Verpflegung in der Bundeswehr
Der Organisationsbereich IUD der Bundeswehr sorgt dafür, dass die Truppe in jeder Lage mit Verpflegung versorgt wird.
Genug Energie für einen ganzen Einsatztag – und das völlig flexibel: Die Einpersonenpackung, kurz EPa, sichert die Verpflegung der Truppe weltweit. 3.600 Kilokalorien stecken im unscheinbaren grauen Karton. Die individuelle Einsatzbereitschaft der Soldatinnen und Soldaten ist für eine kriegstüchtige Bundeswehr unabdingbar. Ein wichtiger Baustein hierfür ist die Verpflegung der Truppe. Die Truppenküchen stellen diese Versorgung sicher. Die Truppe betreibt zusätzlich Feldküchen, um die Soldatinnen und Soldaten auch außerhalb von Bundeswehrliegenschaften mit warmen Mahlzeiten zu versorgen. Kann beides nicht zum Einsatz kommen, etwa ganz zu Beginn eines neuen Einsatzes, greift die Bundeswehr auf die seit Jahrzehnten bekannte Einpersonenpackung zurück.
Bei der Entwicklung der EPa war eine Vorgabe von Beginn an besonders wichtig: die Lebensmittel müssen auch bei extremen Witterungsbedingungen über lange Zeit haltbar und zuverlässig lagerfähig sein. Hierfür musste die mobile Verpflegung aus dem Karton immer wieder neu erfunden und an ständig wechselnde Anforderungen angepasst werden. Das Grundprinzip der EPa blieb dabei immer gleich: grau und kantig mit viel Inhalt und circa 3.600 Kilokalorien. Dies entspricht dem Tagesbedarf eines Soldaten oder einer Soldatin im Einsatz.
In unscheinbaren grauen Kartons verbergen sich zig Artikel: von Streichhölzern und Cappucino-Pulver bis hin zu warmen Hauptgerichten. Wir zeigen, was drin ist, wie es entsteht und warum es eine der sichersten Formen von Notverpflegung der Welt ist.
Nach der Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1955 wurde die EPa zunächst in wenigen unterschiedlichen Varianten ausgegeben. Sie diente hauptsächlich als Grundversorgung für Soldatinnen und Soldaten im Felde, etwa bei Übungen. Da sich die Bedürfnisse und das Essverhalten der Menschen in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben, wurde das Portfolio immer weiter ausgebaut und auf den „Endkunden“ angepasst.
Verpflegung ist ein wichtiger Punkt zur Motivation der Truppe. Aus diesem Grund finden die Soldatinnen und Soldaten nicht nur reine Sattmacher im Karton. Auch Beef Jerky, Bananenchips, Kaugummis, diverse Energieriegel oder Erfrischungstücher gehören mittlerweile zum Standardzubehör.
2026 werden zehn unterschiedliche Varianten angeboten, die in zwei Kategorien eingeordnet werden können:
Selbstverständlich finden auch Vegetarier und Menschen mit schweinefleischfreier Ernährung ihre Berücksichtigung. Seit Ende 2024 gibt es auch eine koschere Ausführung, welche in zehn Typformen angeboten wird und sich an Soldatinnen und Soldaten jüdischen Glaubens richtet. Für diese EPa-Ausführung gibt es unter anderem 20 Hauptgerichte, die koscheren Ernährungsregeln genügen.
| Typ | Hauptmahlzeiten | Zubereitung |
|---|---|---|
| 1 | Schweinegulasch mit Nudeln Deftiger Schmortopf | Wasserbad oder Kaltverzehr |
| 2 | Linseneintopf mit Cocktailwürstchen Grüne Bohnen in geb. Soße mit Mini-Hacksteaks | Wasserbad oder Kaltverzehr |
| 3 | Bohnentopf mit Kassler Gemüsereis mit Cevapcici | Wasserbad oder Kaltverzehr |
| 4 | Erbseneintopf mit Cocktailwürstchen Currywurst mit Kartoffeln | Wasserbad oder Kaltverzehr |
| 5 | Chili sin carne (vegetarisch) Maultaschen in Tomatensoße (vegetarisch) | Wasserbad oder Kaltverzehr |
| 6 | Nudeln Bolognese Art (schweinefleischfrei) Hühnerfrikassee (schweinefleischfrei) | Wasserbad oder Kaltverzehr |
| 7 (Dehydratisiert) | Kartoffelpüree mit Rindfleischwürfeln Nudeln mit Kräutersauce (vegetarisch) | Zugabe von heißem Wasser |
| 8 (Dehydratisiert) | Huhn mit Reis in Currysauce Reis mit Rindfleischwürfel „Beef Stroganoff Art“ | Zugabe von heißem Wasser |
| 9 (Dehydratisiert) | Kartoffel-Kerbeltopf (vegetarisch) Couscous (vegetarisch) | Zugabe von heißem Wasser |
| 10 (Dehydratisiert) | Nudeln Bolognese Art (vegetarisch) Reistopf mit Hühnerfleisch „Nasi Goreng Art“ | Zugabe von heißem Wasser |
Die EPa ist für den Einsatz konzipiert. Damit die Zubereitung der Komponenten im Ernstfall auch klappt, üben die Soldatinnen und Soldaten auch in Deutschland schon die Zubereitung der Einpersonenpackung – insbesondere im Zusammenspiel mit ihrer persönlichen Ausrüstung und ohne dabei zu viel Lärm zu machen. Damit nichts verschwendet wird, nutzt die Truppe zu Übungszwecken EPa, die kurz vor Ablauf ihrer dreijährigen Haltbarkeit stehen.
EPa-Elemente wie Schokolade und Kekse brauchen keine Zubereitung, aber mit einigen Artikeln in den Tagesrationen sollten sich die Soldatinnen und Soldaten vertraut machen. In einem wasserdichten Ziplockbeutel sind zum Beispiel Wasserentkeimungstabletten sowie Instantkaffee, Kaffeeweißer und Zucker. Alle sollen Kaffee so zubereiten können, wie sie ihn am liebsten trinken.
Ein Kocher ist fester Bestandteil der persönlichen Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten. Mit ihm kann unter anderem Wasser für ein Wasserbad erhitzt werden, um darin eine Hauptmahlzeit der EPa-Typen 1 bis 6 zu erwärmen. Wer zudem Lust auf Tee, Kaffee oder Brühe hat, sollte daran denken, vorher eine Tasse Heißwasser abzuschöpfen. Die Hauptmahlzeiten der EPa-Typen 1 bis 6 können auch problemlos kalt gegessen werden.
Anders ist es bei den Trockenausführungen. Hier spricht man offiziell von der D-Variante („Dehydratisiert“). Den Hauptmahlzeiten wird bei der Produktion Wasser entzogen, wodurch ein Einfrieren – selbst bei arktischen Temperaturen – nicht möglich ist. Um die gefriergetrockneten Hauptgerichte verzehren zu können, muss heißes Wasser dazugegeben werden. Diese besondere Form wird unter anderem für Spezialkräfte der Bundeswehr produziert.
Seit der Aufstellung der Bundeswehr ein treuer Begleiter der Truppe: die EPa
Bundeswehr/Strack
Egal ob während einer Übung …
Bundeswehr/Martin Stollberg
… im Auslandseinsatz …
Bundeswehr/Wolfgang Marx
… oder bei der Weiterbildung unter freien Himmel …
Bundeswehr/Anne Weinrich
Der graue Karton …
Bundeswehr/Christoph Kassette
… und sein vielfältiges Angebot …
Bundeswehr/Jörg Hüttenhölscher
… haben überall Anhängerinnen und Anhänger!
Bundeswehr/Ingo TescheNein. Der Verkauf ist zurzeit ausgesetzt, da die Bundeswehr eigene Bestände aufbauen und sichern muss.
Wer Interesse hat, kann sich diesbezüglich an das Sachgebiet EL3 (Einsatzlogistik 3) im Verpflegungsamt der Bundeswehr wenden. Der Bereich führt auch regelmäßig Kundenbefragungen durch.
Der Inhalt einer EPa hat circa 3.600 Kilokalorien. Das entspricht dem Tagesbedarf einer Soldatin oder eines Soldaten im Einsatz.
Der Karton hat vor allen Dingen logistische Gründe. Aufgrund der Form ist er gut zu stapeln, zu lagern und zu transportieren. Zudem hat die Erfahrung gezeigt, dass die meisten Bundeswehrangehörigen nicht den ganzen Karton mitführen, sondern sich ihre persönliche Ration aus dem Portfolio der EPa zusammenstellen. Für empfindliche Elemente wie etwa Zucker und Salz enthält die EPa eine Tüte mit wasserdichtem Ziplock-Verschluss.
Die einzelnen EPa-Varianten werden sorgfältig und vielfältig zusammengestellt
Bundeswehr/Christoph KassetteSeit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 steigt in Deutschland der Bedarf an EPa stetig an. Die Gründe dafür sind folgende:
Insgesamt hat die Bundeswehr die Bevorratung von EPa seit 2014 um ein Vielfaches ausgeweitet. Somit ist jederzeit garantiert, dass die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr weltweit und infrastrukturunabhängig autark versorgt werden können. Die Verpflegung der Soldatinnen und Soldaten zu Beginn eines Einsatzes, zum Beispiel an der Nato-Ostflanke, ist damit vollumfänglich gewährleistet, bis Feldküchen und später ortsfeste Küchen in Betrieb genommen werden können.