Operatives Führungskommando der Bundeswehr
In Berlin und Schwielowsee erfolgt künftig die Operationsführung der Bundeswehr im In- und Ausland aus einer Hand.
Vom 22. bis 26. April 2026 trainierten die Landeskommandos Hessen und Thüringen die zivil-militärische Zusammenarbeit. An der länderübergreifenden Übung waren Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und der US-Streitkräfte, zwei Landkreise sowie Blaulichtorganisationen und zivile Dienstleister beteiligt.
Auf dem Gelände der Autobahnmeisterei rückt eine Militärkolonne zum Tanken ein. Jetzt sind schnelle Koordination und ruhige Abläufe gefragt.
Bundeswehr/Dirk ReißmannWie werden Truppenteile bei der Verlegung an die Ostflanke der NATO mit Kraftstoff, Verpflegung und Rastmöglichkeiten versorgt, wenn hierfür keine Bundeswehrressourcen mehr zur Verfügung stehen? Dann sind zivile Partner gefragt. Mit der Übung HETHEX 2026 trainierten erstmals zwei Landeskommandos der Bundeswehr gemeinsam mit den Landkreisen Schwalm-Eder und Eichsfeld diese Form die zivil-militärische Zusammenarbeit. Mit Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Behörden sowie zivilen Dienstleistern spielten sie das Zusammenwirken über Verwaltungsgrenzen bei einem möglichen NATO-Bündnisfall durch.
Die Übung zeigte deutlich, wie entscheidend abgestimmte Kommunikationswege und klare Strukturen bei der Koordination für den Erfolg komplexer Einsätze sind. Aufseiten der Bundeswehr spielen die Kreisverbindungskommandos (KVK) der jeweiligen Landeskommandos hier eine wesentliche Rolle. Die aus Reservistinnen und Reservisten bestehenden Schnittstellen der Truppe zu den Landkreisen betreuten die während der Übung rollenden Kolonnen auf den Autobahnen A4, A5, A7 und A38. Dabei sorgten die KVK bereits im Vorfeld für bestmögliche Bedingungen für deren logistische Versorgung. Sie hatten sogenannte Convoy Support Center (CSC) eingerichtet, die eine wichtige Anlaufstelle bei Truppenverlegungen bilden.
Den in die Organisation eingebundenen Kreisverbindungskommandos kommt in diesem Zusammenspiel mehrere Akteure eine wichtige Aufgabe zu. Als ständiges Verbindungselement und militärische Berater sind sie eng in die Abläufe der Katastrophenschutzstäbe in den Landkreisen vor Ort eingebunden und kennen ihre Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner – getreu dem Motto: Gesichter kennen in der Krise.
Während der Übung HETHEX unterstützten sie in ihren Stäben die Abstimmungen zwischen den Lagezentren der Landeskommandos, den Blaulichtorganisationen und der marschierenden Truppe über BOS-Funk – alles mit dem Ziel, über die Ereignisse auf den Marschstrecken sowie das Vorankommen der Kolonnen im zivilen Straßenverkehr informiert zu sein und bei Störungen unterstützen zu können. Im Schichtbetrieb stellten die KVK sicher, dass eintreffende Kolonnen in die örtlichen Gegebenheiten bei Tag und Nacht eingewiesen werden konnten. Die Versorgung mit Betriebsstoffen und die Verpflegung wurden durch zivile Dienstleister sichergestellt.
Das Jägerbataillon 1 aus Schwarzenborn nutzte das für die Übung errichtete CSC in Remsfeld als militärischen Rastplatz, um ihre GTK Boxer aufzutanken und sich zu verpflegen. Die Jäger befanden sich auf dem Weg zum Truppenübungsplatz Bergen und konnten so die Abläufe eines CSC realitätsnah trainieren. Außerdem beteiligten sich das Panzergrenadierbataillon 391 und das Versorgungsbataillon 131 aus Bad Salzungen und Bad Frankenhausen, das Informationstechnikbataillon 383 aus Erfurt sowie die Feldjägerregimenter 2 und 3 an HETHEX 2026. Gemeinsam mit US-Streitkräften übten sie die Abläufe in den CSCs in Remsfeld und Breitenworbis.
Nach dem ersten Teilabschnitt verlässt eine Marschkolonne der Übung HETHEX 2026 die Autobahn. Ziel ist ein Rastplatz der Autobahnmeisterei in Breitenworbis. Hier werden die Marschteilnehmenden fit für die Weiterfahrt gemacht.
Bundeswehr/Reinhard Hild
An den Rastplätzen der Marschkolonnen arbeiten Bundeswehr und zivile Blaulichtorganisationen eng zusammen. Denn im Ernstfall muss die Gastgebernation auch auf zivile Dienstleister zurückgreifen können.
Bundeswehr/Reinhard Hild
Soldaten einer Marschkolonne führen ihren technischen Halt durch. Eigentlich nichts Besonderes, allerdings befinden sie sich mit ihren Fahrzeuge diesmal in einer Autobahnmeisterei.
Bundeswehr/Dirk Reißmann
Das Jägerbataillon 1 aus Schwarzenborn war unter anderem mit acht GTK Boxern unterwegs zum Truppenübungsplatz Bergen und nutzte die Autobahnmeisterei während der Übung HETHEX 2026 ebenfalls als Rastplatz
Bundeswehr/Sarah Schulze
Nach dem erfolgreichen technischen Halt inklusive Betankung durch die Autobahnmeisterei Breitenworbis kommt der Befehl zum Weitermarsch, um das nächste Ziel pünktlich zu erreichen
Bundeswehr/Dirk Reißmann
Bei der Übung HETHEX 2026 arbeiten Soldatinnen und Soldaten eng mit der Feuerwehr, der Polizei, dem Landratsamt Eichsfeld und der Autobahnmeisterei Breitenworbis zusammen
Bundeswehr/Claus Richter„Die Übung läuft in einem realen Umfeld ab“, beschreibt Oberst Klaus Glaab, Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, den Charakter der Übung. „Wir haben hier eine fortlaufende Lage und ungeplante Herausforderungen zu berücksichtigen. All das, um Kräfte zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Das ist letztendlich das Ziel der Aufmarschübung.“
Alle beteiligten Organisationen waren sich einig, dass Übungsszenarien wie bei HETHEX 2026 einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge leisten. In diesem Zusammenhang war vor allem die Sichtbarkeit in der Bevölkerung – auf den Verkehrswegen und Rastplätzen – ein wichtiger Bestandteil der Übung, um die Wahrnehmung und Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger authentisch bewerten zu können.
„Die Übung hat erneut gezeigt, wie wichtig die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren zivilen Partnern ist“, resümierte der Kommandeur des Landeskommandos Hessen, Brigadegeneral Holger Radmann. „Insbesondere mit den Blaulichtorganisationen wie der Polizei konnten wir Abläufe im Sinne des Operationsplans Deutschland effektiv trainieren und weiter verbessern. Diese Kooperation ist ein wesentlicher Baustein für eine funktionierende gesamtstaatliche Vorsorge und Einsatzfähigkeit im Falle des Falles.“
von Sandra Sander