entfernungsmessgerät (ELDI). Damit können Entfernungen bis zu 1.900 Meter und Richtungen bestimmt werden.

Um die Tiefe des Wassers zu messen, steht den Pionieren das Wassertiefenaufnahmegerät (WaTAG) zur Verfügung. Das WaTAG wird am Schlauchboot befestigt. Wie ein Echolot zeichnet es das Flussprofil auf und druckt es, ähnlich wie bei einem EKG, aus. Anhand des Ausdrucks lassen sich sowohl die Wassertiefe ablesen, als auch Untiefen oder Hindernisse im Wasser erkennen. Mit diesen Erkundungsergebnissen können die Pioniere nun entscheiden, ob an dieser Stelle eine Übergangsstelle eingerichtet werden kann und welche Mittel man dazu benötigt. Während der Ausbildung fahren auch die Offizieranwärter aus Bogen mit ihren selbstgebauten Konstruktionen quer über den Fluss.

„Die Ausbildung am WaTAG ist sehr interessant. Anfangs konnten wir auf dem Ausdruck nichts erkennen. Nachdem der Ausbilder erklärt hatte, was die unterschiedlichen dicken und gezackten Linien bedeuten, war es dann auch für uns verständlich“, fasst Teichmann zusammen. Seib stimmt ihm zu: „Die Erkundungsausbildung mit dem WaTAG und die Gewässerkunde im Unterricht sind sehr lehrreich und interessant.“

Mit Muskelkraft und Geschick

Das Tiefenmessgerät in einer Kiste, darauf ein Papierstreifen, hinten bauen zwei Soldaten die Halterung vom Schlauchboot ab.

Das Wassertiefenaufnahmegeräte liefert per Papierstreifen das Flussprofil mit den unterschiedlichen Wassertiefen der Donau.

Bundeswehr/Lena Techam
Soldaten mit Schwimmwesten tragen einen kleinen Ponton zum Ufer. Dort hängen sie ihn an einen vorhandenen Schützenschwimmsteg.

Die Offizieranwärter der Spezialgrundausbildung in Bogen bauen einen Schützenschwimmsteg über den Fluss.

Bundeswehr/Lena Techam

Besonders herausfordernd ist die Errichtung des Schützenschwimmstegs. Die Offizieranwärter müssen die einzelnen Segmente am Ufer zusammensetzen und mit Muskelkraft ins Wasser tragen. „Das ist schon sehr anstrengend“, sagt Teichmann. Auf diese Weise können 100 Meter innerhalb von 45 bis 90 Minuten gebaut werden. „Es geht aber auch schneller“, merkt der Offizieranwärter an: „Nachdem wir den Steg mit Erklärung und Hilfestellung der Ausbilder ein paar Mal gebaut haben, wird von jedem Halbzug die Zeit gestoppt. Die Kameraden des anderen Halbzuges sind mit 37 Minuten etwas schneller als wir.“

An der nächsten Station ist dagegen mehr handwerkliches Geschick erforderlich. Mit Holzstangen, Holzbohlen, Tonnen und Kanistern bauen die jungen Soldaten Flöße. Dazu werden die Bauteile fest mit Leinen verschnürt. Allein, zu zweit oder zu viert paddeln die Pioniere auf dem Wasser und testen ihr Gefährt. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. „Ein paar Kameraden hatten ihre Flöße nicht fest genug verknotet und sind dann ins Wasser gefallen“, grinst Seib.

Wettbewerb der Ausbildungsgruppen

Auf dem Boden liegen Rundhölzer für die Plattform eines Tonnenfloßes. Zwei Soldaten binden vier Tonnen an die Ecken.

Zwei Pioniere der Spezialgrundausbildung binden Tonnen an die Rundhölzer, um die Plattform für ein Tonnenfloß zu bauen.

Bundeswehr/Lena Techam

Zum Abschluss der Gewässerausbildung lässt sich der Zugführer der SGA, Oberleutnant Matthis Fohrst, noch etwas Besonderes einfallen. In einem Wettkampf sollen die Ausbildungsgruppen gegeneinander paddeln. Vom Wasserübungsplatz geht es auf dem Seitenarm hinaus auf die Donau. Gegen den Strom müssen die Gruppen eine Boje umrunden, bevor sie wieder zurück zum Start gelangen. Am Ufer angekommen, holen die jungen Pioniere das Schlauchboot schließlich an Land und tragen es 100 Meter landwärts. Anschließend steht der Rückmarsch zur Kaserne an. Seit Beginn der SGA geht es jeden Tag im Laufschritt zurück zu den Unterkünften. Die Ausbilder achten wie immer darauf, dass alle Teilnehmer geschlossen die Kaserne erreichen. Hier ist Kameradschaft gefragt. Die Offizieranwärter unterstützen und motivieren sich gegenseitig.

Verbesserte Kondition

Auf einem wackeligen Kanisterfloß steht ein Soldat mit Schwimmweste und versucht, vorsichtig ans andere Ufer zu paddeln.

Einen Mutigen gibt es immer: Auf dem Kanisterfloß paddelt ein junger Soldat über das Wasser.

Bundeswehr/Lena Techam

Am Ende der Woche merken Teichmann und Seib, dass sich ihre Hoffnungen auf eine bessere Kondition bewahrheitet haben. „Jeden Tag wird die körperliche Belastung gesteigert. Nach dieser Woche bin ich schon ziemlich fertig“, muss Teichmann feststellen. „Das war die Woche der langen und schweren Arme. Es war anstrengender als gedacht. Die ungewohnte Bewegung beim Paddeln war sehr ermüdend. Vor allem der Wettkampf am letzten Tag hat uns alle geschafft“, ergänzt Seib.

Für Seib war die Gewässerausbildung ein Highlight der SGA: „Meine Erwartungen an diesen Ausbildungsabschnitt wurden erfüllt. Die Vielseitigkeit und das große Aufgabenspektrum der Pioniere sind sehr reizvoll.“ Für den jungen Soldaten ist das Fachwissen der Pioniere um Gewässer eine deutliche Abgrenzung zu anderen Truppengattungen. „Das Überqueren von Gewässern hat eine lange Tradition in der Pioniertruppe. Die Pioniere identifizieren sich mit dieser Fähigkeit. Die Brücke steht nicht umsonst im Mittelpunkt ihres Abzeichens“, hebt der Hauptgefreite hervor.

von Jan Diehl

Mehr Lesen