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Soldaten feiern Weltfriedenstag im Würzburger Dom

Soldaten feiern Weltfriedenstag im Würzburger Dom

  • Militärseelsorge
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Datum:
Ort:
Würzburg
Lesedauer:
3 MIN

„Jeder Krieg entpuppt sich in Wirklichkeit als Brudermord, der das Projekt der Brüderlichkeit zerstört.“ Mit den Worten Papst Franziskus appelliert der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom beim Weltfriedenstag im Würzburger Dom an die Menschen, für die Wahrung des Friedens einzutreten. Ausdrücklich dankte er den Soldaten der Bundeswehr dafür, dass sie dem Frieden dienen.

Eine Reihe von Soldaten laufen mit kirchlichen Kerzen, Kreuz und liturgischen Gefäßen durch den Dom.

Weltfriedenstag: Zum Einzug in den Würzburger Kiliansdom gehen die Ministranten in Uniform voran.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Vor rund 600 Soldaten der Bundeswehr erinnert der Weihbischof an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren, der mindestens 55 Millionen Menschen das Leben kostete. Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, die sich am 27. Januar zum 75. Mal jährte, nimmt er zum Anlass, daran zu erinnern, „was der Mensch dem Menschen antun kann“. Gleichzeitig dankt er den Bundeswehrsoldaten für ihren Friedensdienst, der dazu beitrage, dass die Menschen in Europa seit Jahrzehnten in Frieden leben. Dies sei nicht selbstverständlich. „Als Bürger dieses Landes sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank!“

Wie eh und je speise sich der Krieg aus Machtwillen, aus Angst vor dem anderen und der Unterschiedlichkeit, die als Gefahr wahrgenommen wird. Doch verlagerten sich die Kriegsschauplätze nun in andere Regionen der Welt – in denen sich nun Soldaten der Bundeswehr für den Frieden einsetzten, so Weihbischof Boom.

Einladung des Militärdekans

Soldaten und Angehörige sitzen im Gestühl des Domes.

Rund 600 Soldaten und Angehörige sind zum Gottesdienst nach Würzburg gereist.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Nicht selbstverständlich sei auch, „dass Soldaten erkannt werden als Menschen, die sich für den Frieden in der Welt einsetzen“, sagt der leitende Militärdekan Artur Wagner aus München. Auf seine Einladung hin sind die Soldaten in den Dom gekommen. Das Motto des diesjährigen Weltfriedenstages lautet: „Der Friede als Weg der Hoffnung: Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“. Soldaten und Angehörige sind aus den Kasernen in Veitshöchheim, Hammelburg, Volkach, Hardheim, Walldürn, Niederstetten und Wildflecken zum Gottesdienst angereist.

Die katholische Kirche feiert seit 1968 den Weltfriedenstag am 1. Januar. Er wird in deutschen Gemeinden aber auch flexibel innerhalb der ersten Wochen des Jahres begangen. Dieser Gedenktag entstand, als sich Papst Paul VI. 1967 angesichts der weltweiten Spannungen mit einer Friedensbotschaft an die Regierenden in aller Welt wandte und den Neujahrstag zum Weltfriedenstag erklärte.

Es braucht Gottvertrauen, um Frieden zu schaffen

Der Weihbischof betet im liturgischen Gewand, Ministranten halten Kerzen.

Begleitet von Soldaten als Ministranten zelebriert Weihbischof Ulrich Boom die Heilige Messe.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

„Wie überwinden wir den Krieg?“, fragt Weihbischof Boom, und führt das Beispiel Davids an, der mit Gottvertrauen den Riesen Goliath besiegte. „Mit einem großen Gottvertrauen besiegt man Riesen-Probleme.“ Gottvertrauen brauche man, um Vertrauen säen und Konflikte lösen zu können, predigt der Bischof. Dafür brauche es keine leeren Worte, sondern glaubwürdige Zeugen und Handwerker des Friedens, die über die verschiedenen Ideologien hinaus nach der Wahrheit suchen, wie es in der Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag heißt. Boom zitiert den früheren Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück: „Der Schlüssel zu allem ist die Bereitschaft zuzuhören und sich auf den Stuhl des anderen zu setzen.“

Konsequentes Eintreten für Grundrechte

Der Weihbischof im liturgischen Gewand steht mit weiteren Geistlichen betend am Altar.

Weihbischof Ulrich Boom und die Konzelebranten stehen am Altar. Musikalisch begleitet werden sie vom Bläserensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Bereitschaft und Mut zum Dialog – da, wo er angebracht ist – und die Gabe der Versöhnung, wünscht Generalmajor Harald Gante in seiner kurzen Ansprache den im Dom Versammelten. Der Kommandeur der 10. Panzerdivision, deren Stab in der Balthasar-Neumann-Kaserne in Veitshöchheim stationiert ist, bekräftigt: „Weil es wieder Menschen gibt, die etwa Synagogen überfallen oder Andersdenkende aus politischen Motiven heraus ermorden“, könne es in solchen Fällen nur ein konsequentes und rigoroses Eintreten für die Grundrechte geben.

„Der Soldat weiß, was Gewalt bedeutet“

Ein Soldat steht in der Kirche am Mikrofon und hält eine Rede.

Soldaten wissen um Konsequenzen: Generalmajor Harald Gante, Kommandeur der 10. Panzerdivision: „der Wunsch der Soldaten nach Frieden ist kein Widerspruch“.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Der Kommandeur der 10. Panzerdivision äußert aber auch Verständnis für jene, die der Meinung sind, dass das Reden über Frieden für einen General eine Herausforderung sein müsse. Denn „der tiefe Kern meines Handwerks ist die Anwendung militärischer Gewalt und mein tägliches Denken und Handeln kreist um die Frage, wie ich es schaffe, dass meine Truppen dabei erfolgreich sind“, sagt Gante und erklärt, warum der Wunsch nach Frieden für den Soldaten kein Widerspruch ist. Da jeder Soldat wisse, was die Anwendung von Gewalt in letzter Konsequenz bedeute, „sehnen wir uns vielleicht noch viel mehr nach weltweitem Frieden als andere Menschen, für die der Frieden im eigenen Umfeld doch eigentlich selbstverständlich ist“.

von Karsten Dyba

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