Marine übt für Verteidigung und Abschreckung
Bei Steadfast Dart zählt der Beitrag der Marine vor allem beim Transport einer sehr großen Zahl von Soldaten und Verwundeten.
Eine mögliche internationale Mission zur Minensuche in der Straße von Hormus stellt besondere Anforderungen. Hier können nur Seefahrzeuge zum Einsatz kommen, die auf diese Aufgabe spezialisiert sind und mitten in einem Minenfeld arbeiten können. Die Deutsche Marine beherrscht hierfür alle nötigen Techniken – von der Minenjagd bis zum Minentauchen. Außerdem können ihre Minenjagdboote andere Schiffe durch verminte Gewässer geleiten.
Zuletzt verließ das Minenjagdboot „Fulda“ am 19. Januar 2026 den Marinestützpunkt Kiel-Wik, um sich in den Ständigen NATO-Verband SNMCMG 1 (Standing NATO Mine Countermeasures Group 1) zu integrieren. Der Verband ist auf Minenabwehr spezialisiert.
Bundeswehr/Alexander UllmannSeeminen sind für Schiffe eine große Bedrohung und ein Minenfeld ein unkalkulierbares Risiko. Selbst wenn nur behauptet wird, ein Seegebiet sei vermint, wirkt sich dies sofort auf den Seeverkehr aus. So zuletzt im Konflikt mit dem Iran. Dass die Minenjagd eine Aufgabe für Spezialisten ist, zeigt schon die Vielfalt der Minentypen.
Es gibt unterschiedliche Arten von Minen: Bei Ankertauminen schwebt das Minengefäß auf einer eingestellten Tiefe im Wasser und ist an einem Drahtseil mit einem Anker am Meeresboden verbunden. Grundminen hingegen liegen auf oder im Meeresboden – teils eingesunken, teils versandet. Manche Minen zünden bei direktem Kontakt. Andere explodieren, wenn ihre Sensoren akustische Signale oder magnetische Signaturen von Schiffen erfassen.
Bei Ankertauminen aktiviert sich der Zünder durch Kontakt, bei Grundminen durch Geräusche von Schiffsschrauben, Motoren oder bei magnetischen Veränderungen im Umfeld. Die auf Abstand zündende Grundmine mit ihrer wuchtigen Detonation von mehr als einer Tonne Sprengstoffgewicht ist die größte Gefahr– nicht wegen der direkten Sprengwirkung am Schiff, sondern wegen der Wirkung der Schock- und Druckwelle, die den Schiffskörper versetzt, verbiegt und zum Reißen oder Brechen bringen kann.
Die deutschen Minenjagdboote sind aus nicht-magnetischem Stahl gebaut. Dadurch ist ihr Magnetismus geringer als bei anderen Schiffen. Alle haben zudem eine Magnetische Eigenschutz-Anlage (MES-Anlage). Diese wird in einem Erdmagnetfeld-Simulator so für die Einsatzgebiete der Boote eingestellt, dass die elektromagnetischen Felder ihrer Maschinen oder Computer verborgen werden.
Darüber hinaus können die Minenjäger der Marine extrem leise und langsam fahren. Damit sind sie auch für moderne Seeminen magnetisch und akustisch fast unsichtbar. Allerdings nur fast, denn ein Restrisiko bleibt immer. Wegen ihres magnetischen und akustischen Eigenschutzes sowie ihrer robusten Bauweise können sie jedoch selbst mitten in einem Minenfeld arbeiten. Denn die Minen erkennen das Schiff nicht als solches. Das entscheidet über den Erfolg eines Einsatzes und ist überlebenswichtig für die Besatzungen.
Beim Amtshilfeeinsatz zur Suche nach Altmunition ankert das Minentauchereinsatzboot M 1067 „Bad Rappenau“ im Greifswalder Bodden vor Lubmin. Allein auf dem Grund der Ostsee lagern Schätzungen zufolge noch bis zu 100.000 Weltkriegs-Seeminen.
Bundeswehr/Steve BackZur Minensuche unter Wasser setzen die Minenjagdboote der Marine die eigene Sonaranlage ein. Diese erzeugt ein synthetisches Unterwasserlagebild und zeigt Kontakte, die sich vom Meeresboden abheben. Außerdem können kabel- und ferngelenkte Wasserfahrzeuge einen Teil der Arbeit übernehmen. Auch sie scannen den Meeresgrund und stellen ihre Ergebnisse in Kartenform dar.
Zum Minenräumen können einige Minenjagdboote an der Wasseroberfläche Räumfahrzeuge des Typs Seehund vorausschicken. Vom Boot aus gesteuert, simulieren sie Schall- und Magnetsignaturen größerer Schiffe, täuschen also ein nicht vorhandenes Schiff vor. Damit bringen sie im Meeresboden verborgene Minen zur Detonation.
Zur Aufklärung und Identifizierung für den Nahbereich unter Wasser kommen die kabelgelenkten Unterwasserfahrzeuge des Typs Seefuchs zum Einsatz. Sie liefern ein Kamerabild an Bord und tragen in einer weiteren Version Sprengsätze, die gefundene Seeminen zerstören.
Brandneu ist die SeaCat, ein größeres Unterwasserfahrzeug mit hochmodernen Sonargeräten zur Detektion und Identifikation von Unterwasserkontakten. Sie trumpft auf mit mehrstündiger Ausdauer und der Besonderheit, dass sie autark agiert, weil sie nicht kabelgelenkt ist.
Beim gefährlichen Tauchgang nutzen die Minentaucher rote Bojen für die Eigenrettung. Minenabwehr und Kampfmittelräumung gehören zu den Daueraufgaben der Marine.
Bundeswehr/Nico TheskaEine weitere Besonderheit der maritimen Minenbekämpfung sind die Minentaucher. In flachen Gewässern, bei schlechten Sonarbedingungen, in Häfen oder wenn Minen in der Nähe von Pipelines oder Unterwasserkabeln liegen, bedarf es des Fachwissens der Minentaucher. Sie sammeln möglichst viele Informationen, identifizieren und sprengen Minen kontrolliert. Diese Spezialisten gehören zum Seebataillon, können aber auch an Bord von Minenjagdbooten der Marine eingesetzt werden, genauso wie von Land aus.
Die Marine hat langjährige Erfahrung in der Seeminenabwehr. Die Soldatinnen und Soldaten des 3. Minensuchgeschwaders sind Spezialisten für die Arbeit unter Wasser und seit Jahrzehnten mit Minenjagdbooten der Frankenthal-Klasse ununterbrochen auch in den NATO-Verbänden in der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer im Einsatz.
Dass der Welthandel über einige wenige Seerouten abgewickelt wird und jede Sperrung weitreichende Folgen haben kann, zeigt der Iran-Konflikt eindringlich. Umso wichtiger wäre der Einsatz der Minenräumspezialisten der Marine. Voraussetzung dafür ist aber neben einer Waffenruhe auch ein Mandat des Deutschen Bundestages.
von Christina Moritz E-Mail schreiben