Die Bundeswehr fand er schon immer spannend. Nach der Schule meldete sich Lennard H.* direkt beim Seebataillon. Hier wurde er zum Marineinfanteristen ausgebildet und wuchs über die Zeit an seinen Aufgaben. Der Stabsgefreite ist eingesetzt als stellvertretender Gruppenführer und führt heute selbst mehrere Kameraden auf Übungen.
Dienst an der Waffe, sportliche Herausforderungen und Menschen schützen, die sich selbst nicht schützen können: das ist Lennards Motivation, Soldat zu sein
Bundeswehr/Jana Neumann
Seine Bewerbung bei der Bundeswehr hatte Lennard H. noch vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 eingereicht. Damals war er 17 Jahre alt und frisch aus der Schule. „Natürlich habe ich gesehen, dass die Bedrohungslage in Europa eine andere war. Aber das hat meine Entscheidung nicht geändert“, erzählt er. So trat Lennard H. im Juli 2022 seinen Dienst bei der Bundeswehr an: mit dem klaren Ziel, Marineinfanterist im Seebataillon zu werden.
Nach einer fordernden Ausbildung hat er dieses Ziel auch erreicht. Jetzt dient er in der 2. Bordeinsatzkompanie im Seebataillon, kurz BEK 2. „Im Hubschrauber mitfliegen und sich anschließend auf ein Schiff abzuseilen, ist für mich ein absolutes Highlight an meinem Job“, berichtet Lennard H. Dieses Verfahren ist Teil des sogenannten Boardings, bei dem die Marineinfanteristen ein Schiff entern und es nach verbotenen Gegenständen durchsuchen, notfalls auch gegen den Willen der Schiffsbesatzung.
Der Boarding-Auftrag der Marineinfanteristen war es auch, der Lennard H. ursprünglich zum Seebataillon gezogen hat. „Zur See zu fahren, in Kombination mit dem infanteristischen Auftrag und der Möglichkeit, auch mal einen Auslandseinsatz mitzumachen, hat mich einfach gereizt“, so der Stabsgefreite. Neben dem Boarding schützen die Marineinfanteristen auch eigene Schiffe in Übersee oder trainieren den Küstenkampf, also die Verteidigung eines Küstenabschnitts gegen einen potenziellen Aggressor.
Von der Grundausbildung zum stellvertretenden Gruppenführer
Nach der Grundausbildung an der Marineoperationsschule in Bremerhaven ging es für Lennard H. nach Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein. Hier durchlief er aufeinander aufbauende Ausbildungsmodule, nach deren erfolgreichem Abschluss er sich Bordeinsatzsoldat nennen durfte. „Während einem in der Grundausbildung überspitzt gesagt gezeigt wurde, wie man sich die Schuhe bindet, ging es in Alt Duvenstedt dann um die anspruchsvollen Themen“, erzählt er – sei es das richtige Verhalten bei Feindkontakt, das taktische Bewegen in einer Gruppe oder eben, wie man ein Schiff durchsucht.
„Während der Ausbildung waren wir schon extrem viel draußen unterwegs“, erinnert sich Lennard H. Jeden Tag seien viele Kilometer mit dem Rucksack marschiert worden. „Es ist natürlich im ersten Moment immer Mist, wenn man den 30-Kilogramm-Rucksack aufsetzt. Das war am Anfang hart, aber über die Monate wurde das immer besser.“
Nach drei Jahren in der Marineinfanterie, vielen Lehrgängen und Übungen in Deutschland sowie im Ausland übernimmt Lennard H. als erfahrener Mannschaftssoldat zunehmend mehr Verantwortung. „Auf Übungen werde ich als stellvertretender Gruppenführer eingesetzt. Dann führe ich die Halbgruppe, was zwischen drei und fünf Kameraden sein können, und arbeite dem Gruppenführer zu“, erklärt er. Das sei natürlich stressiger, als einfach mitzulaufen, aber es mache ihm auch Spaß. „Am Anfang meiner Dienstzeit hätte ich mir das nicht zugetraut. Da war ich ein ganz anderer Typ und mit der Verantwortung, die ich jetzt habe, wäre das nicht so gut gelaufen. Aber über die Jahre wird man reifer, bekommt Routine und lernt von seinen Vorgesetzten. Jetzt habe ich die Möglichkeit, selbst Dinge umzusetzen und besser zu machen.“
Das Fast Roping ist eine Möglichkeit, schnell aus dem Hubschrauber an Bord eines Schiffes zu gelangen
Bundeswehr/Nico Theska
Den Kampf im Wald, aber auch im bebauten Gebiet müssen die Marineinfanteristen beherrschen, um Küsten effektiv verteidigen zu können
Bundeswehr/Jana Neumann
Die Anlandung mit dem Hubschrauber ist eine Option für die Marineinfanteristen, um sich schnell im Küstengebiet zu bewegen
Bundeswehr/Jana Neumann
Mit ihren Booten können die Soldatinnen und Soldaten des Seebataillons nah an den Strand, um diesen dann schnell zu sichern
Bundeswehr/Nico Theska
Beim Boarding entern die Marineinfanteristen zivile Schiffe, um diese nach verbotenen Gegenständen zu durchsuchen
Bundeswehr/Nico Theska
Übungen und Sport prägen den Alltag
„Aktuell haben wir alle paar Wochen eine Übung. Das prägt unseren Dienstalltag“, berichtet Lennard H. So haben er und seine Kameradinnen und Kameraden erst kürzlich einen amphibischen Raid trainiert. „Dabei beginnen wir unsere Operation von einem Schiff aus, steigen dort in unsere kleineren Boote und landen an einem Strand an. Ziel war es, ein Objekt anzugreifen und den Feind dort zu zerschlagen. Das hat auch gut geklappt.“ Wenige Wochen später stand eine ähnliche Übung auf dem Programm, nur dass die Marineinfanteristen dieses Mal mit Hubschraubern kamen.
„Bevor wir anlanden, sei es mit dem Hubschrauber oder dem Boot, ist man natürlich etwas angespannt. Jeder guckt, ob seine Ausrüstung und die seines Kameraden sitzt. Ich gehe auch durch, was ich gleich zu tun habe, denn vor allem am Anfang einer Operation darf nichts schief gehen“, erklärt der Stabsgefreite. Komme es dann zum Kontakt mit dem Feind, spule er einfach das Gelernte aus der Ausbildung ab und folge den Befehlen des Gruppenführers. „Beispielsweise kann der Befehl kommen, einen Gegenstoß durchzuführen. Als stellvertretender Gruppenführer muss ich dann die Männer koordinieren, sodass wir uns geordnet bewegen und feuern“, so der erfahrene Mannschafter.
Regelmäßig müssen Lennard H. und seine Kameradinnen und Kameraden bei solchen Übungen mehrere Kilometer querfeldein zu Fuß mit ihrem Sturmgepäck zurücklegen. Das erfordere eine gute körperliche Fitness, betont er. Daher werde auch jede freie Stunde im Dienst für Sport genutzt. „Wer zu uns kommen will, sollte fit sein“, so der Stabsgefreite. Zu den Anforderungen gehören zum Beispiel:
fünf Kilometer in unter 25 Minuten laufen,
300 Meter mit Kleidung in unter neun Minuten schwimmen,
eine rasche Auffassungsgabe,
eine gewisse Leidensfähigkeit.
Der Grund ist für den 21-Jährigen klar: „Wir sind Teil der Kampftruppe. Das bringt gewisse Härten mit sich.“
Verlängern ist eine Option
Lennard H. hat sich 2022 als Soldat auf Zeit für vier Jahre verpflichtet. In den kommenden Monaten endet diese Zeit, doch der Stabsgefreite hat noch nicht genug. „Ich werde wohl noch ein oder zwei Jahre Dienstzeit dranhängen. Ich komme mit meinen Kameradinnen und Kameraden sehr gut klar und auch mit meinen Vorgesetzten. Da habe ich natürlich Lust, noch länger mit denen zusammenzuarbeiten.“ Zwar sei Eckernförde für ihn etwas abseits gelegen, dennoch leiste man seinen Dienst an einem Ort, wo andere Urlaub machen.
Drei Fragen an Marineinfanterist Lennard H.
Was ist das Beste an deinem Beruf?
Lennard H.
Mit dem Hubschrauber mitfliegen und sich dann am Seil runter zu lassen, ist für mich immer ein Highlight.
Was ist das Besondere an der Marineinfanterie?
Lennard H.
Wir haben die Kombination aus grün und blau. Das heißt, dass wir infanteristisch ausgebildet sind und an Land kämpfen können. Zudem fahren wir aber auch zur See und sind eng mit dem Wasser verbunden. Das gibt es so nirgends in der Bundeswehr.
Warum bist du zur Bundeswehr gegangen?
Lennard H.
Ich fand die Aufgaben des Soldaten spannend. Die sportliche Herausforderung, die Technik und den Dienst an der Waffe. Und mit diesem Dienst schützt man gleichzeitig die freiheitliche demokratische Grundordnung und die Menschen, die sich nicht selbst schützen können.