Einstellungstest der besonderen Art: Junge Leute wollen Heimat schützen

Einstellungstest der besonderen Art: Junge Leute wollen Heimat schützen

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  • Personal
Datum:
Ort:
Mainz
Lesedauer:
3 MIN

COVID-19Coronavirus Disease 2019 bestimmt seit einigen Monaten unser Leben und bringt großes Improvisationstalent zum Vorschein – auch im Recruiting der Bundeswehr. Das Karrierecenter der Bundeswehr in Mainz testet neue und innovative Assessmentwege, die den Schutz und die Sicherheit von Bewerbenden und Personal in den Fokus stellen.

Ein junger Mann mit Maske vor einem Poster

Gerade in einer Pandemiezeit wichtiger denn je: Chris Erhard möchte für sein Land etwas Gutes tun.

Bundeswehr/Landeskommando Hessen

Ein kalter Sonntagmittag im Winter 2020: Der Parkplatz eines Mainzer Hotels füllt sich allmählich mit Autos. Ein kleines Team aus Soldatinnen und Soldaten stellt Wegweiser auf, denn ab 14 Uhr werden die ersten Bewerberinnen und Bewerber für den Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz (FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz) erwartet.

„Was macht denn die Bundeswehr in einem Hotel?“, spricht ein neugieriger Passant Hauptmann Andreas Kress an. Der Offizier nimmt in Mainz die Bewerberinnen und Bewerber in Empfang und erklärt den Ablauf des Assessmentparcours. „Uns liegt der Schutz der Interessierten besonders am Herzen, somit haben wir uns für die Unterbringung in einem Hotel entschieden. Die Hygienemaßnahmen und Abstände sind hier rund um die Uhr gewährleistet“, antwortet Kress.

Zuhören vom Hotelzimmer aus

„Meine kreativen Köpfe hier im Karrierecenter haben ein sehr gutes Konzept speziell für den FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz entwickelt“, berichtet der stellvertretende Leiter des Karrierecenters in Mainz, Oberstleutnant Uwe Zinsmeister. Insgesamt kommen an sechs Tagen rund 85 Interessierte für den Einstellungstest nach Mainz.

Ein Mann mit Maske vor einem Fernseher

Bequem und sicher: Vom Hotelzimmer aus können die Teilnehmenden den Vorträgen lauschen.

Bundeswehr/Landeskommando Hessen

Einer der Bewerber ist der 17-jährige Chris Erhard, der sich für den FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz in Thüringen beworben hat. Der junge Mann möchte seinem Land etwas Gutes tun und in Notlagen helfen. Ein wenig nervös checkt Erhard ins Hotel ein und bekommt von den Soldaten die erforderlichen Infos und Unterlagen. Doch erst einmal steht Fiebermessen, das Wechseln des Mund- und Nasenschutzes und die Desinfektion der Hände auf dem Programm. „Der erste Vortrag beginnt direkt um 17 Uhr. Den können Sie dann von Ihrem Hotelzimmer aus auf dem Fernseher ansehen“, erklärt Kress dem jungen Interessierten.

Die Vortragenden werden live über eine Kamera auf die Hotelzimmer der Bewerberinnen und Bewerber übertragen. „Somit gehen wir weder ein Ansteckungsrisiko für die Interessierten noch für unsere Mitarbeitenden ein“, erläutert Kress. Nach den Vorträgen zu den Themen FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz, Reserve und Tätigkeiten in den Landeskommandos können die Bewerbenden den Vortragenden telefonisch Fragen stellen.

Stärkung naht

„Ich lass die Infos jetzt erstmal sacken und bestelle mir eine Pizza, die bis zu meinem Hotelzimmer geliefert wird. Das ist ein super Service, den die Bundeswehr hier organisiert hat“, erzählt der 17-jährige Erhard begeistert. Dann möchte er früh ins Bett gehen, um für das Assessment am nächsten Tag ausgeschlafen zu sein.

Am nächsten Tag merkt man dem jungen Mann schon beim Frühstück die Aufregung an. Am Nachbartisch sitzt mit Finn-Mattis Höpfl ein weiterer Bewerber, der ebenso angespannt ist. Er hat sich für den Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz in Hessen beworben. Die beiden jungen Männer unterhalten sich und werden nach dem Frühstück gemeinsam ins Karrierecenter der Bundeswehr gebracht. Im Bus herrscht absolute Ruhe, die Anspannung ist allen Bewerbenden trotz Maske ins Gesicht geschrieben.

Drei Männer mit Masken sitzen mit Abstand vor einer Wand

Stille vor den Prüfräumen: Die Anspannung der Bewerberinnen und Bewerber ist kurz vor dem Prüfgespräch deutlich zu spüren.

Bundeswehr/Landeskommando Hessen

Das Assessment rückt näher

Angekommen im Karrierecenter der Bundeswehr in Mainz durchlaufen die Interessierten nach und nach die ärztliche Untersuchung, das Prüfgespräch mit dem Psychologischen Dienst und die Phase der Einplanung. Freudestrahlend und erleichtert verlassen am Mittag Chris Erhard und Finn-Mattis Höpfl den Assessmentparcours. Beide haben die Prüfungen geschafft und werden zum 1. April 2021 die Grundausbildung für den FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz beginnen. Höpfl resümiert voller Freude: „Ich bin stolz darauf, bald Deutschland und den Menschen in Notlagen helfen zu dürfen.“

Ein junger Mann spricht mit einem Soldaten

Der 17-jährige Chris Erhard erklärt dem Psychologen, warum er sich für den FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz beworben hat

Bundeswehr/Jana Ludwig

Insgesamt haben 81 Teilnehmende in dieser Woche das Assessmentverfahren zum FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz in Mainz bestanden und sind für den Dienst bei der Bundeswehr eingeplant. „Ein tolles Ergebnis. Mein großes, kreatives Team in der Personalgewinnung leistet auch in den schweren Pandemiezeiten eine sehr gute Arbeit und entwickelt unter Gewährleistung eines hohen Schutzstandards immer wieder neue Ideen“, zieht der Recruitingchef der Bundeswehr, Brigadegeneral Frank Reiland, Bilanz.

Reiland macht auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz als eine neu entwickelte Dienstform der Bundeswehr aufmerksam: „Gerade in schweren Zeiten, wenn Solidarität und gesellschaftliches Engagement gefragt sind, bietet der FWDFreiwilliger Wehrdienst Heimatschutz den Menschen eine Gelegenheit, für Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger Verantwortung zu übernehmen.“

von Jana Luwdig  E-Mail schreiben
Junge Soldatin und junge Soldaten im Freien an einer Landkarte.

Freiwillig Wehrdienstleistender bei der Bundeswehr im Heimatschutz

Im Pilotprojekt „Dein Jahr für Deutschland“ dienen engagierte Menschen als freiwillig Wehrdienstleistende bei der Bundeswehr im Heimatschutz.