Marine
Maritime Farbenlehre

Drei Arten von Marine, die Sie noch nicht kennen

Drei Arten von Marine, die Sie noch nicht kennen

  • Fähigkeiten
  • Marine
Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
3 MIN

Was ist eine „blue-water navy“, und gibt es die auch in Grün? Farben beschreiben die qualitativen Unterschiede von Seestreitkräften weltweit.

Der Bug eines Schiffes vor einem Hafen auf grünem Meer.

Tender „Mosel“ 2013 im Schwarzen Meer. Die geringe Wassertiefe lässt die See hier grün aussehen.

Bundeswehr

Um den Einsatzbereich von Seestreitkräften und ihre Fähigkeiten zu beschreiben, gibt es im anglo-amerikanischen Sprachraum drei spezifische Begriffe, um Marinen weltweit zu qualifizieren. Es gibt zwar keine einzelne allgemein akzeptierte Definition. Generell orientieren sich die Bezeichnungen aber an der Farberscheinung von Wassertiefen und -oberflächen.

Blau ist die Hochsee

Eine „blue-water navy“, zu Deutsch ungefähr Hochseemarine, ist eine maritime Streitmacht, die in der Lage ist, monatelang unterwegs zu bleiben. Sie kann über Ozeane hinweg wirken, dort ihre Waffensysteme zum Einsatz bringen und Expeditionsstreitkräfte an Küsten fern ihrer Heimatstützpunkte anlanden. Auch wenn international einige Marinen diesen Status anstreben, gelten noch nur sehr wenige als echte „blue-water navy“. Allen voran die USUnited States Navy: Sie hat vor allem seit dem Krieg im Pazifik von 1941 bis 1945 ein äußerst komplexes System von seegestützten Streitkräften aufgebaut.

Bausteine einer „blue-water navy“ sind Flugzeugträger, Hubschrauberträger, Docklandungsschiffe sowie Kreuzer und Zerstörer zur Luft- und U-Boot-Abwehr. Hinzu kommen Marineinfanterie, seegestützte Luftstreitkräfte, Transport- und Versorgungsschiffe, Flottentanker sowie eine Vielzahl von kleineren Hilfsschiffen und -booten. Diese komplexe Armada stützt sich im Fall der USA auf ein weltweites Netzwerk von Marinebasen. In internationalen Gewässern vor einer fremden Küste werden die Trägerverbände und „Amphibious Readiness Groups“ der USUnited States-Marine mit ihren Flugzeugen und Marines sogar selbst zu schwimmenden Stützpunkten.

Die politische Bedeutung dieser Streitmacht hat USUnited States-Präsident Bill Clinton einmal zusammengefasst: „Wenn Washington von einer Krise irgendwo hört, ist die erste Frage ist, die jeder stellt: Wo ist der nächste Träger?“ Politisch-militärische Machtprojektion mit Flugzeugträgern und anschließend die Drohung mit Landetruppen – der Hauptzweck einer „blue-water navy“ ist, weltweit als ultima ratio der Diplomatie benutzt zu werden.

In deutlich geringerem Maße, mit entsprechender „Breite vor Tiefe“ in ihren Fähigkeiten, besitzen Großbritannien und Frankreich eine solche Hochsee-Expeditionsstreitmacht. Besonders mit dem Bau von Flugzeugträgern steht eine Anzahl von weiteren Staaten an der Schwelle zu einer „blue-water navy“, allen voran die Volksrepublik China und Indien.

Grün sind Randmeere und Küsten, braun Flüsse

Im Gegensatz dazu ist eine „green-water-navy“ dafür gedacht, heimatnahe Seegebiete und die eigene Küste vor Eindringlingen wie feindlichen Schiffen, Flugzeugen und U-Booten zu schützen. Prinzipiell lassen sich alle Marinen so klassifizieren, die zwar hochseefähige Schiffe wie Kreuzer, Zerstörer und Fregatten besitzen, aber über keine echten Fähigkeiten zur expeditionären Machtprojektion verfügen. In diese grüne Kategorie fallen Seestreitkräfte wie etwa die Deutsche Marine. Aber auch die wesentlich größeren Japanischen Maritimen Selbstverteidigungskräfte gehören noch knapp dazu.

Ein kleines Kriegsschiff in verschiedenen grauen Tarnfarben fährt vor einer Küste.

Die amerikanische Marine besitzt zwei Klassen von Küstenkampfschiffen, „littoral combat ships“ in der Größe von Korvetten. Hier zeigt die USS „Freedom“ 2013 vor der Küste Hawaiis ihren speziellen Tarnanstrich.

US Navy/Sean Furey

Alle übrigen, „brown-water navies“ sind nur in der Lage, wenig mehr als die eigenen Binnengewässer zu schützen. Boote einer solchen Streitmacht sind praktisch ausschließlich zum Einsatz auf Flüssen, Seen und in einer schmalen Küstenzone geeignet. Hierunter fällt etwa die kleine finnische Marine, dazu gehören aber auch die Seestreitkräfte vieler Entwicklungsländer.

Kuriosestes Beispiel ist wohl die Marine Boliviens: Ihre Boote befahren hauptsächlich den Titicaca-See mitten im Hochgebirge der Anden. Sie halten die Tradition einer seegehenden Streitmacht aufrecht, seit das südamerikanische Binnenland nach einem Krieg mit Chile seinen Zugang zum Pazifik 1884 verloren hat.

Die höhere „Farb“-Klassifizierung schließt in der Regel die niedrigeren mit ein. Während die USUnited States-Marine die weltgrößte Expeditionsstreitmacht ist, entwickelt sie ebenfalls eigene „Green-water“-Fähigkeiten weiter, wie etwa mit den so genannten „Littoral Combat Ships“, wörtlich Küstenkampfschiffen. Im „Brown-water“-Bereich hat sie eine Anzahl von Bootstypen speziell für den Einsatz von Spezialkräften. Nicht zuletzt verfügt Amerika mit der USUnited States Coast Guard über eine große, spezialisierte „green-water navy“.

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