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Schneller Delfin 2026 – Retten mit Plan bei großer Anzahl von Verletzten

Sanitätsdienst

Schneller Delfin 2026 – Retten mit Plan bei großer Anzahl von Verletzten

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Eine zeitgleiche Havarie vieler Schiffe auf hoher See stellt den Sanitätsdienst der Marine vor große Herausforderungen, zumal dabei ein Massenanfall Verletzter (Mass Casualties, MASCAL) zu erwarten ist. Dafür muss die Rettungskette mit zivilen Partnern stehen. Bei Schneller Delfin 2026 wurde Mitte September ein solches Szenario trainiert.

Zwei Personen die einen Verletzten versorgen
@Bundeswehr/ Henner Feddersen

Nach Role2Sea in 2024 und 2025 war der Marinestützpunkt Kiel 2026 Schauplatz und Endpunkt der Marineübung Schneller Delfin 2026 (SD26). Wenn es in Verbänden auf See parallel zu mehreren Großschadensereignissen kommt, geht dies in der Regel mit Massenanfällen von Verletzten (MASCAL) einher. Schwerpunkte der Übung Schneller Delfin in Kiel waren deshalb die Erstversorgung der großen Patientenzahl und die zeitgleiche Schadensabwehr in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Rettungs- und Einsatzkräften.

Multiple Havarien simuliert

Vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine war das kein konkretes Bedrohungsszenario: Mehrere Marineschiffe werden durch Angriffe gleichzeitig schwer beschädigt – vor deutschen Küsten, in Nord- und Ostsee. Doch die aktuelle Gefährdungslage erfordert es, auch für solche Fälle vorbereitet zu sein.

Schneller Delfin simulierte Havarien mehrerer Marineschiffe gleichzeitig mit einer erheblichen Anzahl verletzter Personen, verursacht durch einen Drohnenangriff. Betroffen waren gemäß Übungsplan eine Korvette, ein Minenjagdboot und ein Tender, also ein Versorgungsschiff. Auf allen drei seegehenden Einheiten kam es zu Feuer, Wassereinbrüchen und Massenanfällen von Verletzten. Nach Bekämpfung der Drohnen und der inneren Gefahrenabwehr wurden die Verletzten erstversorgt. Dabei übernahm die Korvette „Oldenburg“ alle Patientinnen und Patienten des Tenders „Rhein“. Hierfür forderte der Kommandant der Korvette Unterstützung durch je eine Maritime Incident Response Group (MIRGDie MIRG Gruppen sind spezialisierte Einheiten, die bei besonders schweren Vorfällen auf See eingesetzt werden. Sie bestehen aus verschiedenen Teams, die jeweils spezifische Aufgaben übernehmen. Jedes dieser Teams ist darauf trainiert, unter extremen Bedingungen zu arbeiten und die Sicherheit der Menschen und der Umwelt zu gewährleisten.) des Havariekommandos für beide Einheiten an.

Trainiert wurden insbesondere Transport, Erstversorgung sowie Behandlung von Verletzten und Betroffenen in See, von See an Land sowie die anschließende Übergabe an zivile und militärische Gesundheitseinrichtungen über den lokalen Rettungsdienst. Dies geschah mithilfe verschiedener Rettungsmittel – unter anderem Hubschraubern – und sollte die Kooperation mit externen Stellen wie dem Havariekommando, der Bundespolizei, zivilen Rettungsdiensten und Gesundheitseinrichtungen sowie mit anderen Organisationsbereichen intensivieren. So flog der Eurocopter AS332 Super Puma der Bundespolizei zum Verletztentransport auf die „Oldenburg“, und der NH-90 Sea Lion der Marine auf das ebenfalls an der Übung beteiligte Minenjagdboot „Sulzbach-Rosenberg“.

Wer rettet mit wem?

Während die MIRG bei TriageTriage ist ein Verfahren zur schnellen Beurteilung und somit Priorisierung von Verwundeten. Es hat zum Ziel, die Behandlungsreihenfolge nach Dringlichkeit festzulegen. und der Verletztenversorgung unterstützten, liefen die „Oldenburg“ und die „Sulzbach-Rosenberg“ zur Abgabe der Patientinnen und Patienten an den zivilen Rettungsdienst in den Marinestützpunkt Kiel ein. Der zivile Rettungsdienst war über das Havariekommando alarmiert worden und bereits mit einem Großaufgebot an Rettungs- und Krankentransportwägen sowie einer mobilen Leitzentrale vor Ort.

Nach dem Anlegen wurden alle 33 simulierten Verletzten mit Unterstützung der Bundeswehrfeuerwehr zügig an den zivilen Rettungsdienst übergeben. Dabei übernahm die Berufsfeuerwehr Kiel die Steuerung. Die Verteilung der Patientinnen und Patienten auf drei Krankenhäuser der Stadt – das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, das Lubinus Klinikum und das Städtische Krankenhaus – erfolgte durch die Berufsfeuerwehr und das Sanitätsunterstützungszentrum Kiel.

Alle drei Krankenhäuser nahmen Verletzte auf (die durch Sanitätsoffizieranwärterinnen und -anwärter dargestellt wurden) und beübten gleichzeitig die internen Notfall- und Krankenhausalarmpläne der Häuser – vor allem in Notaufnahmen und teilweise sogar bis in die Operationsräume. Das Bundeswehr-Sanitätsunterstützungszentrum Kiel übernahm das Patienten-Tracking an Land.

Was lehrt die Übung?

Die bei der Verbandsübung gewonnenen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zur Koordination der Schadensabwehrorganisation, zum Patiententransport inklusive Übergabe und Nachversorgung von Sanitätsmaterial in einer komplexen Schadenslage im militärischen maritimen Umfeld sollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung in See sowie der zivil-militärischen Zusammenarbeit leisten.

Eines ist wichtiger denn je: In großen Zusammenhängen mit vielfältigen Interaktionen zu üben hilft, komplexe Schadenslagen zu bewältigen. Denn die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Akteuren muss koordiniert und zur Vorbereitung auf den Ernstfall regelmäßig geübt werden. Seien es Besatzungen und Sanitätspersonal an Bord und in den Hubschraubern, die Stützpunktfeuerwehr, ein Rettungsdienst oder das Krankenhauspersonal der Hansestadt Kiel.

von Christina Moritz

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