Luftwaffe

Luftwaffe und THW arbeiten zusammen auf 1.200 Metern Höhe

Luftwaffe und THW arbeiten zusammen auf 1.200 Metern Höhe

  • Zivil-Militärische Zusammenarbeit
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Laupheim
Lesedauer:
4 MIN

Zivil-militärische Zusammenarbeit par excellence – auf 1.200 Metern über Null ging es für zwei Hubschrauber der Luftwaffe und 50 Kameradinnen und Kameraden des Technischen Hilfswerks ans Eingemachte.

Ein Transporthubschrauber vom Typ Ch-53 steht mit sich drehenden Rotorblättern auf einer Wiese.

Während der gemeinsamen Übung lief zwischen dem Technischen Hilfswerk und Teilen des Hubschraubergeschwaders 64 alles reibungslos und Hand in Hand

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Knapp über null Grad, die Sonne kitzelt seit wenigen Minuten den Horizont. Der Nebel, der das Flugfeld des militärischen Fliegerhorstes in Laupheim in ein weißes Gewand hüllt, lichtet sich allmählich. Vor den großen Luftfahrzeughallen im Süden Deutschlands herrscht aber bereits seit weit vor sieben Uhr morgens reges Treiben. 

Ein Transporthubschrauber CH-53 steht auf einer großen Betonplatte bei aufgehender Sonne.

Stehen die Hubschrauber im Geschwader in Laupheim über Nacht in ihren Hallen, werden ihre Rotorblätter aus Platzgründen zusammengefaltet. In diesem Zustand fährt der Hubschrauber nicht selbst – er wird auf die „Platte“ geschleppt.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Bordtechniker, Lademeister, Tankwagen – alle sind dabei, die Hubschrauber CH-53 und H145M LUH SOFLight Utility Helicopter – Special Operation Forces startklar zu machen. Zwei Stunden vor dem Start der Hubschrauber fängt die fliegende Crew ihre Checks und Überprüfungen an. Bordbücher werden gewälzt, es wird getankt und die persönlichen Sachen für den bevorstehenden Tag an Bord gebracht und so verstaut, dass nichts verrutscht. Das Wetter wird beobachtet, Flugrouten werden besprochen und auf ihre Besonderheiten wird eingegangen – denn jeder Flug ist anders. 

Ein Soldat schreibt etwas in ein Heft, es sind nur seine Hände zu sehen, von der eine einen Stift hält

Unter dem umgangssprachlichen Wort „Bevorflugung“ versteht sicher nur Servicepersonal das Richtige – für Laien handelt es sich dabei um alle Checks und Überprüfungen, die vor einem jeden Flug mit dem Hubschrauber stattfinden müssen

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

CIMICCivil Military Co-Operation – Civil Military Cooperation 

Vor zwei Hubschrauber-Crews liegt an diesem Tag eine besondere Aufgabe: eine gemeinsame Übung mit dem Technischen Hilfswerk. Die Vorbereitung der Übung begann vor nicht weniger als vier Jahren. Bürokratische Hürden mussten genommen, Genehmigungen aller beteiligten Stellen eingeholt werden; doch jetzt geht’s endlich los. Nicht zuletzt, weil der vergangene Sommer daran erinnerte, wie wichtig solche Übungen im Ernstfall sein können. 

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Ein Hubschrauber steht in der Morgendämmerung auf einer Betonplatte. In seinem Cockpit sitzen Menschen.

Bevor ein Hubschrauber im Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim abhebt, muss er einiges an Tests über sich ergehen lassen. Bordtechniker und Piloten sind rund zwei Stunden vorher damit beschäftigt.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Eine CH-53 steht auf einer Alm, im Vordergrund ist das blaue Notstromaggregat des Technischen Hilfswerks zu sehen.

Schauplatz der gemeinsamen Übung zwischen Bundeswehr und THW sind die Allgäuer Alpen. Direkt unterhalb des Hochgrats bei Oberstaufen befindet sich die Oberstiegalpe, die für das Szenario real von der Stromversorgung abgeschnitten wurde.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
An einem Hubschrauber hängt ein großes Netz.

Etwa drei Tonnen Sandsäcke transportiert die CH-53 auf die Oberstiegalpe

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Zwei Hubschrauber stehen auf einer großen Wiese, einer von ihnen hebt ab.

Zwei Hubschrauber des Hubschraubergeschwaders 64 Laupheim unterstützen das Technische Hilfswerk in einer gemeinsamen Übung

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Ein H145M steht vor einer malerischen Bergkulisse.

Der leichte Mehrzweckhubschrauber H145M LUH SOFLight Utility Helicopter – Special Operation Forces ist während der Übung für den schnellen Personentransport eingesetzt. Neben den zwei Piloten haben vier weitere Passagiere Platz.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Ein fliegender Hubschrauber vom Typ CH-53. An seiner Unterseite ist der Lasthaken mit einer textilen Kette zu sehen.

Bis zu sechs Tonnen Außenlast kann der mittelschwere Transporthubschrauber CH-53 transportieren

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Drei Soldaten knien auf einer Wiese und sehen zu einem Hubschrauber, der sich im Anflug befindet.

Die Soldaten vom Luftumschlagszug sind dafür da, die schweren Außenlasten an die CH-53 zu hängen – während der Hubschrauber über ihnen schwebt

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Zwei Kameraden des THW tragen Uniformen mit der Rückenaufschrift „THW“ und schauen einer CH-53 beim Landen zu.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat alle Beteiligten noch einmal dafür sensibilisiert, wie wichtig solche gemeinsamen Übungen sind und wie schnell Erlerntes wirklich wichtig werden kann

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

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Das Übungsszenario erinnert nur per Zufall an die nunmehr drei Monate zurückliegende Flutkatastrophe im Ahrtal und weiteren Kreisen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: das Technische Hilfswerk (THW) muss einen vom Starkregen gesättigten Hang am Fuße der Alpen sichern; andernfalls drohen ein Erdrutsch oder Überschwemmungen im Tal. Das Gelände ist unwegsam und ihr Gerät schwer. Außerdem brauchen sie Strom. Nicht nur, um bei eintretender Dunkelheit etwas zu sehen, sondern auch um die nahegelegene Almhütte mit Elektrizität zu versorgen – das Unwetter schnitt das Haus vom Energienetz ab. 

Eine CH-53 steht mit geöffneter Heckklappe auf einer Alm. Im Hintergrund sieht man Mitglieder des THW und eine Alphütte.

Wenn Häuser oder ganze Geländeabschnitte nicht mehr auf den üblichen Straßen zu erreichen sind, ist der Weg von oben der einzig machbare – im Übungsszenario schnitt ein starkes Unwetter ein Haus von der Außenwelt ab

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Um 50 Männer und Frauen, unzählige Kabel und Sandsäcke und ein zweieinhalb Tonnen schweres Notstromaggregat zum Hochgrat bei Oberstaufen zu bringen, fordern die Ehrenamtlichen die Hilfe des Hubschraubergeschwaders 64 aus Laupheim an. Ein mittelschwerer Transporthubschrauber vom Typ CH-53 und ein leichter Mehrzweckhubschrauber H145M sind klar zum Start, mit ihnen zwölf Soldaten.

Mehrere Kameradinnen und Kameraden vom THW steigen über die Heckklappe in den Frachtraum der CH-53.

Für 50 Kameradinnen und Kameraden des THW ging es während der gemeinsamen Übung per Luftweg an den Einsatzort – viele der Kameraden waren während der Flutkatastrophe im Ahrtal im Einsatz. Sie wissen wie nah dieses Szenario an der Realität ist.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Der Wallschutz des THW bringt Sicherheit ins Tal

Die CH-53 transportiert in mehreren Runden Personal und Material des THW auf die Alpe. Knapp 130 Kilometer und siebenhundert Höhenmeter trennen diese von ihrer Heimat in Laupheim. Sofort beginnen die Kameradinnen und Kameraden in Blau ihre Arbeit. Riesige schwarze Planen werden auf dem durchnässten Hang ausgebreitet und von unzähligen Sandsäcken beschwert. So wird verhindert, dass weiterer Regen den bereits vollkommen gesättigten Boden aufweicht und zum Rutschen bringt. Das Notstromaggregat läuft auch schon und mit einer Leistung von 46 Kilovolt-Ampere wird es in der Hütte endlich wieder hell. 

Mehrere Mitglieder des THW stehen an einer schwarzen Plane, die mit Sandsäcken beschwert auf einer Wiese liegt.

Große Planen werden als Wallschutz auf einem vom Regen getränkten Berghang ausgelegt. Sie verhindern, dass noch mehr Wasser auf den gesättigten Boden fällt und dieser so ins Rutschen gerät.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Der leichte Mehrzweckhubschrauber H145M LUH SOFLight Utility Helicopter – Special Operation Forces ist während der Übung ausschließlich für den schnellen Personentransport vor Ort. Schließlich müssen die Soldaten der Kreisverbindungskommandos, die im Katastrophenfall ihre militärischen Kräfte koordinieren, und die Soldaten des Luftumschlagszugs (LUZ) aus Laupheim schnell von A nach B kommen. Die „LUZ’er“ sind dafür da, die tonnenschweren Lasten an den Außenhaken der CH-53 zu hängen, während der braune Koloss nur wenige Meter über ihren Köpfen schwebt. 

Drei Soldaten arbeiten unter der knapp über ihnen fliegenden CH-53.

Während der tonnenschwere Hubschrauber über den Köpfen der Soldaten vom Luftumschlagszug schwebt, hängen sie die schwere Last mit ruhiger Hand in den Außenhaken ein

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Kaiserschmarrn und Spätzle dank THW und Bundeswehr 

Der Stromausfall in der Hütte auf der Oberstiegalpe war übrigens keinesfalls nur ausgedacht. Auch der regionale Energieversorger ist heute mit im Übungs-Boot und hat der Hütte pünktlich zu Übungsbeginn den Strom abgedreht. Der Wirt und die vorübergehenden Wanderer waren somit auf das zweieinhalb Tonnen schwere Aggregat des THW angewiesen. Alles lief reibungslos: Die übende Truppe konnte arbeiten und der Kaiserschmarrn in seiner Pfanne brutzeln. 

Das Hubschraubergeschwader 64 übt zusammen mit dem THW

Doch nicht nur das Technische Hilfswerk hatte Zeit und Gelegenheit zum Trainieren. Hauptmann A. ist Teil der TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe – der Gruppe für Technik, Taktik und Verfahren im Hubschraubergeschwader 64. Er konnte im Zuge der Übung eine neue Kette testen. Die acht Meter lange silberfarbene grobgliedrige Kette sieht aus einiger Entfernung aus, wie glänzend mattes Stahl – doch daraus ist sie eben nicht. Sie besteht aus einem textilen Stoff, der auf eine besondere Art gewebt wurde und daher große Lasten tragen kann. Mit einer Zugfestigkeit von 30 Tonnen hat die Kette die Reißfestigkeit eines Stahlseils bei einem Bruchteil des Gewichts. 

Leicht wie Stoff, reißfest wie Stahl 

An der neuen Kette hing das Notstromaggregat des THW und am Ende des Tages zieht Hauptmann A. sein Fazit: „Das Seil ist auf Grund seiner Beschaffenheit bestens für unsere Vorhaben geeignet. Es ist leicht, wir können es schnell und einfach verpacken und vor allem: es macht nichts kaputt. Ziehst du ein Stahlseil über den Boden eines Luftfahrzeugs können dabei erhebliche Schäden entstehen. Bei Stoff ist das nicht so. Wir können mit der Kette also nicht nur unsere Luftfahrzeuge schonen, sondern auch die üblichen Musterlasten, wie Fahrzeuge vom Typ Mungo oder Fernmeldekabinen transportieren, aber eben auch besondere Lasten, wie solch ein Notstromaggregat.“

Zwei Soldaten befestigen eine silberfarbene Textilkette an einem Notstromaggregat.

Er wiegt nur einen Bruchteil, aber er ist so reißfest wie Stahl – der besonders gewebte Stoff einer neuen Lastenkette im Hubschraubergeschwader 64

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Auch Hauptmann C., Kommandant der CH-53, sieht den Tag mehr als positiv: „Die Arbeit mit dem THW geht Hand in Hand – es ist einfach mit ihnen zusammenzuarbeiten, alles war gut vorbereitet und jeder wusste, wo sein Platz ist. Rein fliegerisch war der Tag für uns aber auch sehr besonders. Die alpinen Verhältnisse hier nah an der österreichischen Grenze, Wetterumschwünge und unzählige Berge – alles Dinge, die auch uns Piloten mehr abverlangen. Ein perfektes Training für beide Seiten.“

Eine CH-53 startet auf einer Wiese, im Hintergrund steht ein H145M vor einem bewaldeten Berg.

Wie schnell es gehen kann, dass Hilfsorganisationen auf einander angewiesen sind, hat die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands im Sommer 2021 gezeigt – umso wichtiger sind gemeinsamen Übungen, denn: stark ist man fast immer nur gemeinsam

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
von Sandra Süßmuth