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Pionierausbildung: Spanischer Reiter und Flandernzaun

Pionierausbildung: Spanischer Reiter und Flandernzaun

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Datum:
Ort:
Bogen
Lesedauer:
4 MIN

Nach der Grundausbildung (GAGrundausbildung) nehmen die Soldaten des Heeres an der mehrwöchigen Spezialgrundausbildung (SGA) ihrer Truppengattung teil. Wir begleiten zwei Offizieranwärter der Pioniertruppe im Panzerpionierbataillon 4 im bayerischen Bogen.

Auf einer Wiese stehen zwei Andreaskreuze aus Rundhölzern, die mit einem langen Riegel verbunden sind.

Mit Bandstacheldraht umwickeln zwei Soldaten das Holzgestell, um daraus einen modernen Spanischen Reiter zu bauen. Historisch bezeichnet dieser Begriff allgemein Barrieren und Reitersperren verschiedener Art.

Bundeswehr/Kai-Markus Bergmann

Mit dicken Lederhandschuhen und Bandstacheldraht „bewaffnet“, machen sich Hauptgefreiter OAOffiziersanwärter (Offizieranwärter) Jonathan Seib und Gefreiter OAOffiziersanwärter Benjamin Teichmann an den letzten Teil ihrer Arbeit. Das Grundgestell aus zwei Holzkreuzen und einen langen Riegel ist bereits fertig. Ihr Auftrag: Sie sollen aus Rundhölzern und Bandstacheldraht einen Spanischen Reiter bauen. Dabei handelt es sich um eine Sperre, mit der Wege und Straßenzüge schnell blockiert werden können. Ihr Ausbilder hat ihnen an einem Beispiel gezeigt, wie sie vorzugehen haben.

Offizieranwärter in der Truppe

Seib, Teichmann und 15 weitere Offizieranwärter sind seit Ende September gemeinsam mit Kameraden anderer Laufbahnen Teilnehmer der SGA im Panzerpionierbataillon 4 in Bogen. Seit diesem Jahr findet nach 14 Jahren die Ausbildung der Offiziere im Heer nicht mehr in den Offizieranwärterbataillonen, sondern wieder in der Truppe statt. Wie jeder Soldat in der Laufbahn der Mannschaften und Unteroffiziere nehmen alle Offizieranwärter wieder an der GAGrundausbildung teil. Im Anschluss werden sie in den unterschiedlichsten Verbänden des Heeres in ihrer Truppengattung ausgebildet.

Auf einer Wiese ist Bandstacheldraht zwischen Pfählen gespannt – ein Flandernzaun Sechs Soldaten verlängern die Sperre.

Während der Spezialgrundausbildung lernen die jungen Soldaten, einen Flandernzaun zu bauen, ein Stacheldrahtgeflecht an Holzpfählen. Dieser Zaun soll unter anderem eine seeseitige Anlandung des Feindes verhindern.

Bundeswehr/Kai-Markus Bergmann

Dieses Jahr wurde die GAGrundausbildung aufgrund der Covid-19-Pandemie in eine Fernlernphase zu Hause und die praktische Ausbildung in der Grundausbildungseinheit aufgeteilt. „Die Fernlernphase in der GAGrundausbildung war ziemlich trocken. Die anschließenden zweieinhalb Monate in Gera waren dafür umso lehrreicher und sehr interessant. Einige Themen aus der Fernlernphase wurden zwar wiederholt, dafür gab es auch endlich Praxis mit Gefechtsdienst und der ersten Waffenausbildung am Gewehr G36“, blickt Teichmann auf die Zeit zurück. Von Juli bis September war er im Panzerpionierbataillon 701 in Gera. Der 19-Jährige hat sich recht früh entschieden, zur Bundeswehr zu gehen: „Mein Onkel diente früher als Feldwebel bei den Pionieren. Er hat mir die Pioniertruppe schmackhaft gemacht.“ Die persönliche und körperliche Weiterentwicklung, ständige Leistungsbereitschaft und Vielfältigkeit des Soldatenberufs waren Teichmanns Motive. Für die Spezialgrundausbildung hofft der Gefreite, mehr praktische Anwendungen zu erleben. Er will an seine Leistungsgrenzen gehen und darüber hinaus.

Von der Luftwaffe zum Heer

Ähnliche Erwartungen stellt auch Seib an die zwölfwöchige SGA. Der Hauptgefreite ist bereits seit August 2017 Soldat. Aufgrund seiner Vordienstzeit als Luftwaffensicherungssoldat und Kraftfahrer beim Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel musste er die GAGrundausbildung kein zweites Mal absolvieren. „Die Entscheidung die Offizierlaufbahn einzuschlagen, kam mit der Zeit. Als Mannschaftssoldat sind die Karrierechancen doch eher beschränkt. Letztendlich wurde mein Ehrgeiz geweckt. Ich wollte mehr machen und auch Verantwortung für Personal und Material übernehmen“, begründet Seib seine Entscheidung. Offizier wollte er nur im Heer werden. Seine Wunschverwendung, Offizier in der Panzertruppe zu werden, wurde dem Hauptgefreiten leider abgelehnt. „Jetzt bin ich Pionier und habe gemerkt, dass die Aufgaben der Panzerpioniere und Pionieraufklärer sehr interessant, vielfältig und herausfordernd sind“, sagt der 21-Jährige.

Und damit hat Seib recht. Die Aufgaben und Fähigkeiten der Pioniertruppe sind breit gefächert. Dementsprechend ist das Ausbildungsprogramm der SGA in Bogen recht umfassend. Neben der Ausbildung am Maschinengewehr MG3, der Pistole P8 und der Panzerfaust 3, stehen Schießausbildung, Gefechtsdienst, Ausbildung am Pioniergerätesatz und Gewässerausbildung auf dem Plan. Am meisten freuen sich die beiden jungen Männer aber auf die Sprengausbildung Ende November. „Da das Sprengen auch bei den Pionieren nicht allzu oft stattfindet, ist es toll, dass wir damit unsere SGA abschließen“, erklärt Seib.

Pioniere als Handwerker

Fünf Soldaten knien in großem Abstand voneinander auf Bastmatten, darauf steht neben jedem eine Panzerabwehrrichtmine.

Auch das Anlegen der Panzerabwehrrichtmine müssen die Pioniere beherrschen. Der Gruppenführer erklärt den Soldaten Schritt für Schritt, wie die Richtmine aufgebaut und scharfgestellt wird.

Bundeswehr/Kai-Markus Bergmann

Auf der Ausbildungswiese läuft die Sperrausbildung weiter. Den Zweck von Sperren, die schriftliche Nachweispflicht und die unterschiedlichen Sperrarten wurde der Ausbildungsgruppe vorher im Unterricht erklärt. Wie die Pioniere mit dem dafür notwendigen Werkzeug arbeiten, haben sie bereits vor zwei Wochen gelernt. Von Handwerkzeugen, wie Bügelsäge, Hammer und Bolzenschubgerät, bis zu elektrischen und motorbetriebenen Maschinen (dazu zählen unter anderem Winkelschleifer und Aufbrechhammer) des Pioniergerätesatzes ist alles dabei.

Die zwei Offizieranwärter sind inzwischen mit ihrem Spanischen Reiter fertig. An der nächsten Station sollen sie nun einen Flandernzaun errichten. Hier gilt es, auch wieder die Sicherheitsbestimmungen zu beachten. „Der Bandstacheldraht ist sehr scharf. Ohne die Lederhandschuhe würden wir uns sofort verletzen“, erklärt Teichmann. Für diese Sperre aus Bandstacheldraht braucht man Zeit. Schließlich soll sie Soldaten und Fahrzeuge gleichermaßen aufhalten. Eine andere Ausbildungsgruppe lernt hingegen den Aufbau und die Funktion der Panzerabwehrrichtmine kennen. Sie ist sehr effektiv gegen gepanzerte Fahrzeuge. Das werden Benjamin Teichmann und Jonathan Seib in den nächsten Tagen lernen, bevor sie in einer Nachtausbildung ihr Wissen im Dunkeln anwenden müssen.


Nächste Woche folgt Teil 2 der SGA mit der Gewässerausbildung an der Donau.


von Jan Diehl

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