Luftwaffe
Lehrgang in Fürstenfeldbruck

Bergmarsch bei Schnee und Sturm zur Soin-Hütte

Bergmarsch bei Schnee und Sturm zur Soin-Hütte

Datum:
Ort:
Bayern
Lesedauer:
3 MIN

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Der Weg zur Soin-Hütte in den Bayerischen Alpen ist im Sommer eine nette Bergwanderung. Bei 20 Zentimeter Nassschnee mit schwerem Kampfrucksack ist es ein Kraftakt, aber ein lohnender wegen der gemeinsamen Erfahrung und weil wir Offizieranwärter für diese Leistung das Wappen erhalten, das uns zu vollwertigen Angehörigen der 2. Inspektion macht.

Zwei Soldatinnen in Winterausrüstung und mit Sonnenbrille in einer verschneiten Landschaft

Die Gefreiten Lena E. (l.) und Elena K. beim Bergmarsch. In den beiden Hörsälen Charlie und Delta, die zur Soin-Hütte marschieren, gibt es insgesamt nur neun Frauen

privat

Traditionell macht jeder Offizieranwärterlehrgang während der Ausbildung einen Bergmarsch. Im Bundeswehr-Jargon liest sich das so: „Die gemeinsame Bewältigung einer Belastungssituation fördert die körperliche Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt innerhalb des Hörsaals.“

So hieß es für die beiden Hörsäle Charlie und Delta für zwei Tage: „Auf geht’s auf‘n Berg!“ Eine gespannte und aufgeregte Stimmung liegt in der Luft, als wir früh um sechs Uhr noch im Dunklen unsere Rucksäcke in den Bus verladen. Viele meiner Kameradinnen und Kameraden an der Offizierschule sind norddeutsche Flachländer und kennen Berge allenfalls von Instagram-Posts. Das Bergsteigen, wie es für viele Bayern häufiges Wochenendprogramm ist, ist ihnen bis dato völlig fremd.

Subjektive und objektive Gefahren am Berg

In Bayrischzell angekommen nehmen wir schnellstmöglich das Gepäck auf. Trotz stetigem Regen, der sich mit zunehmender Höhe in Schneeregen verwandelt, sind wir motiviert, für unser Patch die Hütte unterhalb des Wendelstein-Gipfels zu erstürmen. Vor dem Start klärt uns Hauptgefreiter (OAOffiziersanwärter) Joshua I., der zuvor zwei Jahre als Gebirgsjäger gedient hat, noch über die zu erwartenden Gefahren am Berg auf. Da sind zum einen die subjektiven Gefahren, die von einem selbst ausgehen, wie zum Beispiel mangelnde Trittsicherheit; zum anderen die objektiven Gefahren wie schlechte Wetterbedingungen und schwieriges Gelände. 

Uns trifft vor allem das schlechte Wetter: eine eher bescheidende Sicht und matschige Wege. In den zwei kurzen Pausen auf dem Weg zum Gipfel gibt es heißbegehrte Lunchpakete mit Sandwich, Apfel und Müsliriegel.

Eine Reihe von Soldaten mit Skistöcken und Schneetrittlingen in einer verschneiten Landschaft.

Während eines teilweise kräftigen Schneesturms stapfen die Offizieranwärterinnen und -anwärter in einer Reihe mit sogenannten Schneetrittlingen an den Füßen Richtung Wendelstein

Elena K.

Am Vortag wurden wir alle mit Skistöcken, einem Lawinensuchgerät und Schneetrittlingen ausgestattet. Letztere kommen tatsächlich zum Einsatz: Das Schneefeld ist so steil, dass wir ohne diese nicht weiterkommen. In einer langen, schmalen Reihe steigen wir weiter auf dem Grat Richtung Wendelstein. „Es war ungewohnt, weil ich zwar Skifahrerin bin, aber noch nie mit Schneetrittlingen unterwegs war“, sagt meine Kameradin Lena E. später. 

Weiter oben dann die enttäuschende Erkenntnis: Die Sicht und das Wetter sind so miserabel, dass uns ein Gipfelaufstieg verwehrt bleibt. Trotzdem freuen wir uns, dass wir an der bundeswehreigenen Soin-Hütte angekommen sind und die völlig durchnässte Ausrüstung endlich ablegen können.

Antreten bei Schneesturm in 1.200 Metern Höhe

Den Nachmittag über spielen wir Karten- und Brettspiele, bis abends ein „Antreten in Reih und Glied“ befohlen wird – auf 1.200 Metern Höhe in einem starken Schneesturm. Endlich ist es so weit: Jeder von uns bekommt das Patch, das uns zu vollwertigen Angehörigen der 2. Inspektion macht. Es zeigt einen Widderkopf auf blau-rotem Grund. Die Farben stehen für die Stadtfarben von Fürstenfeldbruck, der Garnisonsstadt der Offizierschule.

Ein Soldat heftet einer Soldatin ein Patch an.

Inspektionschef Oberstleutnant Frank K. (l.) verleiht Elena K. (m.) und allen anderen, die zu Fuß den Weg zur Soin-Hütte geschafft haben, das blau-rote Patch der 2. Inspektion

privat

Wir haben sogar doppelt Grund zum Feiern: Unser Hörsaalleiter Dennis B. ist zum Hauptmann befördert worden. Grund genug für einen lustigen Hüttenabend! Zum krönenden Berghütten-Erlebnis gehört natürlich auch die Übernachtung in einem 20-Mann-Schlafsaal im Obergeschoß der Hütte samt zugehöriger Geräusche und Gerüche.

„Revierreinigen“ vor dem Abstieg

Nach einer absehbar kurzen Nacht heißt es: Ausrüstung wieder zusammenpacken und fertig machen zum Abstieg. Dazu gehört – egal wo wir sind – das wenig beliebte „Revierreinigen“, wobei in diesem Fall das „Revier“ eben die Soin-Hütte ist. Zuvor haben uns drei Mittenwalder Gebirgsjäger ein Frühstück auf der Hütte zubereitet. Der Nebel lichtet sich etwas, trotzdem bleibt uns die Sicht auf das Bergpanorama vorenthalten. Trittlinge anschnallen und runter geht’s.

Nach diesem Bergabenteuer kommen wir fast etwas traurig unten am Parkplatz an, wo der Bus wartet und uns zurück zur Offizierschule bringt. „Für mich war das ziemlich beeindruckend, denn ich war zum ersten Mal in den Bergen“, so mein Kamerad Johannes W., der aus dem rheinland-pfälzischen Westerwald kommt. Dort wird der höchste Punkt nicht einmal Berg genannt, sondern ist als „Erhebung“ mit gerade einmal 656 Metern verzeichnet.

Freilich hätten wir uns besseres Wetter für den Bergmarsch gewünscht. Aber wir hoffen, dass wir bei der nächsten großen Herausforderung mehr Glück haben: beim Lehrgang „Überleben Land“ im baden-württembergischen Pfullendorf. Darüber demnächst mehr.

von Elena K.

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