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Fahrschule auf zwei Rädern

In vier Wochen zum Kradmelder bei der Bundeswehr

Feldjäger

In vier Wochen zum Kradmelder bei der Bundeswehr

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Man nennt sie Kradmelder: die Motorradfahrerinnen und -fahrer bei den Streitkräften. Meldefahrten gehören jedoch längst nicht mehr zu ihren einzigen Aufgaben. Alle Teilstreitkräfte – ob Heer, Luftwaffe, Marine oder CIR – setzen auf Zweiräder. Ausgebildet wird im Kraftfahrausbildungszentrum des Unterstützungsbereichs in Kümmersbruck.

Ein Mensch in Bundeswehruniform und Warnweste fährt auf einem Motorrad durch freies Gelände

Offroad gehört zur militärischen Führerscheinausbildung dazu. Die Unterstützer vom Kraftfahrausbildungszentrum Kümmersbruck übernehmen die Schulung im Gelände.

Bundeswehr/Susanne Hähnel


Die Bezeichnung Kradmelder hält sich hartnäckig im militärischen und auch zivilen Sprachgebrauch. Sie beschreibt Soldatinnen und Soldaten, die auf Krafträdern – sprich Motorrädern – eingesetzt werden. Dienten sie in den Anfangsjahren der Bundeswehr vor allem als Kuriere und Begleiter von Fahrzeugkolonnen, hat sich das Aufgabenspektrum für Militärkraftfahrende mit der Dienstfahrerlaubnisklasse A heute deutlich gewandelt. Aus Motorradfahrern sind in modernen Strukturen der Bundeswehr gefragte Spezialistinnen und Spezialisten geworden. Dazu müssen sie ausgebildet werden und zusätzliche Fähigkeiten für die Erfüllung ihrer verschiedenen Aufträge entwickeln. Am Beginn der Ausbildung zum Militärkraftfahrer oder zur Militärkraftfahrerin (MKF) A steht der Führerschein. Und den macht man „beim Bund“ in Kümmersbruck.

Vier Wochen Intensivkurs

Am dortigen Kraftfahrausbildungszentrum erwerben jährlich rund 300 Soldatinnen und Soldaten aus allen Teilstreitkräften ihre Lizenz zum Motorradfahren. Ausbildungsleiter Hauptmann Chee Y. erklärt: „Im Wesentlichen gleicht die Ausbildung der einer zivilen Fahrschule, da für uns dieselben Verkehrsrechte gelten, wie für alle Bürgerinnen und Bürger. Schließlich bewegen wir uns auch im öffentlichen Straßenverkehr.“ Der Offizier macht jedoch auch deutlich, wo die Unterschiede liegen, und verweist dabei auf die Technik der Motorräder. Auch diese steht auf dem Lehrplan und das aus gutem Grund. Ein MKF muss in der Lage sein, gewisse Wartungsarbeiten und kleinere Reparaturen selbst durchzuführen, um seinen Auftrag fortsetzen zu können. Ein Feldwebel und Lehrgangsteilnehmer der spezialisierten Kräfte des Heeres bestätigt: „Wenn wir beispielsweise auf einer Aufklärungsmission sind, können wir uns keinen Ausfall wegen eines platten Reifens leisten. Das muss ich selbst händeln können!“

Vielseitige Verwendungsmöglichkeiten

Er bringt damit auf den Punkt, was es heutzutage heißt, Kradmelder zu sein. Oberstabsgefreiter Aylin G. gehört im Logistikbataillon 472 in Kümmersbruck zum sogenannten Erkundungs- und Verbindungszug. Zu ihren Aufgaben wird nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis unter anderem gehören, Marschrouten für die Lastwagen ihres Verbandes zu erkunden. Zu den Erkundungs- und Aufklärungsmissionen zählen unter anderem auch Aufgaben zur Verkehrssicherung. Sollten moderne elektronische Kommunikationsmittel ausfallen, haben die Motorradfahrerinnen und -fahrern wieder ihre klassische Rolle als Überbringer von Befehlen und Meldungen zu erfüllen. Feldjäger der Bundeswehr verfügen ebenfalls über Motorräder – eine Geländemaschine und ein handelsübliches Zweirad für Eskorten.

Anspruchsvolle Ausbildung

Die militärischen Fahrschülerinnen und -schüler beginnen mit der theoretischen Ausbildung, die, wie in jeder Fahrschule, mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Es folgen die Grundfahraufgaben. Diese finden auf einer handelsüblichen BMW statt. „Bremsen, Ausweichen, Kurventechniken – das muss sitzen“, sagt Hauptfeldwebel Patrick S., Militärkraftfahrlehrer am Kümmersbrucker Ausbildungszentrum. „Erst wenn ich sicher bin, dass meine Schützlinge gewisse Fahrmanöver beherrschen, starten wir zu den obligatorischen Stadt- und Überlandfahrten.“ Dabei geht es über öffentliche Straßen durch die Oberpfalz. Hauptfeldwebel Patrick folgt dabei dem Fahrschulfahrzeug selbst auf einem Motorrad oder in einem Pkw. Kontakt zum Fahrschüler oder zur Fahrschülerin hält er über Funk mit Kommunikationsmitteln im Helm. Das Herausfordernde in der praktischen Motorradausbildung seien hierbei die fehlenden Möglichkeiten, korrigierend einzugreifen, so der Experte. „Im Pkw zum Beispiel habe ich eine eigene Pedalerie im Beifahrerbereich. Ich könnte also selbst bremsen oder sogar ins Lenkrad greifen. Fahrschülerinnen und Fahrschüler auf dem Motorrad muss ich genau beobachten. Dort, wo sie in den nächsten fünf Sekunden lang fahren werden, muss ich gedanklich schon gewesen sein, um die richtigen Anweisungen geben zu können.“ 

Im Gelände: die Yamaha Ténéré als Standard-Motorrad

Die A-Ausbildung der Bundeswehr beinhaltet noch eine weitere Besonderheit: das Fahren im Gelände. Hier kommt das Standard-Motorrad zum Einsatz, die Yamaha Ténéré 700 – eine im Geländesport bewährte sogenannte Enduro. Für den militärischen Einsatz hat der Hersteller zusätzliche Sturzsicherungen montiert, für spezielle Einsätze sind Rüstsätze vorhanden wie etwa Koffersysteme oder – für die Militärpolizei – Sondersignalanlagen, besser bekannt als Blaulicht. Das Modell ist handlich und in Sachen Motorleistung und Geländegängigkeit gut zu fahren. „Offroad-Fahren ist nochmal etwas ganz anderes, als der Straßenbetrieb“, stimmt Patrick auf die insgesamt acht Ausbildungsstunden im Gelände ein. Loser Untergrund bringt Unerfahrene schnell an ihre Grenzen.

Rund 40 Yamahas stehen dem Kraftfahrausbildungszentrum für den Unterricht zur Verfügung. Diese müssen einiges aushalten und auch mal umkippen oder einen Sturz verkraften können. Für die angehenden MKF geht so etwas in der Regel glimpflich aus, dank modernster Schutzausrüstung unter der Flecktarn-Kombi. Auch dieser Ausbildungsabschnitt ist bei der Bundeswehr prüfungsrelevant – im Gegensatz zur zivilen Fahrschulausbildung. „Den ‚Feinschliff‘ kriegen die MKF in ihren Verbänden vom Kraftfahrfeldwebel, speziell auf ihren Auftrag zugeschnitten“, erklärt der Leiter des Zentrums, Hauptmann Matthias S.

Train the Trainer in der Fahrschule

Unter der Führung des Offiziers werden in Kümmersbruck auch angehende Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen – bei der Bundeswehr Militärkraftfahrlehrender (MKFL)-Anwärter genannt – ausgebildet. Sie erwerben die meisten der vielen unterschiedlichen Dienstfahrerlaubnisse der Bundeswehr, um später so vielseitig wie möglich einsetzbar zu sein. So ist Hauptfeldwebel Patrick S. unter anderem auch Ausbilder für Pkw und Lkw. Die Anwärterinnen und Anwärter befinden sich ebenfalls unter den Kursteilnehmenden und achten beim Geländefahren schon genau darauf, wie ihr erfahrener Kamerad die Ausbildungsinhalte vermittelt. Auch darauf, wie zum Beispiel auf Patzer reagiert wird: ruhig bleiben, dem Fahrschüler oder der Fahrschülerin das Vertrauen in sich und die Maschine wiedergeben – nochmal von vorne anfangen. Aylin G. hatte beim Anfahren am Hang die Yamaha mehrfach hingeschmissen. „Das wird noch“, ist sich Patrick S. sicher. Die Durchfallquote in Kümmersbruck ist sehr gering. Ein Qualitätsmerkmal für die Unterstützer vom Kraftfahrausbildungszentrum.

von Ralf Wilke  E-Mail schreiben

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