Der Neue Wehrdienst
Der Dienst ist freiwillig, die Musterung wird Pflicht. Was hinter dem Neuen Wehrdienst steckt.
Der Standort Fürstenfeldbruck – „Fursty“, die „Wiege der Luftwaffe“ – sollte ursprünglich geschlossen werden. Die Pläne der Stadt Fürstenfeldbruck zur zivilen Nutzung wurden jedoch aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage gestoppt. Die Aufstellung des neuen Luftwaffenausbildungsbataillons 2 dort markiert den Wendepunkt.
Das Luftwaffenausbildungsbataillon 2 ist seit dem 1. Oktober 2026 die größte Dienststelle am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck und Heimat für knapp 200 Soldatinnen und Soldaten
Bundeswehr/Stefanie KissnerAm 1. Oktober 2026 traten knapp 150 Rekrutinnen und Rekruten in der 8. beziehungsweise der 11. Kompanie an den Standorten Fürstenfeldbruck und Roth ihren Dienst an.
„Was für mich persönlich der 4. Juli 1988 war, ist für viele junge Männer und Frauen der heutige Tag, nämlich der erste Tag in der Bundeswehr“, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, bei seinem Besuch im neuen Luftwaffenausbildungsbataillon 2 (LwAusbBtl 2) auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck.
Gleichzeitig stellte der ranghöchste Soldat der Luftwaffe fest, dass der ursprünglich zur Schließung vorgesehene Standort Fürstenfeldbruck mit der Neuaufstellung des Bataillons wieder an Bedeutung gewinnt.
Die neuen Rekrutinnen und Rekruten stammen überwiegend aus Bayern. Mit der heimatnahen Ausbildung soll der Neue Wehrdienst an Attraktivität gewinnen. Einige von ihnen wohnen jedoch weiter entfernt und wollten ganz bewusst die ersten drei Monate ihrer Bundeswehrzeit im Süden absolvieren. Bereits bei ihrer Heranziehung stand fest, wo die anschließende Ausbildung für ihre jeweilige Verwendung stattfinden wird.
Die Altersstruktur der Truppe ist breit gefächert: Sie reicht von 17-Jährigen, die mit Einverständnis der Eltern ihren Dienst antraten, bis zu über 30-Jährigen, die aufgrund ihrer zivilberuflichen Ausbildung bereits in einem höheren Dienstgrad eingestellt wurden.
An die Stelle der bisherigen teilstreitkraftbezogenen Grundausbildung ist die Heimatschutzausbildung Streitkräfte getreten. Daran nehmen am Luftwaffenstandort auch Soldatinnen und Soldaten anderer Teilstreitkräfte teil. So meldeten sich auch eine Marinesoldatin mit dem Dienstgrad Matrose und ein Soldat des Heeres mit dem Dienstgrad Schütze. Auch die Verpflichtungszeiten unterscheiden sich: Sie reichen von sechs Monaten für Freiwillig Wehrdienstleistende bis zu 16 Jahren für Offizieranwärter.
Noch am Nachmittag des ersten Tages, nach dem Beziehen der Stuben und dem „Bettenbau“, begann die Formalausbildung: Antreten, Marschieren und militärisches Grüßen. Bald darauf standen der Empfang der Uniform und die sukzessive Ausgabe der weiteren Ausrüstung auf dem Dienstplan.
Begrüßung durch den Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann heißt die ersten Rekrutinnen und Rekruten in Fürstenfeldbruck willkommen
Bundeswehr/Christian Timmig
Erste Anlaufstelle für die neuen Rekrutinnen und Rekruten: Das Stammpersonal der 8. Kompanie überprüft die mitgebrachten Unterlagen.
Bundeswehr/Christian TimmigDas bereits bestehende Luftwaffenausbildungsbataillon 1 befindet sich in Germersheim (Rheinland-Pfalz). Das zweite Ausbildungsbataillon der Luftwaffe nahm seinen Dienst auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck auf. Der Fliegerhorst wird seit der Stationierung amerikanischer Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg dort „Fursty“ genannt. Die offizielle Indienststellung wird mit einem feierlichen Appell am 11. November 2026 erfolgen. Bei diesem Termin werden auch die neuen Rekrutinnen und Rekruten vor ihren Eltern, Verwandten und Freunden geloben, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Indienststellungsappell und Gelöbnis werden öffentlich vor der Klosterkirche Fürstenfeld stattfinden. Die Bevölkerung ist zu diesen Anlässen eingeladen.
Dem LwAusbBtl 2 sind die 8. Kompanie in Fürstenfeldbruck und die 11. Kompanie in Roth unterstellt. In Roth traten am 1. Oktober 2026 insgesamt 140 Rekrutinnen und Rekruten, darunter 23 Frauen, erstmals ihren Dienst an Über 80 von ihnen haben sich für eine Offizierausbildung entschieden. Am 2. November 2026 wird in der Lechfeldkaserne in Untermeitingen mit der 13. Kompanie eine weitere Einheit des Bataillons aufgestellt. Die Karrierecenter registrieren dafür derzeit weitere Bewerberinnen und Bewerber. Die genauen Zahlen stehen noch nicht fest. Bis zum Jahr 2030 sollen dem Bataillon sieben Kompanien an drei Standorten unterstellt sein.
von Max-Joseph Kronenbitter