Neuer Lenkflugkörper denkt mit
Die Luftwaffe testete in den USA eine neue Anti-Radar-Rakete. Sie kann ihr Ziel kurzfristig wechseln und zivile Schäden vermeiden.
Durch das Abwerfen sogenannter Chaffs können Luftfahrzeuge die Radarstellungen feindlicher Flugabwehrsysteme überlisten und das eigene Überleben sichern. Dies ermöglicht ihnen auch Einsätze tief im feindlichen Hinterland. Das wurde bei der Übung Baltic Cloud trainiert.
Waffensysteme am Boden und in der Luft aus allen Teilstreitkräften sowie multinationaler Partner nahmen an der Erprobung der Luftwaffe teil. Auch eine Korvette der Marine übte den gemeinsamen Einsatz mit der Luftwaffe.
Bundeswehr/Leon BelzEine PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-Einheit beobachtet auf ihrem Radar den Himmel über der Ostsee. Zeitgleich nähert sich ein „gegnerischer“ Eurofighter der Küste. Die Pilotin wirft Radar-Täuschmittel ab, um das Flugabwehrsystem am Boden zu verwirren – gelingt ihr der Schwindel oder trifft gleich eine Rakete ihr Flugzeug? Wie schützen sich Luftfahrzeuge überhaupt gegen diese Bedrohung?
Um Waffensystem und Besatzung auf die Abwehr von gegnerischer Flugabwehr vorzubereiten, gibt es mehrere Tests. Zunächst prüfen in einem ersten Durchlauf die Spezialistinnen und Spezialisten vom Zentrum Elektronischer Kampf Fliegende Waffensysteme, wie viel Rückstrahlung das fliegende Gerät ohne den Einsatz von Täuschkörpern auf ein Radar zurückwirft – wie gut es also für einen potenziellen Gegner auf dem Radarschirm sichtbar ist. Entscheidend ist hier die Fläche des Luftfahrzeugs. Ein großes Transportflugzeug wie die A400M mit viel Fläche ist durch ein Radar leichter zu erfassen als beispielsweise eine F-35, die durch ihre Stealth-Fähigkeit kaum Radarstrahlung zurückwirft.
Ist die Radarrückstrahlung des Luftfahrzeugs ermittelt, kann durch ein Zusammenspiel aus Täuschkörpern und taktischen Flugmanövern eingeübt werden, die Radarrückstrahlung zu verringern, sodass der Gegner das Luftfahrzeug im besten Falle nicht länger bekämpfen kann.
Täuschkörper und das Flugmanöver können sich je nach Flugabwehrsystem unterscheiden. Zur Identifizierung des Gegners verfügen die Luftfahrzeuge der Luftwaffe über eine digitale Bibliothek, die das Waffensystem anhand seiner Radarstrahlung erkennt.
Bundeswehr/Anja Zemlin
„Wir sind Teil der gelebten Abschreckung.“
Moderne Simulationssoftware ermöglicht es den Soldatinnen und Soldaten sogar, die Bedrohung von Flugabwehrsystemen zu simulieren, die nicht im Bestand der NATONorth Atlantic Treaty Organization sind. Hiervon profitieren nicht nur die Besatzungen in der Luft, sondern auch die Bediener der Waffensysteme am Boden. Auch das Personal der Patriots oder des neu in der Bundeswehr eingeführten Flugabwehrsystems IRIS-T SLMInfra-Red Imaging System–Tail/Thrust Vector-Controlled, Surface-Launched Medium Range kann die Verteidigung gegen unterschiedliche Kampflugzeuge simulieren und trainieren, wie es trotz Störmaßnahmen den Gegner aufklären und bekämpfen kann.
„Die Luftwaffe macht Tempo. Mit modernster Technik bereiten wir uns entschlossen darauf vor, dass NATONorth Atlantic Treaty Organization-Bündnis gemeinsam mit unseren Partnern im Ernstfall zu verteidigen“, so Oberstleutnant Stefan L., der die Erprobungskampagne leitet. „Der Fokus unserer Bemühungen liegt insbesondere darauf, der gegnerischen Luftabwehr entgehen zu können, um so auf einen Angriff des Gegners mit Schlägen in sein eigenes Hinterland hart zu reagieren. Was wir hier tun, leistet einen großen Beitrag zur Überlebensfähigkeit und Verbesserung der Schlagkraft unserer fliegenden Waffensysteme. Wir sind Teil der gelebten Abschreckung.“
Mithilfe von Messsystemen gewinnen die Expertinnen und Experten Daten über die Radarrückstrahlfläsche (RCS) der Luftfahrzeuge. Hieraus leiten sie das perfekte Paket an Täuschkörpern ab, welches danach unter real Bedingungen getestet wird.
Bundeswehr/Leon Belz
Von der Meeresoberfläche bis hinauf in zwölf Kilometern Höhe agierten die Luftfahrzeuge wie der Eurofighter vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“, um gegen Live-Systeme wie PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target oder gegen simulierte Flugabwehrsysteme anzutreten
Bundeswehr/Leon Belz
Außer dem Eurofighter trainierten auch weitere Luftfahrzeuge wie die Hubschrauber CH-53 der Luftwaffe oder NHNATO-Helicopter-90 der Marine den Täuschkörpereinsatz
Bundeswehr/Leon Belz
Auch neu beschafftes Gerät wie das Flugabwehrsystem IRIS-T SLMInfra-Red Imaging System–Tail/Thrust Vector-Controlled, Surface-Launched Medium Range konnte bei der Erprobung Daten zur weiteren Optimierung sammeln und sich im Einsatz beweisen
Bundeswehr/Leon BelzWer gewinnt denn nun – das PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-System an der Küste oder der anfliegende Eurofighter? „Hierauf haben beide Seiten sicherlich eine eigene Antwort. Fest steht: Eine gute Ausbildung und Training der Männer und Frauen im Cockpit beziehungsweise im Feuerleitstand der PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target haben Einfluss auf das Ergebnis“, so Oberstleutnant Stefan L.
von Kevin Geiken