Heer

Nächster Härtetest für Litauen

Nächster Härtetest für Litauen

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
4 MIN

Erst seit wenigen Wochen führt Hauptmann Tobias H. die 4. Kompanie im Panzergrenadierbataillon 411. Nun absolviert er mit seinen Soldatinnen und Soldaten im Schießübungszentrum des Heeres in Munster gleich ein Einsatztraining. Gemeinsam bereiten sie sich auf die kommende Mission Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence), die Beistandsinitiative an der Ostflanke der NATO, vor.

Vier Soldaten gehen auf einem breiten, sandigen Waldweg an einem Schützenpanzer vorbei.

Ob auf- oder abgesessen – die Panzergrenadiere aus Viereck müssen in allen Gefechtssituationen bestehen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Tobias H. steht in einer der offenen Luken im Heck eines Schützenpanzers Marder. Vor sich hat er eine große Lagekarte liegen. Über seinen Sprechsatz empfängt der Panzergrenadieroffizier die Meldungen seiner einzelnen Züge seiner Kompanie und kann diese sofort auf der Karte verorten und einordnen. Wo ist der Feind? Greift er tatsächlich so an, wie er vorab beurteilt wurde? Oder besteht Handlungsbedarf und muss von der eigenen Absicht und dem zuvor erstellten Operationsplan abgewichen werden?

Ein Soldat mit Kopfhörern blickt auf eine große Karte.

Kompaniechef, Hauptmann Tobias H., führt das Gefecht zunächst von seinem Schützenpanzer Marder aus.

Bundeswehr/Marco Dorow

Sein Auftrag lautet: den Feind verzögern. Das bedeutet, er soll Zeit gegen Raum eintauschen und dabei immer wieder das Gefecht mit dem Feind suchen, um sich dann wieder zu lösen und an anderer Stelle erneut den Feuerkampf zu führen. Die Verzögerung soll, wie der Name schon sagt, den Feind verlangsamen und den eigenen Kräften Zeit verschaffen, um später zum Beispiel einen Gegenangriff zu führen oder sich in der Tiefe des Raums auf den Kampf vorzubereiten.

Dem Kompaniechef stehen dabei nicht nur die eigenen Panzergrenadiere und Scharfschützen aus Viereck zur Verfügung – hinzu kommt ein Zug mit Kampfpanzern Leopard 2 aus Augustdorf, Pioniere aus Havelberg und ein Joint Fire Support Team, also Feuerunterstützer, aus Munster. Sie alle unterstützen den Chef bei seinem Verzögerungsauftrag.

Die verschiedenen Phasen des Verzögerungsgefechts werden durch den Hauptmann geführt und koordiniert. Zum Beispiel der Feldposten, der die Kompanie unter anderem sichern und alarmieren soll, wenn der Feind angreift oder die Aufnahme von Aufklärungskräften, die noch vor der Kompanie eingesetzt waren und in die Tiefe des Raumes verlegen sollen, um dort einen neuen Auftrag zu bekommen. Für den Kampf werden Sperren benötigt, die in Zusammenarbeit mit den Pionieren koordiniert werden müssen, sodass Kampfzüge damit auch kämpfen können. Auch das Steilfeuer der Artillerie bedarf einer Koordinierung, um den maximalen Erfolg zu erreichen und eigene Kräfte nicht zu gefährden.

Der Chef führt von vorn

Zwei Soldaten hocken im Wald, der rechte spricht in ein Funkgerät, der linke sichert ihn mit einem Gewehr.

Der Kompaniechef (r.) hat sich entschlossen, abgesessen, also zu Fuß, das Gefecht im Schwerpunkt zu führen.

Bundeswehr/Marco Dorow

In einem Waldstück kommt es schließlich zum entscheidenden Gefecht zwischen „Vier Null“, so das Rufzeichen des Chefs, seiner Kompanie und dem Feind. Hier dargestellt von einer Kompanie aus dem Panzergrenadierbataillon 401 aus Hagenow und einem polnischen Panzerzug. Bislang hat H. das Gefecht von seinem Schützenpanzer geführt, in der entscheidenden Phase sitzt er ab und ist beim Bravo-Zug, der im Schwerpunkt eingesetzt ist.

Ein Panzer in voller Fahrt, Staub wirbelt auf.

Unterstützt werden die Panzergrenadiere unter anderem mit einem Zug Kampfpanzer Leopard 2 aus dem Panzerbataillon 203 in Augustdorf.

Bundeswehr/Marco Dorow

Das Schießübungszentrum (SchÜbZ) ist für die verstärkte Kompanie des Panzergrenadierbataillons 411 ein wichtiger Schritt bei der Vorbereitung auf die anerkannte Mission EFPEnhanced Forward Presence im kommenden Jahr. Hier kommen die einzelnen Teileinheiten zum ersten Mal zusammen und kämpfen gemeinsam. Viele Fähigkeiten, die in einem möglichen Ernstfall von den Panzergrenadieren beherrscht werden müssen, werden im SchÜbZ ausgebildet und trainiert. Einzelne Gefechtsphasen werden bei Bedarf für konstruktive Kritik unterbrochen, neu angesetzt oder zum Schluss besprochen. So kann eine effektive Auswertung und eine Verbesserung des Ausbildungsstandes erreicht werden. Eine fordernde Zeit für alle Soldaten, die in den Hochphasen des Übungsdurchgangs nicht viel Schlaf bekommen, dafür aber jede Menge Know-how mitnehmen.

Konstruktive Kritik auf Augenhöhe

Ein Soldat schiebt auf einer großen Karte an der Wand farbige, runde Magnete, auf denen taktische Symbole gemalt sind..

Der Leiter des Schießübungszentrums, Oberstleutnant Richard Stöver, begleitet die Truppe eng mit seinen Schiedsrichterteams.

Bundeswehr/Marco Dorow

Begleitet werden die einzelnen Züge, Trupps und auch die Kompanieführung durch zahlreiche Schiedsrichter. Für den Kompaniechef ein erfolgreiches Konzept: „Lob an das Schiedsrichterpersonal der Ausbildungseinrichtung. Das war konstruktiv und menschlich auf Augenhöhe.“ Vor der Übung erarbeitete zum Beispiel die Kompanieführung mit dem Schiedsrichter, wie das Gelände zu beurteilen ist, welche Möglichkeiten der Feind hat und was die eigenen Möglichkeiten sind. Daraus erstellten sie eine Absicht sowie einen Operationsplan. „Da sind wir wirklich gut begleitet worden“, so H.

Für den Kompaniechef ist es in seiner neuen Funktion das erste Mal, dass er in der Ausbildungseinrichtung in Munster übt. „Das hat uns hier alles ein gutes Stück nach vorn gebracht“, so der Hauptmann. „Vor allem das Zusammenspiel der Kompanieführung, wie etwa Kompanietruppführer und Kompanieeinsatzoffizier, war wichtig, da wir bisher noch nicht zusammen gekämpft haben.“ Zum ersten Mal muss er nicht nur auf der Zugführerebene, sondern auf der Ebene des Kompaniechefs koordinieren, eine Befehlsausgabe halten, das „Große und Ganze“, wie er sagt, im Blick haben und führen. Am Ende der 72-Stunden-Übung im SchÜbZ steht für den neuen Chef der Vierten fest: „Das war nicht nur ein Erfolg für die Grenadiere der 4. Kompanie, sondern für alle Kräfte, die für EFPEnhanced Forward Presence auch ein Teil der Kompanie sein werden. Unsere Zusammenarbeit hat sich durch den Aufenthalt hier deutlich verbessert.

Voller Einsatz zu jeder Zeit

Ein Soldat schießt liegend in einem Waldstück mit einem Maschinengewehr.

Die Panzergrenadiere aus Viereck müssen auch in schwierigem Gelände, wie hier im Wald, das Verzögerungsgefecht beherrschen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Und der Kompaniechef lobt seine Soldaten: „Der Kampf als Panzergrenadier während der Ausbildung im Schießübungszentrum ist anspruchsvoll – mehrere intensive Durchgänge am Tag, auf- und abgesessen, mit Maschinengewehr, Panzerfaust, durch schwieriges Gelände über weite Distanzen. Da waren die Soldaten hoch motiviert und haben alle vollen Einsatz gezeigt.“

Für seine Kompanie geht es in den kommenden Wochen mit einem eng getakteten Programm weiter. Nach dem Technischen Dienst als Nachbereitung des Übungsplatzaufenthaltes stehen weitere Ausbildungen auf allen Ebenen an. Im September wartet auf die Männer und Frauen aus Viereck der Höhepunkt der Vorbereitung auf den Einsatz in Litauen: Dann geht es ins Gefechtsübungszentrum in der Letzlinger Heide. Dort werden auch die ersten multinationalen Einheiten mit den Panzergrenadieren zusammen üben.

von Joachim Samse

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