Heer
Evakuierungsübung

Schneller Adler erfolgreich beendet

Schneller Adler erfolgreich beendet

  • Übung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Putgarten
Lesedauer:
4 MIN

In den letzten Tagen haben Soldatinnen und Soldaten der Division Schnelle Kräfte des Heeres, der Marine, des Sanitätsdienstes und der Streitkräftebasis gemeinsam mit niederländischen Kameraden im Nordosten Deutschlands verschiedene Evakuierungsszenarien geübt. Zum Abschluss musste der deutsche Botschafter aus einem fiktiven Krisengebiet in Sicherheit gebracht werden.

Personen in Uniform und ziviler Kleidung laufen auf einen Hubschrauber zu.

Der deutsche Botschafter wird durch die Quick Reaction Force des Evakuierungsverbandes in Sicherheit gebracht

Bundeswehr/Mario Bähr

Das Auswärtige Amt hat die Evakuierung des Botschaftspersonals in einem Krisenland angewiesen. Nun müssen die deutsch-niederländischen Einsatzkräfte der Übung Schneller Adler 2022 schnell und zielgerichtet einen Transport mit Bundeswehrhubschraubern organisieren und umsetzen. Die besondere Herausforderung dabei: Nach einem 30-minütigen Flug soll eine Verbindungsaufnahme mit dem Botschaftspersonal beziehungsweise der Bundespolizei erfolgen. Danach soll das entsprechende Personal gefunden und ausgeflogen werden.

Doch wie kam es dazu?

Rückblick 1: Evakuierung mit dem Flugzeug

Zwei Personen in roten Warnwesten sitzen einer Zivilperson in grauer Kleidung an einem Tisch gegenüber.

Das Krisenunterstützungsteam nimmt die zu evakuierenden Personen auf und überprüft sie

Bundeswehr/Mario Bähr
Zahlreiche Personen stehen in einer Schlange vor einem Flugzeug. Im Hintergrund hilft ein Soldat beim Einsteigen.

Zahlreiche Zivilpersonen, die in Sicherheit gebracht werden sollen, müssen nacheinander schnell ein Flugzeug besteigen

Bundeswehr/Mario Bähr

Noch vor fünf Tagen war die Lage im fiktiven Krisenland so ruhig, dass die Evakuierung von deutschen (und europäischen) Staatsbürgerinnen und -bürger durch ein Krisenunterstützungsteam (KUTKrisenunterstützungsteam) des Auswärtigen Amtes am Sammelpunkt „Generalkonsulat“ erfolgte. Nach der Registrierung und Durchsuchung der zu evakuierenden Personen ging es mit dem Bus zu einem Flughafen, von wo die Einsatzkräfte der Bundeswehr einen Abflug in ein sicheres Gastland ermöglichten. Über 200 Personen gelangten so aus der Gemeinde Trinwillershagen im Landkreis Vorpommern-Rügen über Barth und nach Peenemünde auf Usedom.

Rückblick 2: Ein Hafen als Sammelpunkt

Zivilisten mit Schwimmwesten stehen nebeneinander, vor ihnen steht ein bewaffneter Soldat und sichert.

In diesem Teil der Übung wird die Evakuierung über den Hafen organisiert

Bundeswehr/Mario Bähr

Da der erste Sammelpunkt im Landesinneren des fiktiven Krisenlandes lag, hat das Auswärtige Amt vor vier Tagen im Seehafen Mukran auf Rügen einen weiteren Evakuierungspunkt geöffnet. Am Verhalten der zu evakuierenden Personen merkten das KUTKrisenunterstützungsteam und die Einsatzkräfte, dass sich die Stimmung gegenüber dem Vortag verschlechtert hatte. Trotzdem gelang es, alle Betroffenen auf das Gelände und die Räume des Hafenterminals zu geleiten. Wie am Vortag wurden auch hier alle Personen erfasst und untersucht. Zusätzlich mussten auch einige Schutzsuchende ärztlich versorgt werden.

Rückblick 3: Pendelverkehr mit Speedbooten

Auf einem großen Schlauchboot sitzen mehrere Personen mit orangefarbenen Schwimmwesten.

Im Pendelverkehr werden die zu Evakuierenden zur niederländischen Rotterdam gebracht

Bundeswehr/Mario Bähr

An diesem Tag nutzten die Einsatzkräfte erstmals die Option „Evakuierung auf dem Wasserweg“. Vor dem Hafen wartete das niederländische Landungsschiff „Rotterdam“, um die schutzsuchenden Staatsbürger aufzunehmen. Der Weg dahin war jedoch aufwendiger als am Vortag: Nach den Kontrollen an Land mussten alle Schwimmwesten anlegen, denn der Transfer zur „Rotterdam“ erfolgte mit kleinen Speedbooten. In diesen ist jedoch nur für maximal sechs Personen Platz. Also richtete die Besatzung des Landungsschiffs einen Pendelverkehr mit den kleineren Booten ein. Niederländische und deutsche Marineinfanteristen waren zuvor abgesetzt worden, um die Aktion im Hafengelände abzusichern.

Rückblick 4: Neuer Ansatz

Personen mit Schwimmwesten und Soldaten stehen auf einer Hafenmauer. Im Vordergrund ein Speedboot.

Neuer Sammelpunkt, gleiches Verfahren: Die Speedboote steuern das Landungsschiff „Rotterdam“ an, das später alle Zivilisten an einen sicheren Ort bringt

Bundeswehr/Mario Bähr

Da jedoch nicht alle Schutzsuchenden die bisherigen Sammelpunkte erreichen konnten, entschloss sich das Auswärtige Amt am Folgetag nochmals eine Rettungsaktion mit Unterstützung der „Rotterdam“ zu starten. Diesmal wurde der Hafen der Stadt Sassnitz auf Rügen als Ausgangspunkt durch das KUTKrisenunterstützungsteam gewählt. In der Summe konnten die Einsatzkräfte mehr als 500 Personen durch einen weiteren Speedbooteinsatz in Sicherheit bringen.

Rückblick 5: Hubschrauber kommen zum Einsatz

Ein Soldat landet mit seinem grünen Fallschirm auf einem Feld.

Die ersten Kräfte des Evakuierungsverbandes landen mit dem Fallschirm in der Nähe der Radiostation

Bundeswehr/Mario Bähr
Ein Hubschrauber schwebt über einem Feld. Am Boden hocken und liegen Soldaten.

Nach den Vorauskräften landen die Hauptkräfte mit einem Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90

Bundeswehr/Mario Bähr

Nun wird die Gesamtsituation zunehmend kritisch. Es erfolgt ein Anruf einer Sendestation der Deutschen Welle: Mehrere Mitarbeiter sind im Krisenland nahe der Stadt Putgarten isoliert und können aus eigener Kraft nicht mehr einen sicheren Sammelpunkt erreichen. Die Einsatzkräfte entschließen sich deshalb für einen robusten Ansatz zur Evakuierung. Am frühen Morgen landen erst 20 Einsatzkräfte mit dem Fallschirm unweit der Sendestation. Sie sichern das Gelände so ab, dass die Hauptkräfte mit sechs Hubschraubern eingeflogen werden können. Während der ganzen Aktion kreisen Kampfhubschrauber Tiger über dem Gelände und schützen aus der Luft die Bodenkräfte.

Nachdem die Rundumsicherung aufgebaut ist, werden die zu evakuierenden Personen auf dem Gelände gefunden und mit dem Hubschrauber ausgeflogen. Anschließend landen erneut die Hubschrauber und nehmen die Einsatzkräfte für den Rückflug auf. In der Summe dauert alles nur etwa 90 Minuten.

Letzte Aktion: Botschaftspersonal evakuieren

Ein Hubschrauber steht auf einer Wiese, davor hocken Soldaten.

Letzter Akt beim Schnellen Adler: Evakuierung des Botschaftspersonals aus der deutschen Botschaft im fiktiven Einsatzland

Bundeswehr/Mario Bähr
Eine Person im dunklen Anzug wird durch mehrere bewaffnete Soldaten begleitet.

Unter Sicherung der Evakuierungskräfte geht es für den Botschafter Richtung Hubschrauber, der ihn sicher aus der Gefahrenzone bringt

Bundeswehr/Mario Bähr

Trotz aller internationalen Bemühungen ist es nicht gelungen, eine Eskalation in dem fiktiven Krisenland zu verhindern. Die Situation hat sich nun so zugespitzt, dass das Auswärtige Amt die Evakuierung der Botschaft angewiesen hat.

Die Sicherheit des Botschaftspersonals liegt in den Händen der Bundespolizei. Die Beamten vor Ort nehmen telefonisch Verbindung zu den Einsatzkräften auf und bereiten alles für eine Evakuierung vor. Der Plan: Der Botschafter und das Botschaftspersonal sollen mit Hubschraubern ausgeflogen werden. Ein Landeplatz unweit der Botschaft ist erkundet. Nach einem 30-minütigen Flug treffen die Einsatzkräfte ein, landen nach vorher ausgemachten Erkennungszeichen und nehmen Verbindung zur Bundespolizei auf. Kurze Zeit später sind alle wieder auf dem Rückweg zum Hubschrauber. Der Botschafter und seine Leute können schnell und erfolgreich ausgeflogen werden.

von Ralf Heberer

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