Luftwaffe

Veli Diker – muslimischer Offizier im Gelobten Land

Veli Diker – muslimischer Offizier im Gelobten Land

Datum:
Ort:
Israel
Lesedauer:
4 MIN

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Leutnant Veli Diker ist der erst zweite deutsche Soldat, der in Israel stationiert ist. Der 43-jährige Muslim ist nicht nur Einsatzoffizier des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ am Waffensystem GERMAN HERON TP, sondern auch „interkultureller Botschafter“ in Israel.

Eine Person schaut in die Kamera

Leutnant Veli Diker ist als zweiter deutscher Soldat dauerhaft in Israel stationiert

Bundeswehr/Falk Bärwald

Unbarmherzig strahlt die Oktobersonne hoch am wolkenlosen Himmel. Vereinzelte Sträucher bedecken die sandigen Hügel. Das Wüstenambiente mit einer Temperatur von weit über 30 Grad Celsius gehört heute zu Leutnant Veli Dikers Alltag. Die israelische Luftwaffenbasis Tel Nof ist seit Anfang des Jahres sein Dienstort. Als Teil des Unterstützungselementes GERMAN HERON TP des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ ist er neben den Angehörigen des deutschen Militärattachéstabes (sind Teil des Auswärtigen Amtes) erst der zweite deutsche Soldat, der seine Zelte dauerhaft in Israel aufgeschlagen hat.

Doch nicht nur das macht den 43-jährigen Offizier besonders. Erst im Alter von 23 Jahren erlangte er die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Hauptgrund dafür war sein Berufswunsch. Der junge Veli Diker wollte Karriere bei der Bundeswehr machen, wofür er die türkische Staatsangehörigkeit nach langem Überlegen abgab.

„Ich habe während meiner Schulphase ein Faible für Sprachen entwickelt. Erst wollte ich mein Glück damit in der Tourismusbranche versuchen. Aber mein werter Vater riet mir, meine berufliche Zukunft weitsichtiger zu betrachten und so fasste ich den Wunsch, zur Bundeswehr zu gehen“, erzählt Diker.

Veli Dikers Weg zum Glauben

Besonders sein Vater und seine Tante bezeichnet der gläubige Muslim als seine Mentoren. Gerade im Umgang mit seiner Religion spielten die beiden eine prägende Rolle. Anders als viele seiner damaligen Wegbegleiter wurde Veli Diker nicht streng gläubig erzogen. Heute ist er dafür sehr dankbar. Denn er sieht in seiner Religion, die er auch nach seinen Maßstäben praktiziert, eine Bereicherung seines Lebens. Für ihn habe niemand das Recht, einem anderen ein bestimmtes Verhalten zu diktieren. „Glaube kann nicht aufgedrängt werden, jeder muss selbst und aus freien Stücken zu seinem Glauben finden. Das zählt für alle Konfessionen“, meint Diker.

Zielstrebigkeit und Fleiß führten zum Erfolg

Seine Grundausbildung startete der frisch eingebürgerte Veli Diker im niederländischen Budel. Damit begann seine Karriere bei der Luftwaffe, deren Leiter er immer weiter mit einer Mischung aus Fleiß und Ehrgeiz hinaufkletterte. Als 2010 mit dem Waffensystem HERON 1 die Ära der unbemannten Luftfahrt in der Luftwaffe begann, zögerte der damalige Oberfeldwebel nicht lange und bewarb sich als sogenannter „Tactical Operator“ – also als jemand, der beim HERON1 unter anderem für die Steuerung der Sensorik zuständig ist. Mit Abschluss einer weiteren Ausbildung zum Luftbildauswerter wurden alle Hürden eingerissen und Veli Diker erreichte den Status des Berufssoldaten. „Dafür habe ich hart gearbeitet aber ich versuche immer, dass mir Höchstmögliche zu erreichen“, sagt Diker und bewarb sich folgerichtig erfolgreich für die Übernahme in die Laufbahn der Offiziere.

Eine Person sitzt auf einem Stuhl und schaut in die Kamera

Veli Diker ist ausgebildeter Tactical Operator am Waffensystem HERON 1 und auf das Waffensystem HERON TP umgeschult. Jetzt ist er als Einsatzoffizier in Tel Nof eingesetzt. Diker ist auch zuständig für die Koordination der HERON-TP-Ausbildung mit …

Bundeswehr/Falk Bärwald

Zu zweit im Gelobten Land

Leutnant Veli Diker hat sich permanent weitergebildet und sich auf eigene Initiative auf den freien Dienstposten in Israel beworben. „Ich habe Oberstleutnant H. angerufen und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, mein Chef zu sein“, erinnert sich Diker. Sein heutiger Chef bereut seine Entscheidung nicht. „Ich war weit über ein Jahr hier alleine hier in Tel Nof. Leutnant Diker hält mir jetzt den Rücken frei. Ich muss mich hauptsächlich um administrative Angelegenheiten kümmern. Besonders Dinge wie zum Beispiel einen rechtlichen Status für die in Tel Nof stationierten deutschen Soldaten zu bekommen, Infrastruktur und Logistik beschäftigen mich derzeit. Ausbildungsadministration, Qualitätssicherung der Ausbildung und Durchführung von Flugbetrieb sind die originären Aufgabe des Unterstützungselementes und müssen natürlich trotzdem weitergehen. Dies koordiniert Leutnant Diker“, sagt der zufriedene Oberstleutnant H.

Zwei Personen schauen in die Kamera

Gemeinsam mit seinem Vorgesetzten, Oberstleutnant H., ist Leutnant Veli Diker in Israel fest stationiert

Bundeswehr/Falk Bärwald

Veli Diker ist bereits auf das Waffensystem ISRAELI HERON-TP-System geschult und in Kürze steht das Training auf die deutsche Version GERMAN HERON TP an. Als Einsatzoffizier koordiniert er in Israel unter anderem die Ausbildung und sorgt in Zusammenarbeit mit den israelischen Freunden für eine Qualität, die den deutschen militärischen aber auch zivilen Luftfahrtstandards entspricht.

Angst hätte er nicht gehabt, als muslimischer Soldat im weitestgehend jüdischen Israel dauerhaft stationiert zu sein. „Angst als Muslim in Israel? Lampenfieber trifft es besser. Es kommt immer darauf an, wie man sich den Mitmenschen gibt. Ich bin sehr kommunikativ und hatte bisher nie Probleme, mich in anderen Umgebungen schnell einzufinden“, so der Leutnant. Das unterstreichen seine israelischen Kameraden, zu denen Diker im Dienst ein freundschaftliches Verhältnis pflegt.

Zwei Personen unterhalten sich

Zu Leutnant Dikers Aufgaben gehört auch der ständige persönliche Kontakt zu seinen israelischen Kameraden.

Bundeswehr/Falk Bärwald

Philosoph aus Leidenschaft

Veli Diker versteht sich als interkultureller Botschafter. „Ich persönlich versuche, in die philosophischen Tiefen – ungeachtet von Religion oder Zugehörigkeit-, einzudringen. Nur dann kann der Mensch im Einklang mit der individuellen Reflexion, grundverschiedene ethische Werte und Normen abschließend reflektieren“, philosophiert Leutnant Diker, der sich in seiner Freizeit neben Sport und Politik insbesondere mit Poesie und Philosophie beschäftigt und auch an einem eigenen Buch arbeitet.

Leutnant Veli Diker geht in Israel einen besonderen Weg. Als Einsatzoffizier und Tactical Operator des Waffensystems HERON TP und als muslimischer Soldat im jüdischen geprägten Staat Israel.

von Stephan Jeglinski

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

verwandte Inhalte