Luftwaffe
Exkurs

„Unvergessliche 100 Tage“ – die Luftwaffe in Down Under

„Unvergessliche 100 Tage“ – die Luftwaffe in Down Under

Datum:
Ort:
Darwin
Lesedauer:
4 MIN

Zum ersten Mal verlegt die Luftwaffe innerhalb von nur 24 Stunden mit Kampfjets in den Indo-Pazifik, dennoch ist es nicht die erste Begegnung der Luftwaffe mit der Region.

Auf einem grünen Flugzeug ist ein Bild von einem Känguru gemalt, dass eine verletzte Maus in seinem Beutel transportiert

MedEvacMedical Evacuation Logo mit der Aufschrift „Dili Flyer- German Airforce“ und einem Känguru mit einem Verletzten im Beutel. Das MedEvacMedical Evacuation-Team hat Verletzte und Verwundete von Dili nach Darwin transportiert.

Die Luftwaffe präsentiert derzeit mit Rapid Pacific 2022 ihre größte Stärke, die Fähigkeit große Distanzen in kürzester Zeit zu überwinden. Innerhalb von nur 24 Stunden hat die Luftwaffe mit Kampfjets den Indo-Pazifik überquert. Das gab es bisher noch nie!

Doch die Luftverlegung nach Singapur mit Weiterflug nach Australien und der Beteiligung an gleich zwei internationalen Übungen (Pitch Black und Kakadu) sowie die Besuche in Japan und Südkorea sind nicht die erste Berührung der Luftwaffe mit der Region. Vor über zwanzig Jahren hat die Luftwaffe schonmal eine Verlegung in den Indo-Pazifik durchgeführt. Ziel: Osttimor, heute die Demokratische Republik Timor-Leste. Die südostasiatische Insel Timor ist geteilt, der Westen der Insel gehört zu Indonesien. Damals dauerte die Verlegung nur deutlich länger.

Ein grünes Flugzeug mit Rotem Kreuz drauf auf einem Flugfeld, hinten an der Laderampe steht ein Rettungswagen

Auf dem Flugfeld in Darwin bei der Patientenübergabe

Dirk Niedermeier

MedEvacMedical Evacuation Einsatz in Osttimor

Osttimor war seit 1975 durch Indonesien besetzt und später als 27. Provinz Indonesiens annektiert worden. Nach einem Unabhängigkeitsreferendum am 7. August 1999, kam es zu Unruhen im Land. Bereits im September 1999 beschloss der UNUnited Nations-Sicherheitsrat eine internationale bewaffnete Friedenstruppe (International Forces East-Timor, INTERFET) in das Gebiet zu entsenden, unter der Führung Australiens. Auch die deutsche Luftwaffe beteiligte sich an dem Einsatz von Oktober 1999 bis Februar 2000, mit 74 Soldaten. Die Luftwaffe war mit zwei MedEvacMedical Evacuation C-160 Transall für den Kranken- und Verwundetentransport aus Dili (Osttimor) ins nordaustralische Darwin zuständig. Dort wurden die Patienten an die Sanitätseinrichtung der Royal Australian Air Force übergeben, intensivpflichtige Patienten übergab das MedEvacMedical Evacuation-Team direkt an die Intensivstation des Royal Darwin Hospital (RDH). Darwin ist Australiens Tor nach Südostasien. Die Hauptstadt des „Northern Territory“ ist durch subtropisches Klima geprägt, von November bis März ist „wet season“, heftige Gewitter, monsunartiger Regen und Zyklone stehen dann an der Tagesordnung.

Auf ein grünes Flugzeug wird ein rotes Kreuz auf weißem Grund gemalt

Das MedEvacMedical Evacuation-Transportflugzeug wird einem Roten Kreuz kenntlich gemacht

Dirk Niedermeier

Die Überraschung

Der Bundestagsbeschluss kam am 7. Oktober 1999 für die Soldaten des Lufttransportgeschwader 63 unerwartet, „wir ahnten gar nicht, dass wir dahin müssen“, erinnert sich Oberst Dirk Niedermeier. Er war damals frischgebackener Hauptmann und neu zu versetzt. Er verlegte direkt mit in den Einsatz als Technischer Offizier. „Unsere Maschinen sind zwei Tage später losgeflogen und wir selbst sind dann fünf Tage später losgeflogen. Damit die Maschinen da runterkamen, brauchten knapp sechs Tage. Die Transall hatten keine so große Reichweite, so dass sie mehrere Zwischenlandungen machen mussten“, erinnert sich der Oberst. Während des Einsatzzeitraums flog die Luftwaffe mit dem MedEvacMedical Evacuation-Team 47 Evakuierungseinsätze. Dabei wurden 230 Patienten aus 13 Nationen versorgt und transportiert.

„Australien – da fliegen andere hin, um Urlaub zu machen. Wir hingegen sollten den Menschen in Osttimor helfen – das war unser Auftrag und den haben wir erfüllt“, berichtet stolz der damalige Lufttransportfeldwebel Michael Mieruch. Sie alle hätten viel Lob und Dank erhalten für den hervorragenden Einsatz. Doch auch der Dank an die Familien darf nicht zu kurz kommen, wenn Soldatinnen und Soldaten in den Einsatz verlegen meint der Stabsfeldwebel a.D.. Mit seinen insgesamt über 700 Einsatztagen weiß er „zu Hause musste das Leben weitergehen – auch ohne mich: Job, Kind, Haushalt und das ganze Drumherum“. So ist ein jeder Einsatz nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten eine Herausforderung, sondern auch für deren Familien. 

Ein Soldat, in grüner kurzer Hose und grünem T-Shirt, lehnt sich an einem Gabelstapler an und lächelt

Der Technische Offizier, lässig angelehnt am Gabelstapler in Darwin am Flugfeld. Die „Uniform“ wurde an die Witterungsbedingungen angepasst.

Lars König
Ein Soldat, mit Sonnenbrille, in grüner kurzer Hose und grünem T-Shirt, sitzt in einem Gabelstapler

In kurzen Hosen und mit Sonnenbrille, nur so ließ sich die Hitze ertragen

Michael Mieruch

Ein unvergesslicher Einsatz

Der Einsatz war sicherlich für einen jeden Soldaten etwas besonders: Das erste Mal so weit weg, fernab von der Heimat eingesetzt. Die Zeitverschiebung, die klimatischen Bedingungen und die Tier- und Pflanzenwelt am anderen Ende der Welt haben ganz eigene Herausforderungen mit sich gebracht. Die verschiedenen Eindrücke aus dem Einsatzgebiet und die internationale Zusammenarbeit mit den anderen beteiligten Nationen waren für viele Soldaten prägend. Doch für einen war die Zeit dort grade zu schicksalshaft: Oberleutnant Lars König. Als dieser damals als junger Feldwebel sehr kurzfristig in den Einsatz verlegte, um einen Kameraden abzulösen, da dessen Frau schwanger war, wusste der Triebwerkmechaniker nicht, was ihn dort geschähen würde. Auf die Frage, ob er etwas Prägendes aus dem Einsatz mitgenommen habe, antwortete der Oberleutnant, mit leuchtenden Augen: „Ich persönlich bekomme ein bisschen Gänsehaut bei der Frage. Ich habe meine Frau dort kennengelernt.“ Seine spätere Ehefrau, Gabriele König, war mit einer Freundin auf Australien-Tour und grade in Darwin, als das Deutsche Einsatzkontingent dort war. Für Oberleutnant Lars König waren es „100 unvergessliche Tage“ in Darwin.

Wir dürfen also gespannt sein, welche besonderen Ereignisse und Erlebnisse unsere Kameraden jetzt aus den Tagen in Down Under mitbringen werden.

Ein Brautpaar steht in der Kirche vor dem Altar

In Australien, fern ab von der Heimat, haben sich zwei Deutsche kennen und lieben gelernt.

Lars König
von Hülya Süzen

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