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Schiffsführung: Navigation hinter der Polargrenze

Schiffsführung: Navigation hinter der Polargrenze

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Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
3 MIN

Auf der Fregatte „Lübeck“ ist Oberleutnant zur See Pia Schotte Zweiter Navigationsoffizier. Ein Flugkörperschießen ist nur ein Bruchteil ihrer Aufgaben.

Portrait OLtzS Schotter

Frau OLtzS Schotter auf der Fregatte „Lübeck“.

Bundeswehr/Kim Brakensiek

Früh am Morgen gleitet die „Lübeck“ fast geräuschlos durch die Gewässer von Wilhelmshaven. Es ist an der Zeit für den Transit über die Polargrenze hinweg nach Norwegen. Mit warmer Kleidung ausgestattet, sieht die Crew zweieinhalb Wochen Seefahrt entgegen.

Als Zweiter Navigationsoffizier (II NO) kommen auf Schotte vielfältige, unteranderem organisatorische, Aufgaben zu. Der II NO ist für viele Offiziere ein Einstiegsdienstposten an Bord, um in die Seefahrt „Fuß zu fassen“. „Ich organisiere Urlaubsanträge, Seewachen oder übernehme auch die Rolle des Fahr-Wachoffiziers“, beschreibt Schotte ihren Arbeitsbereich.

Ihre Soldaten schätzen sie und führen Befehle strikt aus. „Sie ist eine sehr angenehme Vorgesetzte bei der man sich respektiert und verstanden fühlt“, umschreibt ein Rudergänger die junge Offizierin. Dem Rudergänger gibt sie klare Anweisungen, welche Route er zu fahren hat und das Ganze bei welcher Geschwindigkeit. Die Seewege ermittelt sie im Vorfeld anhand elektronischer Karten und lässt diese von ihrem Fachvorgesetzten prüfen. Insgesamt sind ihr der erste und zweite Navigationsmeister, ein Navigationsunteroffizier und sechs Navigationsgasten unterstellt.

Die 27-Jährige Schotte weiß worauf es ankommt: klare Aufgabenverteilung und eine kurze Befehlskette, sodass im Ernstfall schnellstmöglich drohende Gefahr abgewendet werden kann. Dazu hat sie ständigen, direkten Kontakt zum Kommandanten des Schiffes, der in letzter Instanz ihre Befehle bewilligt.

„Clear navigation, clear visual“

Während der Übung, für die die „Lübeck“ gerade vor der norwegischen Küste bei Andoya unterwegs ist, fungiert Schotte als Wachoffizier, Feuerverteiloffizier und darüber hinaus als eine Art Vermittlerin zwischen Brücke und Operationszentrale.

Im Polarmeer angekommen, wird das Alarmschießen geprobt. Dies bedeutet für die Besatzung, dass ein Angriff von außen simuliert wird, um im Ernstfall drillartig reagieren zu können. In diesem Moment schlüpft unsere Navigationsoffizierin in die Rolle der Feuerverteilung. Ab nun könnte man sie als „Augen“ der Operationszentrale (OPZ) im Nahbereich bezeichnen, welche prüfen ob die Waffen auch in die Richtung zielen aus der die Bedrohung kommt. Dazu steht sie in der Nock, das ist eine Ausguckplattform, die jeweils links und rechts von der Brücke aus gebaut ist, von der sie mit Hilfe eines Fernglases das Wasser und den Himmel im Blick hat.

Wenn sich eine Bedrohung anbahnen sollte, in Form von zum Beispiel eines Flugzeuges oder Speedbootes, meldet das die OPZ frühzeitig der Brücke. Die OPZ bedient die großen Waffen an Bord. Unserer Schotte sind drei Waffen direkt unterstellt. Sie befehligt an der Backbordseite (links) ein schweres Maschinengewehr, ein Maschinengewehr und ein Marine-Leichtgeschütz. Das Ganze spiegelt sich auf der Steuerbordseite (rechts), wohingegen dem Decksoffizier die Waffen unterstellt sind. Parallel steht auf der Brücke noch ein Wachoffizier.

In Absprache mit der OPZ und dem Kommandanten wird nun die Bedrohung bekämpft. Dann heißt es nur noch: „Ziel erfasst, System korrekt, vom Kommandanten Feuererlaubnis – Feuer!“

Hintergrund: Missile Firing Exercise

Für ihr Flugkörperschießen, auch Missile Firing Exercise genannt, schickt die Deutsche Marine alle zwei Jahre mehrere Fregatten in das norwegische Nordpolarmeer, um ihre Haupt-Waffensysteme zu testen und mit ihnen zu üben. Dafür werden unter anderem Zieldrohnen verwendet, bei denen es gilt, sie schnellstmöglich zu zerstören.

von Paul Rein  E-Mail schreiben