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Interview: „Miteinander sprechen wir nur Deutsch“

Interview: „Miteinander sprechen wir nur Deutsch“

  • Kooperation
  • Marine
Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
5 MIN

Im zweiten Teil ihres Interviews erklären Fregattenkapitän Manzanares und Korvettenkapitän Maulana die Rolle des Soldaten in Mexiko und in Indonesien – und wie wichtig der Zusammenhalt mit Gesellschaft und Familie für sie ist.

Ein indonesischer und ein mexikanischer Marineoffizier befinden sich auf einem Kriegsschiff und blicken in die Kamera.

„Meine Frau hat die Hosen an“, so Manzanares

Bundeswehr/Marcus Mohr

„In einem Inselstaat spielt die Marine einfach eine größere Rolle“

Welche Rolle hat die Marine bei Ihnen im Vergleich zu anderen Teilstreitkräften?

Antonio Manzanares: In Mexiko haben alle Streitkräfte den gleichen hohen Status. Die Marine natürlich mehr außerhalb des Landes, Heer und Luftwaffe mehr im Inneren des Landes.

Agung Maulana: Auch einen sehr hohen Status, vor allem, weil die Marine geholfen hat, das Land unabhängig zu machen. Und weil Indonesien aus über 17.500 Inseln besteht, spielt die Marine einfach eine größere Rolle in Bezug auf die Sicherheit.

Herr Kap‘tän Agung, gibt es in Indonesien auch Probleme mit Schmuggel? Wie groß ist die Gefahr durch Piraten in der Region?

Maulana: Schmuggel ist das Hauptproblem für unsere Marine und Regierung. Wir haben zurzeit relativ wenig Schiffe für diese Aufgabe, deshalb arbeiten wir mit der Küstenwache und der Polizei eng zusammen. Wir sind allerdings mit dem Begriff „Piraten“ nicht einverstanden. Wir sprechen von Seeräubern, weil wir ein Inselstaat sind. Piraten gibt es nur auf hoher See.

Vor 2010 war die „Piraterie“ sehr hoch, dies belegt auch eine Auswertung der International Maritime Organisation. Mittlerweile konnten wir da entgegen wirken.

Sie waren aber auch schon vor der Küste Somalias im internationalen Einsatz gegen Piraterie. Im Vergleich dazu: Wie wichtig ist der Schutz an Engpässen des Welthandels wie in der Straße von Malakka?

Maulana: Der ist natürlich sehr wichtig. An der Küste Sumatras mitten in der Meerenge haben wir einen Marinestützpunkt. Von dort setzen wir bei Notrufen eine „Quick reaction force“ ein.

„Alles Weitere wird die Zukunft zeigen.“

Ein weißes Segelschulschiff befindet sich in See.

Das indonesiche Segelschulschiff „Dewaruci“

Concord/CC BY-SA 3.0

Und auf der anderen Seite des Pazifiks? Herr Kap‘tän Manzanares, welche Rolle hat die mexikanische Marine im „Krieg gegen die Drogen“?

Manzanares: Zunächst einmal: Durch die Globalisierung sind praktisch alle Länder vom Drogenproblem betroffen. Die Nachfrage ist meiner Meinung nach noch zu groß: Der Markt möchte viele Drogen konsumieren. Es gibt keine Lösung in kurzer Zeit.

Wir nehmen das äußerst ernst und engagieren uns in allen Bereichen dagegen. Unser Ziel als Marine ist es, die Sicherheit zu verbessern. In der mexikanischen Verfassung ist festgehalten, dass die Streitkräfte die innere Sicherheit unterstützen. Sie arbeiten als eine Art Bundespolizei im Landesinnern aber eben auch in See. Alles Weitere wird die Zukunft zeigen.

Wie ist die gesellschaftliche Position als Soldat in Ihrem Land?

Manzanares: Mexikos Gesellschaft ist sehr stolz auf die eigenen Soldaten, weil sie viele Aufgaben auch für die innere Sicherheit übernehmen.

Maulana: Auch bei uns haben Uniformen ein gutes Ansehen. Die Streitkräfte haben für die Unabhängigkeit Indonesiens gekämpft. Als der Aufstand gegen die holländischen Kolonialherren begann, mussten die Guerillagruppen auf den verschiedenen Inseln eng zusammenarbeiten, um Erfolg zu haben. So entstand unsere Marine: Sie wurde gleich am Anfang der nationalen Revolution gegründet.

Und welche Meinung hat Ihre Familie zum Militär?

Maulana: Meine Frau und meine Kinder unterstützen mich vollkommen in meinen Beruf, auch meine Eltern und Schwiegereltern. Sie meinen immer zu mir: Du kannst machen was du willst, Hauptsache, du bist zufrieden mit deinem Leben.

Manzanares: Meine ganze Familie weiß, dass der Soldatenberuf nicht einfach ist. Er ist anspruchsvoll, und meine Familie unterstützt mich auch voll. Viele Menschen in Mexiko wünschen sich Soldat zu werden, aber es gibt ein schwieriges Auswahlverfahren, das nur wenige bestehen. Deshalb ist meine Familie sehr stolz auf mich.

Auf der anderen Seite unterstützen die mexikanischen Streitkräfte die Soldatenfamilien, indem sie Wohnungen und Häuser mieten. Hätte ich nicht schon ein Apartment gekauft, würden wir in einem geförderten Haus leben können.

Wie vereinbaren Sie Familie und Beruf?

Manzanares: Erstmal: Meine Frau ist ein Dienstgrad höher als ich – sie ist Kapitän zur See – und hat die Hosen an. (lacht) Das Wichtigste für uns sind Gesundheit, Bildung und dass unsere ganze Familie immer einen gemeinsamen Bezugspunkt hat.

Maulana: In Indonesien ist es üblich, dass der Mann die Kinder erzieht. Deshalb muss ich als Marinesoldat mich mit meiner Frau gut abstimmen, wie wir unsere Kinder erziehen. Wir haben zum Beispiel eine Vereinbarung, dass die Kinder so wenig wie möglich am Fernseher sitzen und noch keine eigenen Handys bekommen. Wir sprechen als Familie über die Schule und die einzelnen Probleme, die jeden beschäftigen.

„Ein Segelschulschiff ist wie ein Attaché auf See“

Ein mexikanisches Segelschulschiff befindet sich in See.

Das mexikanische Segelschulschiff „Cuauhtémoc“

Jose Luis Cernadas Iglesias/CC BY 2.0

Zurück zur Seefahrt: Warum hat Ihre Marine ein Segelschulschiff?

Manzanares: Uns ist es wichtig, gute Beziehungen zu anderen Ländern aufzubauen – und sie mexikanische Kultur kennenlernen zu lassen, wie unser Essen oder unsere Musik. Unserer Meinung nach ist der beste Weg, das über ein Segelschulschiff zu tun. Es ist wie ein Attaché auf See.

Auch die Ausbildung der Kadetten in der Navigation ist sehr wichtig. Ich habe selber schon sieben Fahrten auf unserem Segelschulschiff „Cuauhtémoc“ hinter mir.

Maulana: Ja, die Kadetten sollen eine gute Ausbildung haben, wie es traditionell in der Marine zuging. Navigation, Seemannschaft und so weiter. Als Marine sind wir Diplomaten, Polizisten auf See und arbeiten für die Verteidigung. Besonders aber unser Schulschiff soll die Freundschaft zu anderen Ländern aufbauen. Wir stellen unsere Kultur vor, damit wir einen guten Eindruck hinterlassen.

Kennen Mexikaner und Indonesier auch einen „Seemannssonntag“?

Manzanares: Auf der „Cuauhtémoc“ treffen wir uns am Sonntag in Zivil auf dem Oberdeck. Genießen ein Bier, hören mexikanische Musik und essen Fastfood. Das Ganze circa zur Mittagszeit. Auf den grauen Schiffen macht die Crew Pause in den Messen, an Oberdeck haben sie einfach nicht so viel Platz für die gesamte Besatzung.

Maulana: Es gibt jeden Tag vormittags eine große Pause von 30 Minuten, in der es Kaffee und Kuchen gibt. Egal ob auf Land oder in See.

von Paul Rein  E-Mail schreiben

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