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Sicherheit im Luftraum Ostsee: Recht, Regeln, Routinen der Luftwaffe

Landes- und Bündnisverteidigung

Sicherheit im Luftraum Ostsee: Recht, Regeln, Routinen der Luftwaffe

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Die Ostsee ist seit Februar 2022 wieder sicherheitspolitische Frontregion. Acht der neun Anrainer sind NATO-Mitglieder, einer nicht: Russland. Die Folge sind dichter Flugverkehr, hohe militärische Aktivität, regelmäßige Abfangeinsätze. Was im Luftraum gilt, wer ihn überwacht und wann die Alarmrotten steigen. Die wichtigsten Antworten.

Eine Landkarte des Ostseeraumes mit der 12-Meilen-Zone.

Grundsätzlich verfügt jedes Land über einen nationalen Luftraum und die Hoheit darüber. Liegt das Land am Meer, erstreckt er sich auch einige Kilometer über die Küste hinaus.

Bundeswehr/Anja Zemlin

Jeder Küstenstaat verfügt über einen nationalen Luftraum. Dieser reicht über Land und das Küstenmeer bis zur 12-Seemeilen-Grenze, also rund 22 Kilometer vor der Küste. In diesem Bereich gilt das nationale Recht des überflogenen Staates.

Die Obergrenze des nationalen Luftraums ist völkerrechtlich nicht eindeutig festgelegt. Gängige Bezugspunkte wie die Kármán-Linie bei 100 Kilometern Höhe sind technische, keine rechtlichen Definitionen.

Über internationalen Gewässern gilt die Freiheit des Überflugs nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. Militärische wie zivile Luftfahrzeuge dürfen sich dort grundsätzlich frei bewegen, gebunden an die einschlägigen Verfahren der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO).

Chicagoer Abkommen und ICAO

Das Chicagoer Abkommen von 1944 ist das Fundament des modernen Luftverkehrsrechts. Es führte zur Gründung der ICAO und legt bis heute die Grundprinzipien fest: Flugplanung, Kommunikation, Navigation, Sicherheit. Wer den internationalen Luftraum nutzt, hält sich an dieses Regelwerk.

Wer überwacht den Luftraum über der Ostsee?

Den zivilen Verkehr koordinieren die zuständigen Fluginformationsgebiete (FIR) der Anrainerstaaten. Die militärische Überwachung organisiert die NATO im Verbund.

Acht der neun Ostseeanrainer sind NATO-Mitglieder: Deutschland, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Polen, dazu seit 2023 Finnland und seit 2024 Schweden. Russland bleibt der einzige nicht-alliierte Anrainerstaat. Die russische Exklave Kaliningrad mit ihrer hohen Konzentration an Streitkräften und bodengebundener Luftverteidigung verschärft die strategische Lage zusätzlich.

Was ist Baltic Air Policing?

Seit 2004 stellt die NATO mit Baltic Air Policing (BAP) den Schutz des Luftraums über Estland, Lettland und Litauen sicher. Die drei baltischen Staaten unterhalten keine eigenen Kampfflugzeuge. Bündnispartner übernehmen die Aufgabe rotierend, von den Stützpunkten Šiauliai in Litauen und Ämari in Estland aus.

Deutschland gehört zu den regelmäßigen Beitragsleistenden. Eurofighter der Luftwaffe verlegen turnusmäßig ins Baltikum, mal als Lead Nation, mal als verstärkender Partner. Im eigenen Hoheitsgebiet stellt die Luftwaffe rund um die Uhr Alarmrotten, die Quick Reaction Alert (QRA), aus Wittmund und Neuburg.

Warum sind Abfangaktionen notwendig?

Russland führt regelmäßig militärische Flüge im internationalen Luftraum durch. Manche Bewegungen erfolgen ohne aktiven Transponder, ohne Flugplan, ohne Funkkontakt zur zivilen Flugsicherung. Solche Flüge sind völkerrechtlich nicht zu beanstanden. Operativ und politisch sind sie hochsensibel.

Bleibt ein unbekannter Kontakt unidentifiziert oder reagiert nicht auf Anrufe, startet die zuständige QRA. Die Aufgabe der Alarmrotte: das Luftfahrzeug visuell identifizieren, sein Verhalten beobachten, es gegebenenfalls eskortieren oder zur Umkehr bewegen. Das geschieht nach festen, international etablierten Verfahren.

Darüber hinaus begleiten Abfangjäger auch zivile oder militärische Maschinen in Notlagen, etwa bei technischen Problemen oder im Verdacht einer Entführung.

Wie läuft eine Abfangaktion ab?

Drei typische Szenarien.

Identifikation unbekannter Flugzeuge. Ein Luftfahrzeug erscheint auf dem Radar, antwortet nicht auf Funkanrufe, hat keinen Flugplan abgegeben. Die Alarmrotte steigt auf, identifiziert visuell, meldet zurück.

Provokative Manöver. Russische Maschinen fliegen mit ausgeschalteten Transpondern dicht an den Luftraum der Bündnisstaaten heran. Was rechtlich zulässig ist, ist politisch und militärisch brisant. Russland prüft auf diese Weise Reaktionszeiten, Verfahren und die Belastbarkeit der NATO-Luftstreitkräfte.

Sicherheit für den zivilen Verkehr. Nicht angemeldete Flugbewegungen sind eine reale Gefahr für die dichte zivile Luftfahrt über der Ostsee. Abfangeinsätze tragen dazu bei, internationale Regeln durchzusetzen und Risiken einzudämmen.

Wie häufig sind solche Einsätze?

Häufig. Und meist Routine. NATO-Luftstreitkräfte reagieren regelmäßig auf russische Flugbewegungen, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt. Beide Seiten halten sich an etablierte Protokolle. Eskalationen sind die Ausnahme. Und beide Seiten haben ein Interesse daran, dass das so bleibt.

von Thomas Skiba

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