Marine
Güterabwägung

Die Marine kombiniert Seesprengen und Naturschutz

Die Marine kombiniert Seesprengen und Naturschutz

Datum:
Ort:
Kiel
Lesedauer:
2 MIN

Die Flotte hat vom 31. Oktober bis 4. November in deutschen Gewässern der Ostsee erstmals seit 2019 wieder das Sprengen unter Wasser trainiert. Sie traf dafür aufwendige Maßnahmen zum Schutz von Meerestieren wie vor allem dem Schweinswal. Zuvor hatte die Bundeswehr gemeinsam mit den Naturschutzbehörden sorgfältig die Güter Artenschutz und Verteidigungsfähigkeit abgewogen.

Ein Taucher in schwarzem Neopren-Anzug unter Wasser.

Ein Minentaucher der Marine bei einer Übung in der Ostsee im Sommer 2018. Hier hat er gerade die Attrappe einer Anti-Invasionsmine vor einem geplanten Landungsstreifen gefunden.

Bundeswehr/Andrea Bienert

Die Marine legt großen Wert darauf, Meeressäuger und andere Lebewesen in der maritimen Umwelt so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Allerdings muss sie ebenfalls ihren Verteidigungsauftrag erfüllen können. Die Boote und Besatzungen des 3. Minensuchgeschwaders sowie die Minentaucher des Seebataillons brauchen so für ihre volle Einsatzfähigkeit eine den NATO-Standards entsprechende Zertifizierung – und daher praxisnahe Ausbildung.

Bereits in der Vergangenheit hatte die Marine mit Schallimpulsen unter Wasser Meerestiere vor geplanten Sprengungen verscheucht beziehungsweise, fachlich genau, vergrämt. Im Moment rüstet sie ihre Minenjagd- und Minentauchereinsatzboote mit modernen sogenannten Seal Scarern und Pingern aus, die im zivilen Umfeld bereits im Gebrauch sind.

Ein Blasenschleier dämpft die Sprengungen

Ein Schiff mit einem langen, flachen Achterdeck liegt in See.

Um die Sprengstelle in rund 30 Metern Tiefe im Übungsgebiet Schönhagen liegt der kreisförmige Blasenschleier, hier an der Wasseroberfläche zu erkennen. Dahinter das gecharterte zivile Schiff, das die Kompressoren für die nötige Druckluft trägt

Bundeswehr/Marcel Kröncke

Neben diesen Geräten kam bei den Sprengübungen im Übungsgebiet Schönhagen darüber hinaus erstmals eine besonders aufwendige Schutzmaßnahme hinzu. Die Wehrtechnische Dienststelle (WTDWehrtechnische Dienststelle) 71 des Ausrüstungsamts BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr ließ einen sogenannten Blasenschleier um die Sprengstelle aufbauen. In drei konzentrischen Ringen ausgelegt, minderte diese Anlage den Schallimpuls der eigentlichen Sprengungen  beziehungsweise verringerte dessen Reichweite, innerhalb dessen Meeressäuger zu Schaden kommen könnten.

Diesen erstmaligen Einsatz eines Blasenschleiers für ein Sprengen der Marine begleiteten ausführliche Messungen der WTDWehrtechnische Dienststelle 71, des Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung GEOMAR in Kiel und einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragten Firma. Seewasserproben und Daten über das Schallverhalten unter Wasser im Sprenggebiet teilen sich Bundeswehr, Naturschutzbehörden und Forschung.

Zusätzlich hatte das Bundeswehr-Umweltamt BAIUDBwBundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Absprache mit den Naturschutzbehörden einen Leitfaden für Unterwassersprengungen entworfen. Er gilt für alle Ausbildungs-, Übungs- und Erprobungszwecke der Bundeswehr in Nord- und Ostsee. Erkenntnisse aus dem ersten Übungssprengen mit einem Blasenschleier werden in seine nächste Fassung einfließen.

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