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Über den Wolken: Gebirgsmarsch auf den Watzmann

Über den Wolken: Gebirgsmarsch auf den Watzmann

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bischofswiesen
Lesedauer:
3 MIN

In den frühen Morgenstunden setzt sich die erste Marschgruppe der 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bewegung. Knapp 2.200 Höhenmeter trennen die Gebirgsjäger aus Bischofswiesen noch von ihrem heutigen Tagesziel: dem 2.713 Meter hohen Watzmann in den Berchtesgadener Alpen. Der Marsch über die Südspitze ist gleichzeitig der Höhepunkt der Gebirgsausbildung 2020.

An einer relativ steilen und glatten Felswand klettern mehrere Soldaten hintereinander an einem Seil hinauf.

Soldaten begehen ein Seilgeländer während der Gebirgsausbildung.

Bundeswehr/Jana Neumann

Die Vorbereitungen auf die an diesem Tag anstehende Watzmann-Überschreitung begann bereits weit im Voraus. Dazu gehörten unter anderem eine umfangreiche Ausbildung der Ausbilder auf der Reiteralpe und ein viertägiges Biwak auf der Kührointalm. Dabei wurden nicht nur die Gebirgsausbilder im alpinen Gelände weitergebildet, die jungen Soldatinnen und Soldaten schufen die alpinen Grundlagen für die Abseil- und Bergrettungsausbildung. Weitere Zwischenziele waren die Besteigung des Kleinen Watzmanns über die Route Alte Westwand (Schwierigkeitsskala: 3+ UIAA) und das Begehen eines anspruchsvollen Seilgeländers am 2.065 Meter hohen Steinberg, nördlich der Schärtenspitze.

Überschreitung an einem Tag

Ein Soldat steht an einem Seil gesichert am Felsen.

Gemeinsam meistern die Soldatinnen und Soldaten der 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 den Gebirgsleistungsmarsch.

Bundeswehr/Jana Neumann

Bei diesen Ausbildungsabschnitten festigten die jungen Gebirgsjäger das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das gebirgseigentümliche Material. Sie verbesserten ihre Kondition und Marschfestigkeit. Zugleich wuchs die Verbundenheit der jungen Soldaten mit der Gebirgstruppe im Allgemeinen und der 4. Kompanie im Besonderen.

Traditionell führt das Bataillon die Watzmann-Überschreitung in zwei Tagen mit einer Übernachtung im Watzmannhaus durch. Die Kompanie will jedoch die Überschreitung an nur einem Tag schaffen – ein ambitioniertes Ziel. Der Watzmann ist das Wahrzeichen des Berchtesgadener Landes und mit 2.713 Metern der höchste Berg der Region.

Demut und Respekt

Ein Soldat steht auf einer Bergwiese und hält ein Seil in der Hand.

Während des Gebirgsleistungsmarschs überprüft ein junger Soldat seine Kletterausrüstung.

Bundeswehr/Jana Neumann

Dann ist es so weit. Am Marschtag sind die Bedingungen ideal für das Vorhaben: wolkenloser Himmel, kein Niederschlag und gemäßigte Temperatur in den Höhenlagen. Rund eine Stunde vor den Hauptkräften setzt sich die Soldaten des Vorkommandos zur Absicherung und Überwachung der Schlüsselstellen in Marsch. Sie sollen gewährleisten, dass die Kompanie den Berg reibungslos und zügig überwinden kann. Als die ersten Soldaten gegen 9 Uhr das Hocheck erreichen, wägt sich der ein oder andere irrtümlicherweise bereits am Ziel. Die Freude über das Erreichte ist groß. Der überwältigende Blick auf die nun bevorstehende Gratüberschreitung und die freie Sicht ins Wimbachgries lehren die noch jungen Kameraden Demut und Respekt vor dem alpinen Gelände. Ausgestattet mit Kletterausrüstung und Helmen setzen sich die Marschgruppen weiter zügig und bedacht in Bewegung. Sie genießen den anspruchsvollsten Teil des Vorhabens bei idealen Bedingungen in vollen Zügen. Jeder einzelne erfährt bei der Gratkletterei seine eigenen Grenzen, ob konditionell oder psychisch, und wächst über sich hinaus. Bergsteiger und Touristen, denen die Soldaten begegnen, staunen über die Perlenkette in Flecktarn auf dem Grat. Sie zeigen sich begeistert von der gemeinschaftlichen Leistung der 4. Kompanie.

Das Ziel: Die Südspitze

Drei Soldaten sitzen und stehen auf einem kleinen Felsen, dahinter das Panorama der Berchtesgadener Alpen.

Gebirgsjäger vor der Kulisse des Berchtesgadener Landes – ihres Heimatstandortes.

Bundeswehr/Jana Neumann

Gegen 11.30 Uhr erreichen schließlich die ersten Kräfte die Südspitze. Der Ausblick auf das steinerne Meer ist atemberaubend und die Brotzeit am Gipfel wohlverdient. Die Mühen werden mit Sonnenschein und Windstille belohnt. Die kurze Rast ist eine willkommene Erholung nach den Strapazen des Aufstiegs und in Erwartung eines mühsamen Abstiegs. Dieser wird noch einmal die volle Konzentration aller erfordern. Die stets glaubwürdigen Versicherungen der Ausbilder, die Wimbachgrieshütte sei ja nur noch einen „Schnapper“ entfernt, machen den für einige nicht enden wollenden Abstieg erträglich.

Im Anschluss an den letzten Sockenwechsel müssen die Soldaten noch einmal die individuellen Reserven aktivieren, um die acht Kilometer entfernte Wimbachgriesbrücke in flachem Gelände zu erreichen. Wie stark die Marschgruppen, die Züge und die Kompanie im Laufe der Gebirgsausbildung zusammengewachsen sind, zeigt sich während dieser Kraftanstrengung. Man hilft sich gegenseitig und feuert sich an. Die letzten Soldaten erreichen gegen 18.30 Uhr das Marschziel. Jedem, der diese Herausforderung in der Gemeinschaft gemeistert hat, stehen Stolz und Freude ins Gesicht geschrieben. Nach 2.200 Höhenmetern auf mehr als 20 Kilometern haben die jungen Soldaten eine Erfahrung gewonnen, die sie militärisch wie auch persönlich geprägt hat.

Dank des großen Engagements der militärischen Führer im Zuge einer harten, erlebnisreichen und kreativ gestalteten Gebirgsausbildung erreicht die Kompanie das Ausbildungsziel. „Ich bin mit dem Erreichten zufrieden“, sagt ein Ausbilder. So wächst die Einheit nach ihrem Auslandseinsatz bei MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali 2019 im afrikanischen Mali und vor der Unterstützungsleistung bei der Mission EUTMEuropean Union Training Mission 2021 in Mali eng zusammen. 

von Felix Greiß /  Pascal Endreß

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  • Der Namenszug des Bataillons umrahmt das runde Wappen, darin Himmel, der Berg Watzmann, Wiese, darauf golden die Zahl 232.
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