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Die medizinische Versorgung steht

Die medizinische Versorgung steht

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Datum:
Ort:
Evreux
Lesedauer:
3 MIN

Zu dem binationalen Lufttransportgeschwader, das in Évreux seine Heimat finden wird, gehört selbstverständlich auch eine Fliegerarztgruppe. Und diese war binnen kürzester Zeit einsatzbereit.

Drei gräuliche Container bilden die Front des Sanitätsbereichs.

Direkt an die französische Antenne Médicale wurde eine zweckmäßige Containerlösung angebaut. Dies ermöglicht den deutschen Patienten die nötige Diskretion und dem Sanitäts-Duo kurze Wege zur Interaktion mit den Franzosen.

Bundeswehr/Rajko Huber

Fliegerarztgruppe in Évreux

Der deutsche Anteil auf der Base Aérienne 105 (BA105) kommt weiter mit großen Schritten vorwärts; allen voran die deutsche Fliegerarztgruppe, die ebenfalls auf dem Militärflugplatz ihre neue Heimat gefunden hat. Gerade einmal zwei Wochen nach Aufbau der Dienststelle konnten der Fliegerarzt, Oberfeldarzt (OFA) Dr. Christian Vogl, und der flugmedizinische Assistent, Stabsfeldwebel Rajko Huber, die erste flugmedizinische Untersuchung eines deutschen Piloten durchführen.

Bei der flugmedizinischen Untersuchung handelt es sich um eine zyklische Untersuchung der ständigen Flugzeugbesatzungen, zum Beispiel der Piloten. Dazu gehören unter anderem ein Hörtest, ein Sehtest, die Überprüfung der Lungenfunktion und ein Blutbild. Hiermit soll sichergestellt werden, dass die ständigen Flugzeugbesatzungen den körperlichen Anforderungen in ihrem Job gewachsen sind.

Ein Mann hält mit geschlossenen Augen ein Stethoskop an die nackte Brust des männlichen Patienten.

Konzentriert hört Oberfeldarzt Vogl bei seinem Patienten mit Hilfe eines Stethoskops die Atemgeräusche ab. Auch hier müssen die Hygienevorschriften in Zeiten der Pandemie beachtet und befolgt werden.

Bundeswehr/Rajko Huber

Deutsch-französische Synergie

„Einen großen Beitrag hat aber auch das Personal der am Standort ansässigen 132ème Antenne Médicale Évreux geleistet“, so Dr. Vogl. Von Anfang an wurde die deutsche Fliegerarztgruppe vollkommen integriert und den beiden Männern wurde gleich das komplette Vertrauen entgegengebracht, so dass beide sehr zügig einen Schlüssel für die französischen Gebäude erhielten.

Eine junge, blonde französische Soldatin führt einen Sehtest mit einem deutschen Soldaten durch.

Auch die Sehkraft der ständigen Flugzeugbesatzung muss überprüft werden. Dies geschieht bei einem klassischen Sehtest unter französischer Aufsicht.

Bundeswehr/Rajko Huber

Die Zusammenarbeit läuft reibungslos, Dr. Vogl hat auch bereits seinen ersten Vortrag gehalten. „Auf Französisch selbstverständlich“, ergänzt der Oberfeldarzt mit einem charmanten Grinsen. „Durch die vielen lateinischen Begriffe in der Medizin ist die Kommunikation generell eher kein Problem.“ Weil es auf Seiten der deutschen Fliegerarztgruppe noch an Material fehle, baue man derzeit auf andere synergetische Effekte. „Wir liefern vorerst nur die Manpower, bis unsere angeforderte Ausstattung da ist. Dann werden wir uns in Zukunft auch materiell mit dem französischen Team ergänzen können“, so der Arzt. Es wird im deutschen Anteil beispielsweise ein Ultraschallgerät geben, das auf französischer Seite nicht vorhanden ist und dann mitgenutzt werden kann.

„Einziger bisher merkbarer Unterschied sind die Differenzen zwischen den deutschen und den französischen Standards. Das meine ich total wertfrei“, sagt der erfahrene Fliegerarzt. Er betrachtet diese Unterschiede als Herausforderungen. Das große Ziel sei es, die beiden unterschiedlichen Systeme so gut wie möglich zu vereinen, um die größtmögliche Schnittmenge zu bilden.

Duo mit Auslandserfahrung

Sowohl Christian Vogl als auch Stabsfeldwebel Rajko Huber wurden in die Planung der Fliegerarztgruppe mit eingebunden, denn beide bringen bereits einiges an Auslandserfahrung mit. OFA Dr. Vogl ist im Lufttransportgeschwader 61 groß geworden, gefolgt von einem Abstecher ins Taktische Luftwaffengeschwader 74 nach Neuburg an der Donau. Während seiner tropenmedizinischen Ausbildung verbrachte er einige Zeit im Austauschprogramm in Brasilien. Bevor er mit seiner Familie nach Évreux kam, war er im NATO-Hauptquartier in Izmir in der Türkei stationiert.

Zwei Männer stehen an einer hüfthohen Theke und halten Papiere in der Hand, um diese einer Dame zu überreichen.

Wie in jeder Arztpraxis muss der Patient sich anmelden. Das Besondere hier ist, dass die Dame an der Anmeldung französisch spricht. Bei Problemen hilft Stabsfeldwebel Huber mit seinen Französischkenntnissen gerne weiter.

Bundeswehr/Christian Vogl

Um nach Évreux zu kommen, musste Stabsfeldwebel Huber nicht mal eine Landesgrenze übertreten. Er war vor seiner Verwendung in Évreux bereits seit sechs Jahren in Le Luc in der Provence stationiert. „Die größte Herausforderung für mich und meine Frau ist das Klima hier in der Normandie“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Die ersten 30 Jahre seiner Karriere bei der Bundeswehr war Stabsfeldwebel Huber beim Heer eingesetzt, mit der Versetzung nach Évreux kam ein Wechsel zur Luftwaffe. Dies sei ein interessanter Tapetenwechsel, sagt Huber. Denn auch, wenn Heer und Luftwaffe beide Teil der Bundeswehr sind, seien Mentalität und Arbeitsweise doch ziemlich unterschiedlich. Mit seiner Verwendung in Évreux schließt sich sein dienstlicher Kreis, denn angefangen hatte Stabsfeldwebel Huber vor 30 Jahren im multinationalen Sanitätsbereich des Eurokorps in Straßburg. 2026 wird er in Frankreich in den Ruhestand verabschiedet.

Ausblick in die Zukunft

Künftig wird daran gearbeitet, dass es für die deutschen Soldaten einfacher werden soll, zivile Fachärzte zu finden, die bestenfalls auch deutsch sprechen. In Verbindung mit dem Bürgermeister arbeitet man an dem Aufbau eines Ärztenetzwerks, damit die Ankunft und der Aufenthalt der deutschen Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien noch etwas einfacher wird. Ab 2027 ist sogar ein binationaler Sanitätsbereich auf dem Fliegerhorst Évreux geplant.

von Birte Chilcott

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