Luftwaffe
Betreuung

Coffee – Candies – Cola

Coffee – Candies – Cola

  • Kakadu
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Darwin
Lesedauer:
4 MIN

Wenn mal einer der sechs Eurofighter für einen halben Tag nicht einsatzklar ist, kriegen das nicht alle im 240 Mann und Frau starken Kontingent mit. Wenn dagegen der Betreuungscontainer wegen einer Besprechung für 15 Minuten geschlossen ist, dann fehlt nicht viel bis zur Meuterei. Mit kalten Getränken und guten Gesprächen sorgt das Betreuungsteam dafür, dass sich die Gemüter und Körper der Soldaten in der australischen Hitze abkühlen.

Der Klein-LkwLastkraftwagen hängt tief in den Federn als ihn Stabsfeldwebel Michael R. rückwärts unter den Eukalyptusbaum rangiert. Mehrere hundert, in Kartons verpackte Wasserflaschen hat er geladen. Wegen der vielen Container im deutschen Camp kann er nicht ganz an den Betreuungscontainer heranfahren. Eine „Eimerkette“ ist aber schnell zusammengestellt, denn im und um den Container finden sich immer genug Leute, die gerade eine kurze Pause genießen und gerne helfen, das unverzichtbare Lebenselixier in den kühlen Container zu bunkern.

Ein Soldat sitzt in einem Auto

Stabsfeldwebel Michael R. vom Betreuungsteam bringt Wassernachschub

Bundeswehr/Francis Hildemann

Sandwich- und Wach-Dienst abwechselnd

Auch Hauptgefreiter Bianca V. hat ihren Posten hinter der Theke verlassen und packt nach dem Motto ‚viele Hände schnelles Ende‘ auch mit an. Danach sitzen alle wieder im kühlen Container, denn die fünf Minuten Arbeit bei schattenlosen 32 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit haben für ein schweißnasses Gesicht und – nicht zum ersten Mal an diesem Tag – ein durchgeschwitztes T-Shirt gesorgt.

Zwei Soldatinnen beim Kontrollgang auf der RAAF Base in Australien

Patrouille zu nachtschlafender Zeit: auf ihrem Kontrollgang kommen Bianca V. und Steffi B. regelmäßig auch bei den sechs Eurofightern vorbei

Bundeswehr/Francis Hildemann

Den Coffeeshop zu betreiben und die Kameradinnen und Kameraden mit heißem Kaffee, kalten Softdrinks, Süßigkeiten und kleinen Brotzeiten zu versorgen, ist Biancas Aufgabe in dieser Woche. „Der Job gefällt mir sehr gut, weil ich viel mit Leuten in Kontakt komme, mit denen ich sonst nie zu tun habe“, so die Stabsdienstsoldatin, die im heimischen Neuburg in der Zimmerverwaltung arbeitet. Völlig konträr dazu ist der Job, den sie alternierend in der jeweils zweiten Woche macht: Ganz allein mit einem weiteren Kameraden bewacht sie nachts das deutsche Camp. „Regelmäßig laufen wir Streife, prüfen die Container auf Verschluss und schauen auch bei unseren sechs Eurofightern auf der Platte vorbei“, erzählt die 24-jährige Neuburgerin, die sich für vier Jahre beim Bund verpflichtet hat.

Obazter ohne Kümmel

Die andere Schicht im Betreuungscontainer bilden die Stabsunteroffiziere Maria R. von den Munitionern der Wartungsstaffel und Andreas H. von der Offizierheimgesellschaft Neuburg. Der gelernte Koch ist es auch, der den Lebensmittel-Einkauf erledigt. „Anders als in Europa ist das hier in Australien nicht so einfach, beispielsweise eine Brühwurst für den Wurstsalat zu kriegen“, berichtet Andreas H. Über die Inhaltsangabe und einen Testkauf versucht er sich heranzutasten. Camembert und Kümmel für den Obazten, den er am International Day serviert hat, hat er erst gar nicht bekommen. Ganz abgesehen davon sei das Preisniveau hier in Down Under extrem hoch.

Zwei Soldaten bereiten einen Wurstsalat zu

Die Truppenküche auf der australischen Airbase ist sehr gut – aber zwischendurch muss es auch mal ein bayerischer Wurstsalat sein, zubereitet von Maria R und Andreas H.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Ausflüge in die Australian Backyards

Zu den Aufgaben des Betreuungspersonals gehört, nicht nur für Snacks zu sorgen, sondern auch den deutschen Beitrag zu den von den australischen Gastgebern veranstalteten Events zu organisieren. Denn bei den beiden Übungen Pitch Black“ und „Kakadu“ gibt es einen Open Day für alle Bürger Darwins, eine International Night mit Lederhosen-Einsatz oder den Cultural Day mit sportlichen Wettkämpfen.

Zumindest während der Übung Pitch Black gibt es auch ein freies Wochenende. Und da sind vom Betreuungsteam Tipps für Ausflüge gefragt. „Die klassischen Betreuungsfahrten sind hier in Australien etwas schwierig“, berichtet Oberstabsfeldwebel Roberto B. Weniger deswegen, weil es hier im Northern Territory Australiens nichts anzuschauen gäbe, ganz im Gegenteil: der bekannte Litchfield Nationalpark ist nur gut eine Autostunde südlich von Darwin entfernt. „Das Problem ist nur, wenn ich mit einem Bus voller Soldaten zum Beispiel zu den Badewannen-Pools am Buley Rockhole fahre, sind die allein mit unseren Leuten schon voll“, so der Spieß.

Der Kontingentspieß steht am Kühlschrank. Zu sehen sind viele Getränke

Der Kontingentspieß Roberto B. kümmert sich um alles

Bundeswehr/Francis Hildemann

Noch weiter entfernt und nicht minder sehenswert ist der Kakadu UNESCO-Welterbe Nationalpark. Aber es gibt auch einige must-see-places in der Stadt Darwin: das Aeronautical-Museum, den Botanical Garden oder das Northern Territory-Museum. „Wenn es als Betreuungsfahrt angemeldet ist, gibt’s sogar einen Zuschuss zum Eintrittspreis im Rahmen der politischen Bildung“, so Roberto B. weiter. Vielen reicht schon ein Abend am berühmten Mindil Beach, wo man wegen Krokodil- und Quallen-Alarm zwar nicht baden, aber dafür ein sagenhaftes Farbenschauspiel beim Sonnenuntergang beobachten kann. Dort gibt es auch einen Market, der wie vieles in Australien nicht ganz billig ist.

Mehrere Soldaten stehen im Betreuungscontainer und unterhalten sich

Ein Kaffee und ein Ratsch ist auf jeder Übung überlebenswichtig

Bundeswehr/Francis Hildemann

Nicht ganz freiwillige Nichtraucher

Unter den hohen Lebenshaltungskosten leiden die Kontingentangehörigen am meisten, noch dazu, weil es dem Spieß von deutscher Seite nicht genehmigt wurde, Marketenderwaren mitzunehmen. „Das ist bei vielen Auslandseinsätzen und auf Kommandos eigentlich üblich“, so der Betreuungsfeldwebel Michael Reil. Damit könnten sich die Soldaten fern der Heimat mit heimischen Produkten versorgen, die ähnlich viel kosten wie daheim. Besonders schwierig sei es für die Raucher: Maximal zwei Schachteln Zigaretten durften bei der Einreise eingeführt werden. Die günstigste Schachtel kostet hierzulande rund 25 Euro. Die obligatorische Raucherecke vor dem Betreuungscontainer ist also nicht nur wegen der Hitze kleiner als sonst, sondern auch wegen der Zigarettenpreise. „Ich kenne einige Kameraden, die notgedrungen - zumindest vorübergehend - zu Nichtrauchern geworden sind“, grinst Stabsfeldwebel Michael R.

von Max-Joseph Kronenbitter

weitere Inhalte

  • Ein Verbund aus mehreren Luftfahrzeugen am Himmel
    Luftwaffe schreibt Geschichte

    In 20 Stunden ans andere Ende der Welt

    Zum ersten Mal in ihrer Geschichte verlegte die Luftwaffe einen Verbund aus Kampf-, Tank- und Transportflugzeugen in den Indopazifik.

    • Rapid Pacific
    • Luftwaffe
    • Darwin