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„Dollar Ride“ in Texas: Gabriels Jetpilotenausbildung geht weiter

„Dollar Ride“ in Texas: Gabriels Jetpilotenausbildung geht weiter

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Datum:
Ort:
Texas
Lesedauer:
5 MIN

Wer Jetpilot bei der Luftwaffe werden will, muss nicht nur alle Tests bestehen. Er oder sie braucht Fleiß, Ausdauer und den festen Willen, es schaffen zu wollen. Gabriel, Pilotenschüler und inzwischen Leutnant, hat die ersten Etappen erfolgreich bestanden.

Gabriel steht am Propeller einer Beechcraft T-6.

Die Beechcraft T-6 ist für Gabriel das zweite Flugzeug in seiner militärischen Ausbildung, nachdem er in Goodyear die Grob G 120A geflogen ist

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Jetzt ist er seit Ende April in Wichita Falls in Texas auf der Sheppard Air Force Base. 15 Monate dauert dort die Ausbildung, bevor er seine Piloten-Schwingen erhält. Sein erstes Flugzeug hier ist die Beechcraft T-6.

Sie träumen nicht mehr nur vom Fliegen, sie tun es. Die Klasse 22-06 im Euro NATO Joint Jet Pilot Training (ENJJPTEuro NATO Joint Jet Pilot Training) in Texas weiß längst, wie man eine Maschine startet, steuert, landet. 30 junge Frauen und Männer aus den USAUnited States of America, Deutschland, Italien und Rumänien wollen hier im Juni 2022 ihre Grundausbildung zum Jetpiloten nach NATO-Standards abschließen. Gabriel ist einer von ihnen.

Nach seinen Erfahrungen in Goodyear waren die ersten Wochen in Texas für den 25-Jährigen schon ein bisschen Routine: zwei Wochen Quarantäne wegen der Pandemie, danach zwei Wochen, um sich um Führerschein, Handyvertrag, WLAN und ein Auto zu kümmern. „Nur richtet man sich jetzt für eineinhalb Jahre ein, nicht nur für drei Monate wie in Goodyear“, sagt Gabriel. Bei Fragen helfen der Spieß und die Innendienstsoldaten der deutschen Einheit in Sheppard, aber natürlich auch die Mitschüler.

Wohnen im Village auf der Basis

Anders als in Arizona wohnt Gabriel diesmal nicht in einem Apartmentblock, „Dorm“ genannt, denn er ist mit seiner Frau in die USAUnited States of America gekommen. „Schülern, die mit Familie kommen, ist es freigestellt, wo sie wohnen wollen“, erzählt Gabriel. „Natürlich kann man sich außerhalb ein Haus mieten. Die meisten jedoch, so wie wir, entscheiden sich für ein Haus im Village auf der Basis.“ Dieses sogenannte On Base Housing stellen die amerikanischen Streitkräfte für das Personal der Base bereit. „Die Vorteile sind ganz klar der kurze Arbeitsweg und der Hausmeisterservice“, sagt Gabriel lächelnd. „Es ist ein typisch amerikanisches Fertighaus mit viel Platz und wir fühlen uns hier sehr wohl. Das ist wichtig, denn nur so kann ich mich voll und ganz auf die Ausbildung konzentrieren.“

Das insgesamt 1,2 Quadratkilometer große Gelände der Base bietet alles, was man fürs Leben braucht. „Wer nicht will, müsste nie rausfahren“, stellt Gabriel fest. Es gibt Einkaufsmöglichkeiten, Freibäder, zwei Fitnesszentren, Bar, Kino, Bowlingbahnen, selbst auf Starbucks, Burger King und Tacobell muss niemand verzichten.

Gabriel steht vor einem NASA-Logo.

Ausflug nach Florida: Gabriel beim Besuch des John F. Kennedy Space Center (KSC) auf Merritt Island nordwestlich der Cape Canaveral Air Force Station. Hier starteten von Dezember 1968 bis Juli 2011 alle bemannten Raumflüge der USAUnited States of America.

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Das wäre allerdings nichts für Gabriel. An den Wochenenden hat er trotz der anspruchsvollen theoretischen und fliegerischen Ausbildung frei und nutzt sie für Ausflüge. Unter anderem war er mit einem deutschen Kameraden in Florida bei der NASA. Für seine beruflichen Ziele braucht er zwar keinen Weltraumbahnhof wie das Kennedy Space Center, aber alles, was schnell, weit und hoch fliegt, ist und bleibt spannend für ihn. 

Dollar Ride – Erster Flug mit der T-6

In Wichita Falls musste Gabriel allerdings eine ganze Weile warten, bis er selbst wieder abheben durfte. Nach etwa acht Wochen intensiver Vorbereitung, mit vielen Theoriestunden und Simulatorflügen, hatte er seinen Premierenflug mit der Beechcraft T-6, einem leichten Turboprop-Flugzeug des amerikanischen Herstellers Textron Aviation. Ein solcher Erstflug mit einem für den angehenden Piloten neuen Flugzeugtyp heißt hier traditionell „Dollar Ride“. Für diesen ersten Flug überreicht der Schüler seinem Fluglehrer einen Ein-Dollar-Schein, den „Ride Dollar“. Sie sind oft mit einer Aufschrift oder einem Bild versehen und erinnern beide an diesen wichtigen Moment.

Gabriel sitzt am Schreibtisch und zeichnet auf eine Dollarnote.

Was genau auf jedem „Ride Dollar“ zu sehen ist, bleibt ein Geheimnis zwischen Flugschüler und Fluglehrer

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Die Tradition des „Dollar Ride“ stammt angeblich aus der Zeit um 1900, als Piloten von zweisitzigen Flugzeugen von ihren Kunden einen Dollar verlangten, wenn sie auf dem Vordersitz Platz nahmen und so taten, als würden sie das Flugzeug fliegen. Das allerdings ist bei Gabriel und seinen Mitschülern anders.

Die mahnende Stimme von hinten

Wie war dieser erste Flug in der T-6, die ihn in den nächsten vier Monate auf seinem Weg zum Jetpiloten fordern und begleiten wird? Gabriel erzählt: „Ich war natürlich angespannt. Erinnerungen an den Erstflug in Goodyear wurden wach. Bei so einem Flug zeigt sich, ob man das Gelernte umsetzen, ob man damit umgehen kann.“ Natürlich erwarte niemand, dass er das Flugzeug perfekt beherrsche. „Aber man sollte die gelernten Grundlagen aus der Theorie umsetzen können.“

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Gabriel und sein Fluglehrer sitzen sich mit Maske an einem Schreibtisch gegenüber.

Vor dem „Dollar Ride“ spricht der Fluglehrer die einzelnen Flugelemente ganz genau mit Gabriel durch und zeigt diese anschaulich mit einem kleinen Modell

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Gabriel und sein Fluglehrer auf dem Weg zum Flugzeug.

Dann machen sich beide auf den Weg zu ihrer Beechcraft T-6

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Gabriel und sein Fluglehrer gehen die Checkliste am Flugzeug durch.

Vor dem Abflug muss die Maschine außen und innen gecheckt werden. Die Listen werden Punkt für Punkt abgearbeitet.

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Gabriel sitzt vorne im Cockpit der Beechcraft T-6, der Fluglehrer hinter ihm.

Anspannung und Konzentration kurz vorm Start sind hoch. In der Beechcraft T-6 sitzt der Schüler vorn im Cockpit, der Lehrer hinter ihm.

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Die Beechcraft T-6 rollt mit drehendem Propeller in Richtung Startbahn.

Und dann geht es endlich los. Das 10,20 Meter lange Turboprop-Flugzeug hat schon ein ähnliches Flugverhalten wie ein leichter Jet.

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Der Flug war für einen Mittwochnachmittag geplant, das Wetter war gut. „Nach einem langen Briefing mit meinem Fluglehrer, bei dem wir alle Szenarien und den gesamten Flug besprochen hatten, ging es zum sogenannten ‚Step‘“, erzählt Gabriel. „So heißt es in der militärischen Fliegerei, wenn man sich zum Flug aufmacht.“ Nach den vorgeschriebenen Checks ging es los. „Ich war so konzentriert und es ging alles so schnell, dass ich kaum mitbekam, dass wir schon in der Luft waren.“ In der T-6 sitzt der Fluglehrer hinter dem Schüler, nicht neben ihm. „Da vergisst man leicht, dass man zu zweit unterwegs ist“, sagt Gabriel. „Doch man erinnert sich sehr schnell daran, sobald bei einem Fehler eine ermahnende Stimme von hinten erklingt.“

Fliegen am Limit

Nachdem Gabriel sein geplantes Programm absolviert hatte, um sich an das Flugverhalten der Turboprop-Maschine zu gewöhnen, zeigte der Fluglehrer ihm, was die T-6 alles kann. „Er flog mit mir Hochleistungsmanöver, die an die Leistungsgrenzen des Flugzeugs gingen. Da machen sich die Unterschiede zur Grob in Goodyear bei der Geschwindigkeit und den g-Kräften, die einen in den Sitz drücken, schon deutlich bemerkbar.“ Während die Grob eine Reisegeschwindigkeit von etwa 220 Stundenkilometern erreicht, fliegt die T-6 schon 370 Stundenkilometer. 

Inzwischen fliegt Gabriel die T-6 auch allein – ein weiterer Schritt zu seinem Ziel, Kampfjet-Pilot zu werden. Der erste Soloflug war für Gabriel mindestens genauso spannend wie der „Dollar Ride“ – und er endete traditionsgemäß nicht “trocken„.

Gabriel wird von zwei Mitschülern hochgehoben. Im Vordergrund steht ein Bassin mit Wasser.

Zu einem ersten Soloflug gehört auch in Sheppard eine Taufe …

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Mit Schwung landet Gabriel im Bassin, das Wasser spritzt.

… und so landet Gabriel mit Schwung im Wasserbassin. Many happy landings!

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Im Februar oder März 2022 wird Gabriel auf die Northrop T-38C Talon umsteigen, ein Schulflugzeug für den Flug im Überschallbereich. Dann hat er seinen nächsten „Dollar Ride“.

von Stefanie Pfingsten & Leutnant Gabriel

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