Heer

Taktik lernen: „Dazu befehle ich …“

Taktik lernen: „Dazu befehle ich …“

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Seedorf
Lesedauer:
3 MIN

Die Lage richtig beurteilen, das geht jeder Befehlsgebung voraus. Militärisch bezeichnet der Begriff Taktik die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht. Um das taktische Verständnis der Offiziere auf einen einheitlichen Ausbildungsstand zu bringen, wird im Fallschirmjägerregiment 31 regelmäßig eine taktische Führerweiterbildung angesetzt.

Zwei Soldaten mit rotem Barett hocken auf Waldboden. Sie machen sich Notizen, während sie über eine Karte gebeugt sind.

Mithilfe von Karten passen zwei Offiziere ihren theoretisch gefassten Entschluss im Gelände an.

Bundeswehr/Markus Mader

Nach Ansicht des preußischen Heeresreformers (1780-1831) Carl von Clausewitz werden „drei Viertel derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird“, durch einen „Nebel des Krieges“ verhüllt oder verfälscht. Daher, so Clausewitz, müssten militärische Führer befähigt sein, Entscheidungen unter Zeitdruck mit unvollständigen Informationen zu treffen.

Dies sehen auch die Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf als eine Kernaufgabe. Der Ausbildungsstand der Offiziere als Führer ihrer Truppen und ihre taktischen Fähigkeiten haben einen entscheidenden Einfluss auf die Einsatzbereitschaft des ganzen Regiments. Wer im Einsatz bestehen will, muss die Einsatzgrundsätze beherrschen, die Lage richtig einschätzen und mithilfe des Führungsprozesses einen Entschluss für das weitere Handeln fällen. Dem folgt dann der Befehl an die Truppen. „Das ist, was uns Soldaten von allen anderen unterscheidet. Deshalb tragen wir diese Uniform. Das können nur wir“, sagt Oberstleutnant Ulrich Meyfeld, stellvertretender Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 31, zu den Teilnehmern der Führerweiterbildung Taktik.

Aus dem Unterrichtsraum ins Gelände

Ein Soldat steht neben einer aufgebauten Karte und erläutert, rechts hängt eine grüne Tafel mit Kreidezeichnungen.

Major Philipp Uppenkamp erklärt den Teilnehmern die neue Lageentwicklung anhand einer Karte.

Bundeswehr/Markus Mader

Begriffe wie Angriff, Verteidigung, Verzögerung sind Fallschirmjägeroffizieren nicht neu. Die Offiziere werden im Dienstgrad Leutnant bis Oberstabsarzt in entsprechende Arbeitsgruppen eingeteilt und in eine taktische Lage auf Bataillonsebene versetzt. Die Verzögerung gepanzerter Kampftruppen ist jedoch kein „Daily Business“. In dieser taktischen Aktivität lassen sich viele Einzelfähigkeiten der Beurteilung der Lage trainieren. Zu Beginn der Weiterbildung werden Grundlagen vermittelt, um alle auf einen einheitlichen Wissensstand zu bringen. An der Karte im Hörsaal werden verschiedene Lagen gemeinsam erarbeitet und besprochen. Dabei steigt der Schwierigkeitsgrad von Lage zu Lage stetig an. So vertieft sich das Gelernte und es gibt einen deutlichen Wissenszuwachs. Anschließend folgt die Übertragung des Besprochenen ins Gelände.

In Zweiergruppen geht es in die Norddeutsche Tiefebene. Hauptmann Daniel Kanowski* und Hauptmann Soraya Gnaß bilden eine dieser Zweiergruppen. Sie stehen im Landkreis Rotenburg an der Wümme auf einem Feld mit dem Auftrag, das Gelände vor ihnen zu beurteilen. Die Sicht ist gut und erlaubt einen weiten Blick über den dünn besiedelten Landkreis – sandige Böden, Felder und Wälder von Gewässern durchzogen. Die Gruppe sucht nach Angriffsachsen, Hindernissen und Ausweichwegen. Keine einfache Aufgabe, denn so manch ein Bach, Wald oder Feld stellt sich bei genauem Hinsehen als Hindernis dar. Auch wenn sie zuvor im Hörsaal anhand der Kartenlage noch als völlig unproblematisch erschienen. Eine wichtige Lektion: Der Blick ins Gelände ist durch nichts zu ersetzen.

Entschluss entscheidet über Sieg oder Niederlage

Mehrere Soldaten stehen in einer lockeren Gruppe auf einem Feld und halten Blöcke in den Händen, im Hintergrund ein Maisfeld.

Zwei Offiziere tragen ihren Entschluss den anderen Zweiergruppen vor.

Bundeswehr/Markus Mader

Danach stellen die Hauptleute Kanowski und Gnaß ihren abschließend gefassten Entschluss den anderen Gruppen vor. Gemeinsam prüfen die Ausbildungsteilnehmer, ob dieser Entschluss umsetzbar wäre. Kanowski weiß aber auch: „Im Gefecht hat man eher selten die Möglichkeit, viele Varianten auszuplanen, durchzusprechen und abzuwägen, um sich schlussendlich für die beste Möglichkeit zu entscheiden. Dort zählen Geschwindigkeit und vor allen Dingen Erfahrung. Und die sammeln wir hier auf dieser Weiterbildung.“

Leitender der Führerweiterbildung Taktik ist Major Philipp Uppenkamp. Mit viel Engagement hat er eine vielseitige und interessante, gute abgestimmte Weiterbildung organisiert und realisiert. Die gezeigten Lagebilder haben es den Teilnehmern möglich gemacht, schnell und lageorientiert Entschlüsse zu fassen. Deutlich wurde ihnen vor Augen geführt, wie wichtig der genaue Blick ins Gelände ist. Denn oftmals musste der an der Karte gefasste Entschluss dem realen Gelände angepasst werden. In der praktischen Anwendung folgt aus dem Entschluss der Befehl an die Truppen.

„Die Grundsätze der Taktik müssen regelmäßig unterrichtet und geübt werden, denn nur so können sie beherrscht und angewendet werden. Und das ist die Voraussetzung, um auch unter hoher Belastung im Gefecht einen zweckmäßigen Entschluss zu fällen, der über Sieg oder Niederlage entscheidet,“ erklärt Major Uppenkamp.


*Name von der Redaktion geändert


von Markus Mader

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