Marine

Personenporträt: Allrounder aus Parow

Personenporträt: Allrounder aus Parow

  • Menschen
  • Marine
Datum:
Ort:
Parow
Lesedauer:
4 MIN

Oberstabsgefreiter Johannes Demuth ist gelernter Bootsbauer und ein richtiges Multitalent im Hafen der Marinetechnikschule.

Porträtbild eines Marinesoldaten in blauer Arbeitsuniform.

Johannes Demuth

Bundeswehr/Steve Back

Als gebürtiger Stralsunder kam er schon früh in Berührung mit Seewasser und Wassersport: In der siebten Klasse entschied sich Johannes Demuth für das Wahlfach Segeln.

„Wir haben an der Marie-Curie-Schule in den Wintermonaten viel Theorie für den Sportbootführerschein oder die maritime Navigation gepaukt, während in den Sommermonaten die praktische Ausbildung wie Motor- oder Segelsportbootfahren trainiert wurde“, erzählt Demuth.

Nach seiner Schulausbildung war es für ihn nur logisch, den Beruf des Bootsbauers zu ergreifen. Als Azubi in einer Bootsbaufirma auf Rügen lernte er sein praktisches Handwerk. Er befasste sich mit den unterschiedlichen Werkstoffen wie Holz, Metall oder Kunststoff. Für ihn gab es auch Einblicke in Bordelektronik oder die Motorenkunde. „Die Kombination aus Handwerk und Wassersport ist einfach klasse“, findet Demuth. Nach dreieinhalb Jahren Lehre bekam er seinen IHK-Abschluss.

In der Zeit erzählte Johannes‘ vier Jahre älterer Bruder von seinen Seefahrten bei der Marine und hinterließ bei dem angehenden Bootsbauer viel Eindruck. Noch vor Ende seiner Berufsausbildung nahm Demuth Kontakt zu einem Karriereberater der Bundeswehr auf. Schon damals stand für ihn fest, dass er zur Marine möchte. Deswegen wollte er seine Wehrpflicht unbedingt bei dieser Teilstreitkraft ableisten – und hatte Erfolg: Etwa drei Monate nach absolvierter Gesellenprüfung stand auch schon die Grundausbildung vor der Tür. Am 1. April 2009 wurde Johannes Demuth in der Verwendungsreihe 11 als Decksdienstsoldat in die Marine eingezogen.

Vor der Marinetechnikschule zur Marineschule Mürwik und zurück

Bis heute gibt es nur sehr wenige gelernte Bootsbauer im uniformierten Dienst der Marine. Viele Einsteiger kommen mit einer Maler- und Lackierer–Ausbildung. Nach der Grundausbildung ging es für den „11er“ nach Flensburg, weil die dortige Marineschule Mürwik dringendst einen Bootsbauer benötigte.

Sieben graue Boote sind in einer Halle abgestellt.

In der Lagerhalle verbleiben die Boote im Winter.

Bundeswehr/Steve Back

Hier warteten genau die Aufgaben, die Demuth so begeistern. Jeder Umgang mit den Kleinbooten am Standort: ihre Reparatur und Wartung, selbst das Bedienen der Slip- und Schienenwagen, um die Boote zu Wasser zu lassen oder herauszuholen. „Gelegentlich war auch eine Teilnahme in kleineren Regatten möglich mit einem netten Grillen am Ende des Tages“, erinnert sich Demuth.

In dieser Zeit beantragte er eine Umwandlung seiner Wehrpflicht auf Freiwilligen Wehrdienst für 23 Monate. Kurz darauf endschied sich Demuth, als Soldat auf Zeit für vier Jahre zu verlängern. Er erwarb den militärischen Kraftbootführerschein, den Segelschein und auch noch ein Patent zum Funker, um die Boote sicher und professionell bewegen zu können.

 Ein hoher Anspruch an Qualität ist mir wichtig und sorgt für ideale Ergebnisse.“

Doch die vier Jahre waren Demuth nicht genug, sodass er auf acht Jahre verlängerte. Dies brachte ihm einen Dienstpostenwechsel von Flensburg nach Stralsund mit sich. Er war wieder in der Heimat angekommen, wo er bis heute dient. Ihm bringt seine Aufgabe im Hafen der Marinetechnikschule viel Freunde – egal zu welcher Jahreszeit.

Zu Beginn der Sommersaison bringen Oberstabsgefreite Demuth und seine Kameraden die Boote zu Wasser, und dort bleiben diese bis zur Off-Saison im frühen Winter grundsätzlich durchgängig. Da diese Boote Ausbildungsmittel für Lehrgangsteilnehmer und Stammsoldaten der Schule sind, benötigen sie bei dem vielen Gebrauch stetig Pflege und ein wachsames Auge. Hier ist der Oberstabsgefreiter gefragt. „Ein hoher Anspruch an Qualität ist mir wichtig und sorgt für ideale Ergebnisse,“ so Demuth über seinen Job. „Grundsätzlich sind es die Routinearbeiten, die mir gefallen. Aber jeden Tag ist es etwas Anderes.“

Der Winter ist die Jahreszeit der Wartungsarbeiten

In der Off-Saison, sprich Ende November bis Anfang März, holen Demuth und seine Kameraden ihre „Schützlinge“ aus dem Wasser und stellen sie in der Lagerhalle ab. Dort prüfen die Soldaten ihre Boote auf Mängel wie zum Beispiel Leckagen oder anderweitige Schäden.

Dann beginnt für Demuth sein Kerngeschäft in der Winterzeit: schleifen, lackieren, umbauen, frisch mit Antifouling beschichten und so weiter. Im Vorfeld macht sich der 32-Jährige aber zunächst Gedanken um die Reihenfolge der einzelnen Tätigkeiten und darum, welche Boote besondere Aufmerksamkeit benötigen. Auch wenn die insgesamt 22 Boote von außen immer gut aussehen, gibt es viel zu tun.

Ein uniformierter Marinesoldat sägt Holz an einer Maschine.

Volle Konzentration bei der Arbeit, schließlich muss jeder Handgriff sitzen

Bundeswehr/Steve Back
Ein Soldat in Marineuniform arbeitet an einer Werkbank mit Holz.

Demuth biegt Holz in die benötigte Form, um es in einem nächsten Arbeitsschritt für Reperaturen zu nutzen.

Bundeswehr/Steve Back

Die jährlichen, winterlichen Wartungsarbeiten an den Booten und den verschiedenen Anlagen des Bootshafens sind ein Muss. „Man freut sich, wenn die Boote wieder ins Wasser gehen und funktionieren“, so Demuth. Der Top-Zustand der Boote – rund um die Uhr – ist die oberste Prämisse der 33 Beschäftigten im Bootshafen.

„Der Bootshafen ist aufgestellt wie eine intakte Werft. Segelmacher, Takler, Tischler, Maler und Lackierer sind vor Ort. Es herrscht ein gutes Klima, jeder weiß was er an dem anderen hat und alle ziehen an einem Strang“, erklärt der Stralsunder.

Mittlerweile ist Demuth Soldat auf Zeit für 15 Jahre und bleibt bis mindestens 2024 dem Bootshafen in Parow erhalten. Sein Wunsch ist es aber, nach seiner Dienstzeit als ziviler Angestellter dort weiter arbeiten zu können.

von Paul Rein  E-Mail schreiben

Mehr zum Thema