Marineinfanteristen greifen an
Sie kommen in Hubschraubern, schlagen massiv zu und sind kurz darauf wieder verschwunden. Kräfte des Seebataillons üben den Air Raid.
Zäsur im Seebataillon: Küstenverteidigung statt internationales Krisenmanagement im Fokus. Marine passt Ausbildung und Struktur an.
Kämpfen im küstennahen Gebiet mit dem gesamten Verband – zu diesem Zweck soll die Marineinfanterie im Seebataillon neu ausgerichtet werden. Dafür wird die Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten vereinheitlicht und die Struktur des Verbandes angepasst. Der Kommandeur erklärt warum.
„Wir durchlaufen einen gigantischen Wandel“, beschreibt Fregattenkapitän Mathias Müller, Kommandeur des Seebataillons, den aktuellen Umbruch in seinem Verband. Das Ziel sei klar: Bereitschaft für den Verteidigungsfall herstellen – und das bis 2029. „Für das Seebataillon heißt das, sich jetzt auf Küstenverteidigung einzustellen. Wir müssen im küstennahen Bereich mit dem gesamten Verband kämpfen können“, so der Kommandeur.
Als sogenanntes Multitool der Marine hat das Seebataillon der Flotte bisher kleine hochspezialisierte Gruppen an Soldatinnen und Soldaten bereitgestellt, die spezifische Aufträge im Rahmen des internationalen Krisenmanagements bei Auslandseinsätzen übernommen haben. Darunter das Entern ziviler Schiffe, um nach verbotenen Gegenständen zu suchen – auch Boarding genannt. Weitere Aufgaben waren der Schutz einzelner Schiffe der Marine in Übersee oder die Absicherung von Hafenanlagen gegen terroristische Bedrohungen. Meist waren dafür deutlich weniger als 100 Soldatinnen und Soldaten pro Einsatz notwendig.
„Wir durchlaufen einen gigantischen Wandel.“
Entsprechend diesen Aufgaben hat sich auch die Struktur des Seebataillons entwickelt, sodass es beispielsweise
Dass die Marineinfanteristen einheitlich ausgebildet werden und im Verband kämpfen können, ist Voraussetzung für die geforderte offensive Ausrichtung des Seebataillons. Diese Forderung hat der Inspekteur der Marine aufgestellt, um den Einsatz gegnerischer Spezialkräfte und amphibischer Kräfte an den eigenen Küsten sowie denen der Bündnispartner abwehren zu können.
Die Marineinfanteristen kommen entweder übers Wasser ….
Bundeswehr/Nico Theska
… oder aus der Luft, um die Küsten Deutschlands und des Bündnisgebiets zu verteidigen.
Bundeswehr/Jana NeumannKern des Seebataillons werden künftig drei bis vier einheitlich ausgebildete Kampfkompanien sein. Die Planungen des Kommandeurs dazu sehen vor, eine standardisierte Ausbildung für die Marineinfanteristen einzuführen. „Unser Ausbildungszentrum sowie die Kompanien sorgen mit der Anpassung der Ausbildung dafür, dass diese einheitlichen Kompanien jetzt entstehen werden“, so Müller. Neben den Marineinfanteriekompanien wird es weiterhin Unterstützer und Versorger geben. Die Minentaucherkompanie wird ebenfalls Teil des Seebataillons bleiben.
Vorbild für Struktur und Ausbildung der deutschen Marineinfanteristen sind die finnischen und schwedischen Coastal Amphibious Forces. Diese Kräfte sind speziell für den Einsatz entlang von Küsten, Fjorden und Schären vorgesehen. Sie können diese überwachen und die Einfahrt sowie die Anlandung gegnerischer Schiffe abwehren. „Dank des engen Austauschs mit den Finnen und Schweden zehren wir sehr von deren Erfahrungen. Wir gucken, was für uns funktioniert und erhalten auf gemeinsamen Übungen bereits viel Anerkennung für unsere Fähigkeiten“, erzählt Müller.
Auch wenn im Seebataillon derzeit vieles im Umbruch ist, wird sich eines nicht ändern, betont der Kommandeur: „Wir sind Marinesoldaten. Wir tragen das blaue Tuch mit Stolz und sind der See verbunden. Getreu unserem Motto: Vom Land zum Meer, vom Meer zum Land.“
von Ole Henckel