Heer

Auf den Zentimeter – Vermessen für mehr Sicherheit

Auf den Zentimeter – Vermessen für mehr Sicherheit

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Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
3 MIN

Der Gebirgsübungsplatz Reiteralpe auf knapp 2.000 Meter über Normalnull ist das Terrain der Gebirgsjäger: Hier üben sie ihre Fähigkeiten zum Kampf im schwierigen bis extremem Gelände. Damit das so bleibt, hat am 9. September ein Vermessungstrupp des Zentrums für Geoinformationswesens der Bundeswehr die Schießübungsräume vermessen. Das dient nicht nur der Sicherheit der Truppe, sondern auch von Wanderern und Kletterern.

Zwei Soldaten stehen neben einem Pfeiler, an welchem das Zielsektorenkennzeichen angebracht ist.

Oberleutnant zur See Maximilian Krech (li.) und Oberfeldwebel Maximilian Bernhardt vermessen ein Zielsektorenkennzeichen.

Bundeswehr/Achim Kessler

Früh am Morgen steht der Trupp des Zentrums für Geoinformationswesens der Bundeswehr, kurz ZGeoBw, bewaffnet mit Karte, Schreibmaterial, Hammer und technischem Vermessungsgerät auf der Reiteralpe. Oberleutnant zur See Maximilian Krech und Oberfeldwebel Maximilian Bernhardt begutachten ihre heutige Arbeitsstätte. Aus Euskirchen angereist, haben sie den Auftrag, drei Schießbahnen auf dem Hochgebirgsübungsplatz zu vermessen und zu kartografieren. Eine wichtige Aufgabe, denn aus den resultierenden Vermessungsdaten werden militärische Sicherheitsbereiche auf den Schießbahnen bestimmt. Somit hänge nicht nur die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten, sondern auch die Sicherheit der Zivilbevölkerung von einer qualitativ hochwertigen und fehlerfreien Arbeit ab, beschreiben die beiden.

Nicht nur ungefähr

Eine digitale Referenzstation steht auf einem Stativ im Gelände.

Eine Referenzstation: Mit dieser Station können Koordinaten bis zu drei cm genau ermittelt werden und sie gilt als Konstante im Gelände, auf Grundlage welcher alle Vermessungsgeräte ihre Daten erfassen.

Bundeswehr/Achim Kessler

Nur regelmäßig aktualisierte Daten würden die Sicherheit des Übungs- und Schießbetriebes gewährleisten. Das Ziel sei, dass niemand verletzt werde. Dabei gelte es auch verschiedene Fragen zu beantworten. Wie zum Beispiel Schießbahnen zu begrenzen seien, damit Kletterer und Wanderer geschützt werden könnten.

Nicht nur Schießbahnen besitzt der Gebirgsübungsplatz. Den Sprengplatz etwa nutzen die Gebirgspioniere aus Ingolstadt und die Wehrtechnische Dienststelle 52 regelmäßig für Übungen und zu Forschungszwecken. Erst kürzlich war die Reiteralpe wieder Schauplatz für die Brigadegefechtsübung Berglöwe – einer Übung die der Landes- und Bündnisverteidigung galt.

Nach Einrichtung der Referenzstation, welche eine Koordinate als Konstante bestimmt, nehmen die beiden Soldaten ihre Arbeit auf. So vermessen die Einsatzvermesser etliche Zielsektorenkennzeichnen für die Schießbahnen, Schießübungsräume und Feuerstellungen, welche als „Sicherheitsempfindliche Punkte“ in der Standortübungsplatzkarte eingetragen werden.

Erst Vermessen und dann Kartieren

Drei Soldaten stehen auf dem Übungsplatz. Der mittlere Soldat zeigt ins Gelände.

Regelmäßig lassen die beiden Soldaten vom Zentrum für Geoinformationswesens der Bundeswehr sich von Soldaten des Landeskommando Bayern (M.) in das Gelände einweisen.

Bundeswehr/Achim Kessler

Das Vermessen im Gebirge ist für die beiden Soldaten nicht alltäglich. Oberleutnant zur See Maximilian Krech spricht von einem besonderen Übungsplatz und macht deutlich, dass das Vermessen in solch einem Gelände eine besondere Herausforderung sei. Die Technik könne in diesem Terrain schnell an ihre Grenzen stoßen. Das nehmen Krech und Bernhardt auch gleich als Möglichkeit, spezifische Erfahrungen an ihrem neuen Vermessungsgerät, welches erst vor kurzem angeschafft wurde, zu sammeln. Die neue Technik ist nicht mehr nur auf optische Messmethoden angewiesen, sondern kann über Satellitennavigation und Funk, Koordinaten bis zu drei Zentimeter genau, bei Nutzung einer Referenzstation, bestimmen. Im Vergleich dazu würden handelsübliche Navigationsgeräte eine Genauigkeit von nur drei bis fünf Meter gewährleisten, so die Vermesser.

Unmengen an Vermessungsdaten und erhobenen Geodaten werden anschließend am Euskirchener ZGeoBw bearbeitet und durch Kartografen in entsprechenden Signaturen in den Karten visualisiert.

Geoinformationen aus einer Hand

Ein Soldat bringt im Gelände einen Vermessungspunkt mit einem Hammer an. Der zweite Soldat bereitet ein Vermessungsgerät vor.

Gut Vorbereitet: Während Oberleutnant zur See Krech (l.) das Vermessungsgerät einstellt, bringt Oberfeldwebel Bernhardt den Vermessungspunkt an.

Bundeswehr/Achim Kessler

Das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr ist eine Dienststelle aus dem Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum. Das ZGeoBw deckt dabei alle geowissenschaftlichen Fachdisziplinen ab. Im Wesentlichen sind diese aus den Bereichen Geodäsie, Geoinformatik, Geologie, Geopolitik, Kartografie und Meteorologie. Das Zentrum aktualisiert entsprechende Geoinformationen, stellt Höhendaten her und bereit, produziert topografische und thematische Karten und erstellt meteorologische Vorhersagen und Wetterberatungen für die Bundeswehr und die NATONorth Atlantic Treaty Organization. So erhalten Soldaten beispielsweise während ihrer Einsatzvorbereitung Landeskundliche Beschreibungen im Taschenbuchformat, welche Informationen über das Einsatzgebiet zusammenfasst.

von Alexander Hartkopf

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