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Aufstieg zum Piloten - Die Psychologen!

Aufstieg zum Piloten - Die Psychologen!

Datum:
Lesedauer:
5 MIN

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Der große Traum vom Fliegen – bei vielen Bewerbern geweckt durch den Film schlechthin: „Top Gun“. Tom Cruise zeigt wie cool das Fliegen sein kann. Kein Wunder, dass viele Bewerber besonders stolz sind, das Assessment-Center in Köln bestanden zu haben. Phase I ist geschafft! Die erste Stufe auf dem Weg in die Lüfte erreicht. Nun steigt die Vorfreude auf Phase II – mit ihr aber auch die Aufregung.

Pilotin steht vor einem Eurofighter.

1687 Frauen und Männer haben sich 2021 als Truppenoffiziere im Fliegerischen Dienst beworben.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Drei Phasen müssen Bewerberinnen und Bewerber insgesamt erfolgreich durchlaufen, um als künftige Piloten bei der Bundeswehr eingestellt zu werden. Die Phase II des Auswahlverfahrens findet in Fürstenfeldbruck am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin statt und wird voraussichtlich Ende 2022 nach Köln umziehen. Sie besteht aus einem psychologischen und einem medizinischen Test, welche sich über mehrere Tage erstrecken.

Der erste Tag beginnt in der Flugpsychologie. Hier nehmen Testleiter die Männer und Frauen in Empfang. Sie begleiten diese durch alle computergestützten Tests und stehen jederzeit für Fragen bereit.

Die Testleiterin spricht mit einem Bewerber am Headset.

Sind den Bewerbern die gestellten Aufgaben unklar, können sie über das Headset Fragen an die Testleiter stellen

Bundeswehr/Alena Grubinka

Der Pilot ─ ein „Allrounder“

Wovor es manchen Bewerbern am meisten graut, sind wohl die Psychologen. Sie bleiben bis zum Interview am Ende des Tages meist im Hintergrund. Anna Jordan und Nico Popow sind Psychologen in der Phase II. Gemeinsam mit ihren Kollegen stellen sie fest, ob ein Bewerber die Basisanforderungen erfüllt.

„Pilot ist eine Art Eliteverwendung. Ein Pilot muss einiges leisten. Er kann mit dem Flugzeug nicht einfach rechts ranfahren, wenn etwas nicht klappt, so wie mit dem Auto“, sagt Popow. Daher ist es wichtig, dass die Bewerber eine gewisse Begabung bei der Koordination ihrer Hände und Füße mitbringen, zeitgleich aber auch noch weitere Aufgaben im Kopf verarbeiten können. Dies wird an einem Testgerät mit Stick, Ruder und Schubregler geprüft – es erinnert schon fast an ein Flugzeug.

Jordan: „Letztlich geht es darum herauszufinden, ob der Bewerber fähig ist, diesen Beruf auszuüben, weil er sonst nicht glücklich werden kann.“


Damit meint Jordan auch, dass ein solch anspruchsvoller Job erfüllend sein muss, um den hohen Anforderungen entsprechen zu können. Daneben spielt auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns eine bedeutende Rolle: Konzentration, räumliches Vorstellungsvermögen und Rechenfertigkeit. All das sind entscheidende Fähigkeiten im Pilotenberuf.

Die Psychologen Nico Popow (links) und Anna Jordan.

Nico Popow und Anna Jordan sind Teil des Psychologenteams. Dieses hat im Jahr 2021 trotz Covid-19-Beschränkungen 937 Bewerber untersucht.

Bundeswehr/Alena Grubinka
Ein Bewerber fliegt am Testgerät.

Für den Tag bekommen die Bewerber ein Testgerät zugewiesen. Bis zu neun Bewerber können hier täglich untersucht werden.

Bundeswehr/Alena Grubinka

Ein Pilot muss in kurzer Zeit viele Informationen verarbeiten können, nur so kann er im Cockpit richtig handeln. „Deswegen muss es eine Person sein, die auch unter Stress richtige und gute Entscheidungen trifft“, verdeutlicht der Psychologe. Bringt der Bewerber diese Voraussetzungen nicht mit, fehlt die Grundlage, auf der später in der Ausbildung aufgebaut werden kann.

Analysieren die mich?

Die Bedeutung der Persönlichkeit eines Bewerbers ist nicht zu unterschätzen. Deswegen folgt auf die Tests ein psychologisches Interview. „Da schauen wir, wie sehr sich die Bewerber mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Wie sehr wollen sie wirklich fliegen und was haben sie für Erwartungen an den Pilotenberuf?“, erklärt die Psychologin.

Die Psychologen schauen sich die Testergebnisse eines Bewerbers an.

Nach Abschluss aller Tests sichten die Psychologen mindestens im Vieraugenprinzip die Ergebnisse und beraten sich

Bundeswehr/Alena Grubinka

„Klar, ‚Top Gun‘ ist ein cooler Film, aber da wird nicht gezeigt, wie hart die fliegerische Ausbildung ist“, sagt Popow. Stundenlanges Lernen nach anstrengenden Unterrichtstagen wartet in der Ausbildung auf die Pilotenanwärter. Sie müssen hier eine Menge Lernstoff in kurzer Zeit verinnerlichen. „Wir erwarten hier keine fertigen Piloten“, betont Jordan, „und unser Ziel ist es auch nicht, böse Gutachten zu schreiben.“ Vielmehr gehe es darum, herauszufinden, ob das der richtige Berufsweg für die Person ist. „Wir wollen natürlich, dass möglichst viele zu uns in den Fliegerischen Dienst kommen und freuen uns über jeden, der den Test besteht“, ergänzt die Psychologin.

Zweite Chance

„Wenn man es nicht schafft, ist es kein Grund, an sich zu zweifeln“, sagt Popow. Nicht jeder könne Pilot werden. Das Testergebnis ist zwei Jahre lang gültig und kann danach einmalig wiederholt werden. Das schafft die Möglichkeit, sich mit der Thematik intensiv auseinanderzusetzen und zu üben. Am Ende des Interviews bekommen die Bewerber ein Stärken- und Schwächen-Profil, unabhängig davon, ob sie bestehen oder nicht. Denn sie sollen „einen gewissen Mehrwert von dem Auswahlverfahren haben“, so Popow. Jordan fügt hinzu: „Nur, weil man es bei uns nicht schafft, heißt es nicht, dass man außerhalb der Bundeswehr nicht fliegen kann.“

Während des Auswahlverfahrens steht den Bewerbern zusätzlich ein Betreuungsfeldwebel zur Seite: Hauptfeldwebel Ostheimer. Sollte es mit der gewünschten Verwendung als Pilot nicht klappen, stellen sich nämlich viele die Frage: Was nun? Hier hilft Ostheimer weiter, indem er andere Möglichkeiten und Karrierewege innerhalb der Bundeswehr aufzeigt.

Betreuungsfeldwebel spricht mit einem Bewerber über weitere Verwendungsmöglichkeiten.

Im Gespräch mit dem Betreuungsfeldwebel entscheiden sich manche Bewerber als Alternative zum Pilotenberuf für den Flugführungsdienst, um zum Beispiel Fluglotse zu werden

Bundeswehr/Alena Grubinka

Psychotest geschafft!

Ist der psychologische Test erstmal geschafft, ist die Nervosität schnell vergessen. „Zum Schluss geben wir den Bewerbern mit auf den Weg, sich umfassend mit der Lernunterlage für Phase III auseinanderzusetzen, um gut vorbereitet zu sein“, sagt Jordan.

Die nächsten zwei bis drei Tage steht die medizinische Untersuchung an. Hier ist es schwierig mit der zweiten Chance. „Die Ärzte müssen schauen, ob der Körper die Belastung beim Fliegen verträgt“, so Popow. Deswegen untersuchen sie die Bewerber sehr gründlich von Kopf bis Fuß.

Unter die Lupe genommen

Neben der Flugsicherheit geht es am Ende vor allem um die Gesundheit der Bewerber. Deswegen stehen Untersuchungen in acht medizinischen Abteilungen an, damit den Ärzten nichts entgeht. So wird nach der administrativen Anmeldung im Klinischen Labor das Blut und Urin der Bewerber untersucht. Weitere Untersuchungen sind zum Beispiel in der Orthopädie und Anthropometrie. Hier werden Bewerber genau vermessen, ob sie mit ihrer Körpergröße und ihren Proportionen in das jeweilige Cockpit passen. In der Neurologie und Psychiatrie wird das Gehirn unter anderem mittels Elektroden auf seine Aktivität untersucht.

Sind alle Untersuchungen abgeschlossen, gibt es ein Abschlussgespräch mit einem Arzt, bei dem alle Befunde zusammengetragen werden.

Ist die Phase II bestanden, müssen sich die Bewerber die Frage stellen, ob sie Hubschrauber- oder Flugzeug-Pilot werden möchten. Denn hier gibt es zwei unterschiedliche Phasen III. Möchte der Bewerber Helikopter fliegen, so wird er in Bückeburg geprüft, für Flächenflugzeuge findet das Verfahren in Fürstenfeldbruck statt. Die Phase III ist die letzte Stufe bis zur Einstellung in die Laufbahn des Fliegerischen Dienstes. 

  • Flugmedizinische Assistentin entnimmt eine Akte für die medizinische Untersuchung.

    Hier werden die Gesundheitsakten der Bewerber aufbewahrt. Für den Zeitraum der Untersuchung erhalten die Bewerber einen silbernen Koffer, in dem die Ergebnisse der Untersuchungen verwahrt werden.

    Bundeswehr/Stephan Ink
  • Der Augenarzt untersucht eine Bewerberin.

    Ausschlusskriterien? Hier kann sich manch einer täuschen, so ist das Tragen einer Brille nicht zwingend eines.

    Bundeswehr/Stephan Ink
  • Ein Medizintechnisch-radiologischer Assistent sichtet Röntgenbilder am Monitor.

    In der Bildgebenden Diagnostik ist der Schwerpunkt auf dem zentralen Nervensystem. Hier werden Kopf, Gehirn und Wirbelsäule genau angeschaut. Ein Knochenbruch ist nicht gleich das Aus vom Fliegen. Daher empfiehlt es sich vorhandene Aufnahmen …

    Bundeswehr/Stephan Ink
  • Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht eine Bewerberin.

    In der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde stehen das Hörvermögen und der Gleichgewichtssinn im Fokus.

    Bundeswehr/Stephan Ink
  • Ein Arzt untersucht einen Bewerber mittels Ultraschallgerät.

    Die Innere Medizin überprüft die Funktion der Organe. Mit einem Ultraschallgerät können die Ärzte auch das Herz genau untersuchen.

    Bundeswehr/Stephan Ink
  • Ein Bewerber beim Lungenfunktionstest

    Aber auch die Leistungsfähigkeit der Organe ist entscheidend. Diese wird beim Lungenfunktionstest oder aber bei einem Belastungs-EKGElektrokardiogramm auf dem Ergometer festgestellt.

    Bundeswehr/Stephan Ink
  • Eine Bewerberin bei der zahnärztlichen Untersuchung.

    Eine Zahnfüllung, die sich zum Beispiel während eines Eurofighter Fluges löst, könnte fatal sein. Daher ist es wichtig, dass auch aus zahnärztlicher Sicht alles in Ordnung ist.

    Bundeswehr/Stephan Ink
von Alena Grubinka

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