Klimaneutrale Kraftstoffe

Synthetische Kraftstoffe. Was ist das? Was plant die Bundeswehr?

Synthetische Kraftstoffe. Was ist das? Was plant die Bundeswehr?

  • Umweltschutz
  • IUD
Datum:
Ort:
Bonn
Lesedauer:
3 MIN

Bei den Autos scheint die E-Mobilität das Rennen um die Zukunft gemacht zu haben. Doch wie sieht es mit der Zukunftsfähigkeit anderer Verkehrsmittel aus? Wie sollen Schiffe, Flugzeuge oder Einsatzfahrzeuge betrieben werden? Synthetischer Kraftstoff ist das Stichwort. Das sind Kraftstoffe, die auch für die Bundeswehr eine Alternative darstellen können.

Ein Einsatzfahrzeug wird in einem Lager betankt.

E-Mobilität wird nicht überall funktionieren. Synthetische Kraftstoffe stellen hier eine Alternative dar

Bundeswehr/Marc Viganksy

Das Ende des Mineralöl-Zeitalters naht mit unaufhaltsamen Schritten. Wie weit man davon entfernt ist? Nun, hier herrscht sicherlich ein gewisser zeitlicher Spielraum. Doch dass es so kommt, da ist man sich einig. Fragt sich natürlich, was dann? Und was wird dem Ziel der Klimaneutralität gerecht. Denn mit dem Pariser Abkommen und dem Klimaschutzgesetz sind ambitionierte Ziele verbunden. So möchte man in Deutschland bis 2030 die CO2-Emission im Verkehr gegenüber 1990 um 42% reduzieren, bis 2050 möchte man gar Klimaneutralität erreichen. Es geht also nicht nur um die Endlichkeit des Mineralöls, sondern auch um eine klimagerechte Zukunft.

Die meisten großen Automobilhersteller haben in letzter Zeit ihre Produktpalette massiv Richtung Elektromobilität ausgerichtet. Hier scheint klar, wohin die sprichwörtliche Reise geht. Leider funktioniert dieser Weg nicht bei allen Verkehrsmitteln gleich gut. Nun hat insbesondere die Bundeswehr nicht nur Pkw in silber oder dunkelblau. Denn bei den zivilen Fahrzeugen setzt auch die Bundeswehr verstärkt auf Elektromobilität – schon jetzt. Aber den Schwerpunkt bilden eben Einsatz- und Gefechtsfahrzeuge die im Felde versorgt werden müssen – unabhängig von Ladeinfrastruktur oder auch in besonderen Situationen. Diese müssen ferner ausfall- und leistungssicher betrieben werden können. Ähnliches gilt auch für maritime Einheiten. Vor allem aber gilt das für Flugzeuge jeglicher Couleur. All diese Geräte haben gemein, dass der Verbrennungsmotor, ob als Kolben- oder Turbinenaggregat, ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit bietet. Akkus sind nach jetzigem und absehbaren Stand der Technik schlicht zu schwer um sie effizient in der Luftfahrt einsetzen zu können. Nicht nur bei der Bundeswehr. Auch Brennstoffzellen sind nur bedingt, etwa bei der Marine, eine Alternative.

Sonne, Wind, CO2 und Wasser!

Eine Grafik die den Entstehungsprozess von synthetischen Kraftstoffen erklärt.

Synthetische Kraftstoffe werden mit Hilfe von Strom, Wasser und CO2Kohlendioxid erzeugt

Bundeswehr/Kai Segelhorst

Dennoch muss auch für diese Fälle eine zukunftsfähige Lösung geschaffen werden, Effizienz und nachhaltigen Klimaschutz zu vereinen. Synthetische Kraftstoffe könnten hier die Lösung sein. Electrofuel oder Elektro-Kraftstoff. Denn der große Vorteil dieser synthetischen Kraftstoffe ist, dass sie klimafreundlich erzeugt werden können. Power-to-Liquid, kurz PtL nennt man das Verfahren, mit dem das möglich ist. Hierbei wird unter dem Einsatz von Strom der synthetische, flüssige Kraftstoff aus Wasser und CO2 hergestellt. Es kommt also aus ökologischer Sicht entscheidend darauf an, wie der Strom erzeugt wird. Mit erneuerbaren Energien könnte dann beispielsweise „grünes“ Kerosin gewonnen werden, sogenanntes Sustainable Aviation Fuel (SAF), mit dem auch Flugzeuge klimafreundlich betrieben werden können.

Noch Science-Fiction – morgen Realität?

Ein Flugzeug der Flugbereitschaft vor einem Hangar

Die Flugbereitschaft BMVgBundesministerium der Verteidigung – künftig mit grünem Kerosin in der Luft, einem Sustainable Aviation Fuel?

Bundeswehr/Andreas Metka

Noch ist das PtL Verfahren nicht industriell etabliert. Auch ist es aus wirtschaftlicher Sicht noch nicht effizient. Zukunftsmusik also. Die Entwicklung und Produktion wird daher vom Bund aus gefördert. Bis 2030 sollen wenigstens 200.000 Tonnen SAF klimafreundlich produziertes PtL-Kerosin möglich sein und in der zivilen Luftfahrt in Deutschland eingesetzt werden. Und auch die Flugbereitschaft des BMVgBundesministerium der Verteidigung soll verstärkt mit SAF betrieben werden können. Daher soll künftig SAF auch zum Thema für das Projekt Fuel Guide werden.

Hierbei sollen dann gezielt SAF abgefragt werden. „Aktuell handelt es sich bei den am Markt verfügbaren SAF um absolute Kleinstmengen, das ist also eine Sache die auf die Zukunft ausgerichtet ist“, erklärt Hauptmann Guido Möller, Projektleiter Fuel Guide.

Die Bundeswehr plant außerdem Panzer, Schiffe und weiteres schweres Gerät ebenfalls mit synthetischen Kraftstoffen, erzeugt mittels erneuerbarer Energien zu betreiben. Die Analysen aus dem Expertenkreis Mobile Energiesysteme der Bundeswehr haben dabei gezeigt, dass der Großteil der Fahrzeuge künftig mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden könnte.

„Werden sie zusätzlich aus erneuerbaren Energien produziert, ist der gesamte Kreislauf von der Erzeugung bis zur Nutzung beim Betrieb der Fahrzeuge klimaneutral“,

heißt es dazu im Positionspapier des Verteidigungsministeriums.

Zunächst in einem geringen Mix mit fossilen Brennstoffen, soll der Anteil der synthetischen Kraftstoffe mit der Zeit stetig wachsen, im Schulterschluss mit der Bundespolizei und dem THW. So sollen nicht nur die verschiedenen Fahrzeuge, zu Wasser, an Land und in der Luft, langfristig weiterbetrieben werden können, sondern auch die Erzeugung der Kraftstoffe klimaneutral werden – ein doppelter Schritt zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

von Marius Vu  E-Mail schreiben
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