Heer
Kohortensystem wegen Corona

Von Einkleidung bis Rekrutenbesichtigung

Von Einkleidung bis Rekrutenbesichtigung

Datum:
Ort:
Bischofswiesen
Lesedauer:
4 MIN

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„Wenn die Grundausbildung so weitergeht wie bisher, kann ich viel für mein weiteres Leben mitnehmen. Sicher werde ich mit Freude an meine Grundausbildung und die erlebte Kameradschaft zurückdenken“, so Jäger Sebastian Oetting, Rekrut der 6. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen. Hier erfolgt derzeit seine Grundausbildung.

Zwei Soldaten liegen im Wald, ein dritter hockt rechts daneben.

Gefechtsdienst ist ein wesentlicher Bestandteil der Grundausbildung. Zwei Rekruten haben ihre Stellung für den Feuerkampf vorbereitet. Der Gruppenführer überprüft den Ausbau der Stellung und die Wirkungsbereiche im Feuerkampf.

Bundeswehr/Oliver Keller

Jede Soldatin und jeder Soldat beginnt seine Karriere bei der Bundeswehr immer mit der Grundausbildung (GAGrundausbildung). Ob man bei den Fallschirmjägern oder bei den Gebirgsjägern anfängt, die Kerninhalte und das Grundwissen, die man erlernt und sich aneignet, sind in jeder GAGrundausbildung dieselben. Jedoch haben die Gebirgsjäger ein außergewöhnliches Alleinstellungsmerkmal: das Gebirge. Wer das Marschieren und Kämpfen im Gebirge lernt, wird schon in der Grundausbildung mit vielen Höhenmetern, bergigem Gelände und besonderen Witterungsbedingungen konfrontiert. Diese raue Umgebung formt robuste Soldatinnen und Soldaten.

Jede Grundausbildung beginnt mit Organisatorischem, wie ärztlichen Untersuchungen und der Einschleusung, also die formale Aufnahme des Soldaten an den Standort. Die Rekruten werden so schnell wie möglich geimpft, sollte dies nicht bereits vor Dienstantritt geschehen sein. Sie bekommen ihre Stuben zugeteilt und lernen ihre Kameraden und Vorgesetzten kennen. Nach den ersten Übungen im Formaldienst, dazu gehören das Marschieren im Gleichschritt oder die Meldungen an die Verbandsführer, werden die jungen Erwachsenen auch schon eingekleidet. Sie erhalten ihre Ausrüstung und ihre Uniform. Nach der Unterweisung in die Tragevorschriften sehen die Rekruten optisch auch schon aus wie echte Soldaten.

Wechsel von Theorie und Praxis

Mehrere Soldaten sitzen an einem langen Tisch nebeneinander und schreiben gebeugt über Skizzen, die sie machen.

Um sich im Gelände zu orientieren, ist es unerlässlich, dass jeder Soldat verständliche und korrekte Skizzen zeichnen kann. Das üben die Rekruten im Unterricht. Doch schon bald müssen sie ihre Fertigkeiten im Gelände beweisen.

Bundeswehr/Oliver Keller

Nun kann es für die Berufseinsteiger an die ersten Ausbildungsstationen gehen. Sie machen sich vertraut mit der Standardwaffe der Bundeswehr, dem Gewehr G36. Sie lernen, wie es zerlegt, zusammengesetzt und gereinigt wird und wie die Funktionen in einer bestimmten Reihenfolge zu überprüfen sind. Zudem werden die vier Sicherheitsregeln den Rekruten mantraartig vermittelt: 1. Alle Waffen sind immer als geladen zu betrachten. 2. Nie eine Waffe auf etwas richten, das man nicht treffen will. 3. Solange die Visiervorrichtung nicht auf das Ziel gerichtet ist, ist der Zeigefinger außerhalb des Abzugsbügels zu halten. 4. Seines Zieles sicher sein.

Genau wie die Dienstgradbezeichnungen, die Baugruppen des G36 und das NATONorth Atlantic Treaty Organization-Alphabet müssen die Rekruten dieses Wissen jederzeit parat haben. Denn es gehört zu den Grundlagen des Dienstalltags eines jeden Soldaten. Vor allem praktische Ausbildungen kommen nicht zu kurz. Die Rekruten lernen den Umgang mit Funkgeräten, die Erstversorgung von Verwundeten, die Maßnahmen bei atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen sowie die Grundlagen des infanteristischen Kampfes. Auch die körperliche Fitness wird täglich gefördert. Sportausbildungen, Fitnesstest sowie Märsche mit Gepäck und einigen Höhenmetern gehören zum Alltag.

Neben den körperlich fordernden Ausbildungsabschnitten gibt es immer wieder theoretischen Unterricht. Dazu gehören Vorlesungen zum Wehr- und Disziplinarrecht und völkerrechtliche Grundlagen. 

Der erste scharfe Schuss

Ein Soldat kniet mit seinem Gewehr auf der Schießbahn, sein Ausbilder daneben.

Die Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 232 üben in Bad Reichenhall den Umgang mit dem Gewehr G36. Unter ständiger Kontrolle der Ausbilder achten die Rekruten vor allem auf eins: das Einhalten der vier Sicherheitsregeln.

Bundeswehr/Oliver Keller

Höhepunkte jeder Grundausbildung sind der erste scharfe Schuss auf einer Schießbahn, das Überwinden der Hindernisbahn, das Biwak, also das Übernachten im Wald unter der ständigen Bedrohung eines imaginären Feindes, sowie die große Abschlussprüfung, die sogenannte Rekrutenbesichtigung. Bei dieser praktischen Abschlussprüfung müssen die jungen Soldaten unter den wachsamen Augen der Ausbilder das Erlernte zeigen und anwenden. Das Bestehen der Grundausbildung ist obligatorisch. Wer die Rekrutenbesichtigung nicht besteht, wiederholt die Grundausbildung, denn als Fundament des soldatischen Handwerks bauen alle folgenden Ausbildungen auf die Grundausbildung auf.

Für die Soldaten der „grünen“ Truppe folgt auf die GAGrundausbildung die Spezialgrundausbildung, kurz SGA. Dabei werden die neuen Soldaten truppengattungsspezifisch ausgebildet. Die SGA erfolgt seit 2020 laufbahnübergreifend. Im Fokus der Ausbildung steht hier der infanteristische Kampf. Die gebirgs- und winterkampfspezifischen Inhalte wie Klettern oder Skifahren werden den zukünftigen Gebirgsjägern daraufhin in der Dienstpostenausbildung beigebracht. Individuell können daran Zusatzausbildungen zum Reit- und Tragtierführer, Kraftfahrer für Kettenfahrzeuge und viele mehr folgen.

Austauschprogramm mit Österreich

Drei Soldaten stehen im Wald und unterhalten sich.

Im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms bilden auch österreichische Offizieranwärter die Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen aus

Bundeswehr/Oliver Keller

Zudem bietet das Bataillon in Bischofswiesen seinen Rekruten dieses Quartal die besondere Möglichkeit, durch zwei Fähnriche des österreichischen Bundesheers ausgebildet zu werden. Die zukünftigen österreichischen Offiziere studieren derzeit an der Wiener Militärakademie und sind im Rahmen eines Austauschprogrammes in das Deutsche Heer „kommandiert“. Regelmäßig übernehmen die österreichischen Fähnriche dabei die Aufgaben eines stellvertretenden Zugführers oder leiten Ausbildungsabschnitte.

Da die Bundeswehr einem eigenen Infektionsschutzgesetz unterliegt, finden wegen der anhaltenden Corona-Pandemie alle Ausbildungen in einem speziellen Kohorten-System statt. Es wird penibel darauf geachtet, dass die einzelnen Züge, das ist eine Organisationsstruktur aus vier Gruppen mit neun bis zwölf Soldaten, auf keinen Fall in Kontakt kommen. Die Ausbildung gestaltet sich in Ausbildungsblöcken inklusive Dienst am Wochenende. Regelmäßige Tests und strenge Hygienemaßnahmen in den Zügen sollen einen Ausbruch von Corona-Infektionen verhindern.

von Oliver Keller

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