Luftwaffe

Wächter der Eurofighter

Wächter der Eurofighter

  • Arctic Challenge
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Rovaniemi
Lesedauer:
5 MIN

In Rovaniemi sind sie morgens die Ersten auf dem Flugfeld und abends oft die Letzten: Die Wartungs-Crews vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“. Sie sind hier verantwortlich für die zehn deutschen Eurofighter bei der multinationalen Übung Arctic Challenge 2021.

Ein Soldat geht auf einen Eurofighter zu, dessen Canopy geöffnet ist.

Für diesen Eurofighter sind die Hauptfeldwebel S. und B in Rovaniemi verantwortlich. Ihr Verantwortungsbereich ist 15,96 Meter lang, 5,28 Meter hoch, hat eine Spannweite von 10,95 Meter und ein Leergewicht von elf Tonnen.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Morgens um halb acht ist es noch ruhig auf dem Flugfeld in Rovaniemi. Aufgereiht stehen die Eurofighter und warten auf ihren Einsatz. Hauptfeldwebel S. und Hauptfeldwebel B. sind die Wartungs-Crew für die Maschine mit der Kennung 31+39 und auf dem Weg zu „ihrem“ Jet. Der 27-jährige S. hat heute als Crew Chief die Flugplanung für den Tag dabei und den Stick, der alle wesentlichen Daten für den Eurofighter und seinen Flugauftrag enthält.

„Wir sind komplett verantwortlich für unsere Maschine“, sagt er. „Denn wir bestätigen mit unserer Unterschrift im Bordbuch, dass die Maschine einsatzklar ist und übergeben sie an den Piloten.“

Vor einem Eurofighter begrüßen sich zwei Soldaten.

Wenn die Wartungs-Crew die Maschine einsatzklar gemeldet hat, wird sie an den Piloten übergeben. Seinen Helm bringt er in der Tasche mit.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Zwei Warte für jeden Eurofighter

Bei Arctic Challenge 2021 ist für jeden der zehn Eurofighter eine Wartungs-Crew dabei, die jeweils aus einem ersten Wart, dem Crew Chief, und einem zweiten Wart besteht. Für Hauptfeldwebel S. ist das hier eine andere Arbeit als beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ in Nörvenich, wo er als Ausbilder zuständig für die Zertifizierung der Wartungsmechaniker im Bereich Anbau von Außenlasten und Waffen ist. Der gebürtige Saarländer hat sich nach Abschluss seiner Ausbildung zum Feinwerkmechaniker Fachrichtung Maschinenbau bei der Bundeswehr-Ausbildungswerkstatt in St. Wendel 2014 für die Bundeswehr entschieden. Seitdem ist er in Nörvenich und war bis Ende 2020 im „1. Wartungszug“. In Rovaniemi ist er wieder als Wartungsmechaniker dabei, um weiter Erfahrungen mit dem Luftfahrzeug bei Verlegungen und Übungen im Ausland zu sammeln.

Ein Soldat in Seitenansicht vor einem Eurofighter

Hauptfeldwebel S. vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ ist gerne bei Übungen. Vor Arctic Challenge 2021 hier in Rovaniemi war er auch schon in den USAUnited States of America, Spanien und den Niederlanden dabei.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Geprüft vom Lack bis zum Fahrwerk

Bis der Pilot aufs Flugfeld kommt, bereitet die Wartungs-Crew den Eurofighter so vor, dass die Flugmission an diesem Vormittag planmäßig laufen kann. „Die Vorfluginspektion ist immer das erste, was wir machen“, erklärt S. „Dabei überprüfen wir alle Systeme optisch und durch Tests, von der Hydraulik über die Triebwerke bis zum Fahrwerk und den Bremsen.“ Auch Rumpf und Cockpit werden in Augenschein genommen und der Lufteinlass auf Fremdkörper untersucht. Während dieser Inspektion entfernen die beiden Hauptfeldwebel alle Abdeckungen vom Jet und aufgetankt wird er natürlich auch.

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Ein Soldat steht am Triebwerk eines Eurofighters.

Während der Wart auf der Air Base in Rovaniemi das Triebwerks „seines“ Eurofighters kontrolliert, rollt im Hintergrund eine finnische F-18 Hornet zur Startbahn

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein gelb-schwarz geringelter Tankschlauch führt zum Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschader 31 „Boelcke“.

Vier Liter Kerosin pro Sekunde gehen bei der Betankung eines Eurofighters durch den Schlauch. Ein normaler Pkw wäre bei dem Tempo in etwa zwölf Sekunden vollgetankt.

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein Mann in einem weißen Schutzanzug schwingt sich in den Lufteinlass eines Eurofighters.

Der Lufteinlass wird im Schutzanzug und ohne Schuhe zu tragen kontrolliert. Dabei prüft der Wart gleichzeitig die erste Verdichterstufe des Triebwerks auf Schäden.

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein Soldat kniet an einem Fahrwerk und leuchtet mit der Taschenlampe.

Auch bei der Fahrwerkkontrolle schaut Hauptfeldwebel S. genau hin, unter anderem mit Hilfe einer Taschenlampe

Bundeswehr/Jane Schmidt

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„Die Maschine ist flugklar“


Ist die erste Kontrolle abgeschlossen, ohne dass das Team Beschädigungen oder Fehler festgestellt hat, wird die Maschine „gepowert“, das heißt, es wird Wechselstrom angelegt, um den sogenannten Configurations-Check zu machen. Dabei werden im Eurofighter Informationen zu Außenlasten gespeichert, die mitgeführt und kontrolliert werden müssen. Nach der Eingabe checkt der zweite Wart oben im Cockpit, ob die eingegebenen Verbindungen alle funktionieren. „Danach geben wir die aktuellen Koordinaten in den Bordcomputer ein und laden die Karte“, erklärt Hauptfeldwebel S. „Damit ist die Vorfluginspektion abgeschlossen und wir melden die Maschine flugklar.“ Abschließend werden alle Arbeiten digital dokumentiert.

Vor einem Eurofighter mit geöffnetem Cockpitdach steht ein Generator. Ein Kabel führt zum Eurofighter.

Mit dem Generator wird der Eurofighter „gepowert“, also mit Strom versorgt, um die weiteren Flugvorbereitungen machen zu können. Das Cockpitdach wird mit einer Strebe gesichert.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Bei der anschließenden sogenannten „See-off-preparation“ werden die ersten Sicherheitseinrichtungen entfernt, beispielsweise die Fanghaken- und die Bremsschirmsicherung, die Kabinendachstrebe und der Sicherungsstift für die Kabinendachabsprenganlage.

Ein Soldat putzt die Frontscheibe eines Eurofighters.

Bevor die Kabinendachstrebe entfernt wird, ist noch Zeit, dem Piloten einen guten „Durchblick“ zu verschaffen

Bundeswehr/Jane Schmidt
Eine behandschuhte Hand zieht am Eurofighter neben einem Triebwerk einen Sicherungsstift aus der Öse.

Jeder Sicherungsstift hat einen langen roten Anhänger auf dem „Remove before flight“ steht, auch wenn er hier nicht zu sehen ist. Der Wart entfernt gerade den Sicherungsstift an der Klappe des Bremsschirms.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Ab jetzt wird es laut

Auch der Pilot macht, bevor er seinen Helm aufsetzt und ins Cockpit steigt, noch einen kurzen „Walk around“ um seine Maschine. Dann wird es langsam laut. Er fährt erst das Hilfstriebwerk hoch, dann schließt er das Canopy, die Cockpithaube. Mit der Luft des Hilfstriebwerks werden die Triebwerke angelassen. Es folgt das sogenannte „Nogo-handling“. „Das ist in dieser Phase unser Kernauftrag“, so Hauptfeldwebel S. „Dabei gleichen wir die Fehlermeldungen, die der Pilot erhält, mit unseren ab und haben noch die Möglichkeit, einzelne Systeme neu zu starten.“ Ist alles okay, entfernen die Warte das Erdungskabel und der Pilot fährt die Steuerflächen in Flugposition. „Beim anschließenden Rundgang schließen wir alle Sicherungsklappen und prüfen, ob es Leckagen gibt“, erklärt S., „denn einige werden erst sichtbar, wenn die Triebwerke hochgefahren sind.“

Die Hauptfeldwebel entfernen die letzten Sicherungsstifte am Fahrwerk und an der Waffenanlage. Wenn der Pilot dem Crew Chief signalisiert, dass er auf der Bremse steht, entfernt der zweite Wart die Bremsklötze. Erteilt der Tower die Starterlaubnis, gibt der Pilot das per Handzeichen an die Wartungs-Crew weiter und diese leitet die Maschine aus der Parkposition auf den Taxiway. Im Fachjargon heißt das: Die Maschine „rausmarshallen“. Danach bereiten die Warte die nächsten Arbeiten vor, bis „ihr“ Jet nach dem Flug im Übungsraum zwischen Norwegen, Schweden und Finnland wieder gelandet ist.

Ein Soldat steht neben einem Eurofighter und grüßt.

Wenn der Pilot mit seiner Maschine die Parkposition verlässt und zum Start rollt, verabschiedet die Wartungs-Crew ihn mit einem militärischen Gruß

Bundeswehr/Jane Schmidt

Einweisen, erden, Fehler lokalisieren

Er wird mit den international üblichen Handzeichen wieder auf seine Parkposition eingewiesen. „Steht der Eurofighter, kontrollieren wir die Reifen, legen die Bremsklötze und erden ihn“, sagt Hauptfeldwebel S. „Erst danach stellen wir die Funkverbindung mit dem Piloten her und sprechen mit ihm die Fehlerbilder ab, die er durchgibt. Wir versuchen, die Fehler zu lokalisieren. In dieser Zeit sichert der zweite Wart schon das Fahrwerk die Waffenanlage.“ Ist das alles erledigt und die Bremsen sind kalt, werden die Triebwerke heruntergefahren. Der Datenstick geht zur Auswertung. Bevor der Pilot aussteigen kann, streichen die Warte das Canopy mit einem Erdungsbesen ab, da es sich bei den Flügen statisch stark aufladen kann.

Ein Soldat weist einen Eurofighter in seine Parkposition ein.

Erst mal immer geradeaus: Die internationalen Handzeichen zwischen Pilot und „Marshaller“, also dem Einweiser, gelten auch in der zivilen Luftfahrt.

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein Wart streicht mit dem sogenannten Erdungsbesen über das Cockpit.

Das Erdungskabel allein reicht nicht für einen sicheren Ausstieg. Das Canopy wird zusätzlich mit dem Erdungsbesen abgestrichen.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Freude an der Verantwortung

Während der Pilot in die Nachbesprechung, das Debriefing, geht, macht die Wartungs-Crew am Eurofighter die Zwischen- oder Nachfluginspektion. „Im Grunde ist es ähnlich wie vor dem Flug und aufeinander aufbauend„, erklärt Hauptfeldwebel S. Ihm macht seine verantwortungsvolle Arbeit Freude und er ist gerne auf Übungen dabei. „Hier gibt es einen starken Zusammenhalt und jeden Tag ein Übungsziel, das erreicht werden soll.“ Da macht es ihm auch nichts aus, dass die Arbeitstage länger sind als daheim in Nörvenich. Denn wenn es, wie jetzt bei Arctic Challenge 2021, pro Tag zwei Flugrunden gibt, sind die Warte erst gegen 21 Uhr mit ihrer Arbeit fertig. Für die Nacht decken sie als letztes bei ihrem Eurofighter den Lufteinlass ab. Doch egal wie spät sie Feierabend machen, dunkel wird es nicht. Denn im Juni sinkt die Sonne hier am Polarkreis in Finnland kaum unter den Horizont.

von Stefanie Pfingsten

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