Übungen: Schlüssel zur Landes- und Bündnisverteidigung
Nur Streitkräfte, die ihr militärisches Handwerk beherrschen, können ihren Verteidigungsauftrag erfüllen. Deswegen muss die Bundeswehr üben.
Kampfmittel zu suchen, sie zu identifizieren und zu beseitigen, gehört zu den Kernkompetenzen der Panzerpioniere. Während der Kompanieübung Felsanker trainierten diese speziell ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten auch, wie sie Sperren anlegen und Hindernisse überwinden können. Dabei vertieften und festigten sie ihre Fähigkeiten.
Gleich wird gesprengt: Die Panzerpioniergruppe findet Deckung hinter einem Transportpanzer Fuchs
Bundeswehr/Marc SchlüterÜber Funk wird eine vermutete Minensperre auf dem befohlenen Angriffsweg eines Panzerbataillons gemeldet. Jetzt sind die Pioniere gefordert: Der Zugführer muss in diesem Moment schnell handeln und befiehlt seinen Soldatinnen und Soldaten, von ihrem Transportpanzer Fuchs abzusitzen und die Suche nach den vermeintlichen Kampfmitteln zu beginnen.
Das war eines der Übungsszenarien, dem sich die Soldatinnen und Soldaten der 2. Kompanie des Panzerpionierbataillons 8 während der freilaufenden Übung Felsanker, also außerhalb der Kaserne in urbanem Gelände, stellten.
Vor jedem Übungsdurchgang weist der Ausbilder seine Soldatinnen und Soldaten mit einer Befehlsausgabe in die Lage ein. Jetzt kennt jeder seinen Auftrag und die Aufklärung beginnt.
Sie nehmen eine sogenannte Suchformation ein. Dabei laufen die Kräfte versetzt in zwei Reihen abseits des Weges, um einen bestmöglichen Blick in das Gelände zu erhalten und gleichzeitig möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Denn eins ist allen klar: Es können sich überall versteckte Kampfmittel wie Minen befinden, die durch einen falschen Schritt sofort ausgelöst werden könnten.
„Fund! Fund! Fund!“, ertönt es über Funk. Ein Kampfmittelaufklärungssoldat hat eine Panzerabwehrrichtmine entdeckt. Diese wurde durch „feindliche Kräfte“ gut getarnt in einem Baum verbracht. Der ganze Zug bleibt sofort stehen und prüft die Umgebung auf weitere Kampfmittel.
Der Kampfmittelaufklärungssoldat markiert seinen Fund mit Kreidespray, um die Stelle für die nachfolgende Bekämpfung sichtbar zu machen. Währenddessen befiehlt der Gruppenführer seinen Leuten, eine sichere Deckung einzunehmen, und informiert die Kampftruppe über den Fund.
Wenn die Sicherheit aller gewährleistet ist, beginnt die Räumung des Kampfmittels. Dazu arbeitet sich der Kampfmittelaufklärer mit einem sogenannten Tripwire Feeler, einem Reißdrahtfühler, an die Mine heran. Damit kann er verborgene Stolperdrähte, die eine Explosion der Mine auslösen könnten, finden. Mit einer kontrollierten Sprengladung beseitigt er dann das Kampfmittel.
„Die Kampftruppe verlässt sich darauf, dass wir Wege sicher machen. Ohne diese Sicherheit kann kein Auftrag erfolgreich durchgeführt werden. Natürlich wissen die Soldatinnen und Soldaten, was zu tun ist. Während der Übung sollen ihre Fähigkeiten allerdings weiter vertieft werden. Jeder Durchgang wird ausgewertet, um einen einheitlichen Ausbildungsstand innerhalb des Zuges zu gewährleisten“, erläutert der Kompanieeinsatzoffizier.
Wenn ein Kampfmittel aufgeklärt wurde, also gefunden, erstellt der Gruppenführer die Kampfmittelmeldung – den sogenannten 10-Liner
Bundeswehr/Marc Schlüter
Räumarbeiten: Der Pionierpanzer Dachs hat den Panzerabwehrgraben, den der Gegner angelegt hatte, geschlossen und durchstößt die Sperre
Bundeswehr/Jürgen Hauer
Eine Minensperre wird meist in der Nacht angelegt, um nicht von feindlichen Kräften aufgeklärt zu werden. Die verlegten Minen werden in einem Minensperrnachweis erfasst, um diese jederzeit wiederzufinden und gegebenenfalls zu räumen.
Bundeswehr/Jürgen HauerUm Bausperren anzulegen oder diese zu überwinden, verfügen die Panzerpioniere über verschiedenes Großgerät. Der Pionierpanzer Dachs kann der Kampftruppe mit seinen 830 PS zum Beispiel dabei helfen, unpassierbares Gelände wieder befahrbar zu machen. Denn trifft sie bei der Ausführung ihres Auftrags auf einen Panzerabwehrgraben, ist eine Weiterfahrt unmöglich. Die Kampftruppe kommt zum Stillstand und ist verwundbar. Der Feind könnte die Kampftruppe in diesem Moment in kürzester Zeit aufklären und bekämpfen.
Der Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Besatzung des Dachs muss jetzt mit Räumschild und Baggerarm dafür sorgen, dass der Graben schnellstmöglich zugeschüttet wird und wieder passierbar ist. Dieses Szenario verdeutlicht, wie wichtig Belastbarkeit und zügiges Handeln innerhalb der Pioniertruppe für den Schutz der kämpfenden Truppe ist.
Nicht alle Aufgaben dienen dazu, die Kampftruppe schneller ans Ziel zu bringen. Wenn die Kampftruppe Zeit gewinnen muss, schaffen die Panzerpioniere Hindernisse. Dazu werden beispielsweise Verlegeminensperren und Richtminensperren angelegt, um potenzielle Gegner zu verzögern oder in vorhersehbare Bahnen zu lenken.
„Sperren wirken nur, wenn sie taktisch sinnvoll platziert sind. Wir üben hier nicht nur das Verlegen, sondern das Denken im Gefecht“, betont der Zugführer. Die Soldatinnen und Soldaten wissen, welche Aufgabe sie übernehmen. Während einige die Sperren anlegen, sichern andere den Bereich, dokumentieren Positionen und halten sich bereit.
Die Ernsthaftigkeit der Übungsszenarien ist allen Soldatinnen und Soldaten bewusst. Aus dem Krieg in der Ukraine werden Lehren gezogen und der Einsatz moderner Technik wie Drohnen wird in der Ausbildung bei den Panzerpionieren mitberücksichtigt und trainiert.
Mit der Übung Felsanker hat die 2. Kompanie eine solide Grundlage für die bevorstehende Brigadeübung Freedom Shield in Litauen gelegt. Die Anforderungen dort werden noch komplexer sein: größere Räume, mehr beteiligte Kräfte und schnelleres Tempo. Dafür sind die Panzerpioniere mit erfolgreichem Abschluss ihrer Übung bestens gewappnet.
von Luisa Alex und Marc Windisch