Selbstverständnis und Tradition in der Luftwaffe
Mit einer Handreichung setzt sich die Luftwaffe mit der Traditionspflege auseinander und zeigt auf, was sie stolz macht.
Am Abend des 24. September 2026 wurde der Flugplatz Berlin-Gatow zur Kulisse für ein besonderes Ereignis: Mit einem Großen Zapfenstreich feierte die Luftwaffe ihr 70-jähriges Bestehen. Zu den Gästen zählten unter anderem Verteidigungsminister Boris Pistorius, der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, sowie der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann. Auch die Öffentlichkeit nahm an diesem höchsten militärischen Zeremoniell der Bundeswehr teil.
Die Formation des Großen Zapfenstreichs besteht in der Regel aus einem Musikkorps mit Spielmannszug, zwei Ehrenzügen mit einer festgelegten Anzahl von Soldatinnen und Soldaten sowie Fackelträgern
Bundeswehr/Christian TimmigStimmungsvoll beleuchteten Fackeln am Abend das Flugfeld des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Berlin-Gatow. Zwischen historischen Luftfahrzeugen trat die Ehrenformation des Wachbataillons auf dem ehemaligen Flugplatz an. Dort, wo heute Exponate die Geschichte der militärischen Luftfahrt illustrieren, feierte die Luftwaffe ihr 70-jähriges Bestehen.
Der Aufmarsch zum höchsten militärischen Zeremoniell der Bundeswehr beginnt mit dem Kommando „Großer Zapfenstreich – stillgestanden!“ und schließt mit dem Marsch des Yorckschen Korps. Der musikalische Teil des Große Zapfenstreichs wurde durch das Stabsmusikkorps der Bundeswehr eröffnet. Die Musikerinnen und Musiker der Bundeswehr spielten vor 300 geladenen Ehrengästen aus Bundeswehr und Gesellschaft eine sogenannte Serenade. Diese besteht aus einer Abfolge von drei Musikstücken. Zunächst erklang der Fliegermarsch, der bereits 1912 entstand. Im Anschluss folgte der Stratosphärenmarsch, der Truppenmarsch des Kommandos Luftwaffe. Mit der Erkennungsmelodie der Bundeswehr Wir.Dienen.Deutschland. endete die Serenade.
Heute dienen in der Luftwaffe rund 28.600 Soldatinnen und Soldaten – als Pilotinnen und Piloten, im Bereich Flugabwehr, beim Objektschutz, im Weltraumkommando und in zahlreichen anderen Verwendungen und Dienststellen. Am 2. Januar 1956 waren es dagegen ganze 100 Freiwillige, die in Nörvenich ihren Dienst bei der neu aufgestellten Teilstreitkraft der noch jungen Bundeswehr antraten. Unter den Ehrengästen beim Großen Zapfenstreich waren einige dieser damaligen Freiwilligen. Als Zeitzeugen stehen sie für die Anfänge der Luftwaffe und sieben Jahrzehnte ihrer Geschichte.
Vor dem Großen Zapfenstreich schlug der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, den Bogen in seiner Rede von den Anfängen bis zu den heutigen Aufgaben. Dabei richtete er den Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart. Landes- und Bündnisverteidigung, der Schutz des NATO-Luftraums und zahlreiche internationale Verpflichtungen prägen den Auftrag der Luftwaffe. Für den Generalleutnant bleibt dabei ein Anspruch unverändert: „Auf die Luftwaffe ist Verlass. 24/7.“ Auch die internationale Zusammenarbeit gehört für Neumann fest zum Selbstverständnis der Luftwaffe: „Multinationalität ist Teil unserer DNA.“
Verteidigungsminister Boris Pistorius verband in seiner Rede den Rückblick auf sieben Jahrzehnte mit den Aufgaben der Gegenwart: „Dieser Ort zeigt: Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, musste aufgebaut, erarbeitet, erkämpft, verteidigt und immer wieder neu gestaltet werden.“ Gleichzeitig machte er deutlich, wie weit der Auftrag der Luftwaffe heute reicht: „Ihr Verantwortungsbereich endet längst nicht mehr im Luftraum. Er reicht mittlerweile vom Boden bis in den Weltraum.“
Im Schein der Fackel stehen General Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, Generalleutnant Holger Neumann, Inspekteur der Luftwaffe, und Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Großen Zapfenstreich (v.l.n.r.)
Bundeswehr/Christian Timmig
Einer von 76 Fackelträgern: Sie gehören fest zur vorgeschriebenen Formation des Großen Zapfenstreichs. In Berlin stellt sie in der Regel das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung.
Bundeswehr/Leon Belz
Im Zentrum der Formation trägt ein Soldat einen sogenannten Schellenbaum. Das traditionsreiche Instrument gehört beim Großen Zapfenstreich zum Spielmannszug des Wachbataillons.
Bundeswehr/Leon Belz
Der Große Zapfenstreich wurde erstmals am 12. Mai 1838 in Berlin als militärmusikalischer Aufmarsch vom Musikkorps des preußischen Gardekorps aufgeführt
Bundeswehr/Leon Belz
Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Luftwaffe beim Ehrenempfang der Luftwaffe zu den Gästen in Berlin-Gatow
Bundeswehr/Cora Mohrdieck
Erst eine Woche zuvor waren Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, gemeinsam in den USA bei der Präsentation der ersten deutschen F-35. Nun treffen sie sich in Berlin-Gatow wieder.
Bundeswehr/Cora Mohrdieck