Keen Sword – Rettungskette im Indo-Pazifik
Deutsche Sanitätskräfte übten mit Japan und weiteren Partnern die Versorgung und Evakuierung Verwundeter von Okinawa bis Tokio.
In Japan aufgewachsen, in Deutschland zur Bundeswehr gegangen – Frau Oberstabsarzt Maren O. kennt beide Länder, deren Sprachen und Kulturen. Bei der multinationalen Übung Keen Sword bringt sie ihre Erfahrungen als Koordinatorin in der Patientensteuerung mit ein – das Team profitiert von ihrer sprachlichen, medizinischen und zwischenmenschlichen Kompetenz.
Frau Oberstabsarzt Maren O. ist Weiterbildungsassistentin am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg und Notärztin. Nach dem Abitur zog sie von Japan nach Deutschland und ging zur Bundeswehr.
Bundeswehr/Roland Alpers
Oberstabsarzt Maren O. ist Weiterbildungsassistentin in der Anästhesiologie am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg und Notärztin. Bei der Übung Keen Sword in Japan ist sie Teil eines achtköpfigen deutsch-japanischen Teams für die Patientensteuerung – der sogenannten
Die Übungsfälle während Keen Sword sollen vielfältig, aber auch realistisch sein, damit die Sanitätssoldatinnen und -soldaten möglichst viel daraus lernen. Dazu gehört neben einer präzisen Planung und Koordination auch das Präparieren der Darstellerinnen und Darsteller von Verwundeten sowie der dazugehörigen Übungspuppen. Dabei sollen künstliches Blut, geschminkte Verbrennungen und modellierte Wunden die Situation so realistisch wie möglich nachstellen.
Maren O. ist überall zugleich. Sie telefoniert, spricht mit ihrem Team, beantwortet Fragen, aktualisiert Abläufe, legt Änderungen fest – und übersetzt. Denn die Bundeswehrärztin ist in Yokohama geboren, hat ihre Kindheit und Jugend in Japan verbracht und spricht beide Sprachen fließend. Nach dem Abitur zog sie nach Deutschland, machte die Grundausbildung bei der Bundeswehr und studierte Medizin: „Mein Vater war bei der Bundeswehr, meine Mutter ist Ärztin. Die Kombination ergab für mich irgendwie Sinn“, erklärt sie ihre durchaus logische Entscheidung.
Bei multinationalen Übungen können immer wieder Sprachbarrieren oder kulturelle Hürden auftreten. Hier ist Kreativität und Geduld gefragt. Bei Keen Sword ist die Zweisprachigkeit von Maren O. ein Alleinstellungsmerkmal. Normalerweise sind für die Kommunikation hauptsächlich Übersetzerinnen und Übersetzer zuständig, die für die internationalen Übungsteilnehmenden vermitteln, Abläufe erklären, Fragen beantworten und Zusammenhänge herstellen. Das kostet viel Zeit.
„Die Sprache zu sprechen und zu verstehen, macht vieles einfacher. Man kann mal eben schnell zwischen Tür und Angel etwas besprechen. Gerade in der PECC verbinden wir viele Stationen miteinander. Informationen müssen schnell und akkurat weitergegeben werden“, so Maren O.
Zum Ende der Übung erkennt die Ärztin deutliche Fortschritte in der Kommunikation: „Am Anfang war die Sprachbarriere noch sehr hoch. Aber mithilfe der Sprachmittlerinnen und Sprachmittler und manchmal auch Händen und Füßen hat es trotzdem funktioniert.“ Je länger die Übung andauere, desto einfacher werde es. „Es ist richtig schön zu sehen, dass wir nach einigen Tagen in der Übung keine Sprachmittlerinnen und Sprachmittler mehr brauchten, weil wir unsere Kommunikation als Team gefunden hatten und es daher auch so gut funktioniert hat“, resümiert Maren O.
Immer den Überblick behalten: Frau Oberstabsarzt Maren O. ist dafür verantwortlich, dass alle Verwundeten zur richtigen Zeit auch an der richtigen Behandlungsstation eintreffen
Bundeswehr/Roland Alpers
In dem Übungsszenario von Keen Sword kommt es auf jede Sekunde an. Verwundete werden eingeliefert und müssen ihren Verletzungen entsprechend an die nächste Behandlungsebene weitergereicht werden.
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Durch ihre deutschen und japanischen Sprachkenntnisse kann Maren O. bei Sprachbarrieren zwischen den Übungsteilnehmenden vermitteln und Brücken bauen
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In der Patientensteuerung, der PECC, werden die Übungspuppen präpariert, um die Verletzungsmuster in einem Verteidigungsszenario möglichst realistisch darzustellen
Bundeswehr/Roland AlpersKeen Sword ist ursprünglich eine japanisch-US-amerikanische Übungsreihe im Südwesten Japans. Im Oktober 2026 haben im sanitätsdienstlichen Übungsabschnitt insgesamt sechs Nationen teilgenommen: Japan, USA, Deutschland, Philippinen, Neuseeland und die Niederlande. Die Bundeswehr war in diesem Jahr erstmals mit dabei.
Bei internationalen Übungen wie Keen Sword können Soldatinnen wie Oberstabsarzt Maren O. als Brückenbauerinnen dabei helfen, interkulturelle Hürden zu überwinden: Was wird menschlich voneinander erwartet? Was gilt als unhöflich? Wie mache ich also einen guten Eindruck? „Ich bin mit beiden Sprachen und beiden Kulturen aufgewachsen. Ich glaube auch, dass die deutsche und die japanische Kultur sich in Teilen sehr ähnlich sind – etwa mit Blick auf Pünktlichkeit und Höflichkeit.“ Schließlich lassen sich immer Punkte finden, die einander verbinden – auch über die Sprache hinaus.
Bei Keen Sword war gut zu erkennen, dass internationale militärische Übungen nicht nur helfen, Verfahren und Abläufe aufeinander abzustimmen und die internationale Zusammenarbeit zwischen verbündeten Streitkräften und Partnern zu stärken. Sie fördern auch das Verständnis füreinander – auf sprachlicher, kultureller und vor allem zwischenmenschlicher Ebene.
von Anne Lüdecke E-Mail schreiben