Transkription - 65 Jahre ZInFüZentrum Innere Führung

Transkription - 65 Jahre ZInFüZentrum Innere Führung

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Oberleutnant Hildenbeutel: Koblenz 1957. Meine lieben Eltern, ich habe die freudige Ehre euch als einer der ersten Lehrgangsteilnehmer an der Schule für Innere Führung aus Koblenz zu schreiben. Die Schule wurde erst letzten Oktober aufgestellt. Herr Oberst Artur Weber ist der erste Kommandeur der Schule.

Letztes Jahr, also 56, begann der Lehrbetrieb. Dabei hatte die Schule noch gar kein eigenes Gebäude. Die Dozenten reisten von Standort zu Standort oder mieteten Tagungshotels in der Nähe von Köln.

Ein Schwerpunkt der Ausbildung hier ist die Politische Bildung. Damit will die Bundeswehr, den in der Wehrmacht und im Zweiten Weltkrieg sozialisierten Offizieren und Unteroffizieren das Hineinwachsen in einer Armee in der Demokratie erleichtern. Eine Armee, die vom Primat der Politik bestimmt ist. Bundeskanzler Konrad Adenauer besuchte vergangenen November einen Lehrgang der Schule im Hotel Wolkenburg in Rhöndorf, seinem Wohnort.

Adenauer quittierte den Lehrgangsort in seiner eigenen rheinländischen Art mit den Worten: „Also Sie treiben jewissermaßen ambulantet Jewerbe“ und sagte seine Unterstützung bei der Suche nach einem eigenen Gebäude zu.

Im Februar 57 zog die Schule dann in das ehemalige französische Offizier Hotel auf der Pfaffendorfer Höhe in Koblenz. Dieses Gebäude. Aber die Bundeswehr kann unmöglich das gesamte Personal, das für Erziehung und Ausbildung zuständig ist, durch die Schule für Innere Führung schleusen.

Deshalb kommt es darauf an Lehroffiziere auszubilden, die an anderen Ausbildungsstätten Innere Führung oder Politische Bildung unterrichten sollen.  Aber die Innere Führung ist seit ihrer Einführung starker Kritik ausgesetzt.

Es entwickelt sich eine Gegenströmung, die sich mit dem Sammelbegriff „Traditionalisten“ zusammenfassen lässt. Der Wehrbeauftragte stellt in seinem Jahresbericht 1963 fest: „Die Diskussion um die Innere Führung ist mit einer Heftigkeit entbrannt, wie dies bisher nicht bekannt war.“ In dieser Situation wird Ulrich de Maizière 1966 Generalinspekteur. Der ehemalige Kommandeur der Schule für Innere Führung leitet eine Reform der Bundeswehr ein. In ihrem Weißbuch von 1970 betont die Bundesregierung die Verbindlichkeit der Führungskultur. So ist dort zu lesen: „Deswegen sind die Grundsätze der Inneren Führung keine Maske, die man ablegen kann, sondern ein Wesenskern der Bundeswehr. Wer sie ablehnt, taugt nicht zum Vorgesetzten für unsere Soldaten.“

Die 70er-Jahre sind ein Jahrzehnt der rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen. Die damit verbundene Lagefeststellung in der Bundeswehr macht deutlich, es fehlt eine zentrale Einrichtung, die die Entwicklung in Truppe und Gesellschaft aufgreift, auswertet und für die Innere Führung nutzbar macht.

Daher ändert sich 1977 der Auftrag der Schule, die diese Erkenntnisse in Erziehung und Ausbildung umsetzen soll. Immer mehr Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr beschäftigen sich mit Themen der Inneren Führung. Daher wird 1981 der Aufgabenverbund Innere Führung gegründet unter Leitung der Schule für Innere Führung. Um diese Leitungsfunktion zu unterstreichen, wird diese in Zentrum Innere Führung umbenannt.

„Mit dem 2. Oktober 24 Uhr hört die Nationale Volksarmee auf zu bestehen.“

Im Oktober 1990 beginnt die Ausbildung derjenigen Offiziere, die aus der ehemaligen Nationalen Volksarmee übernommen wurden. Damit leistet das Zentrum einen wichtigen Beitrag zur Schaffung der Armee der Einheit.

1993 bildet das Zentrum erstmals das Führungspersonal des Deutschen Unterstützungsverbands Somalia im Rahmen von UNOSOMUnited Nations Operation in Somalia II aus. Seitdem trägt es durch die Ausbildung von Führungs- und Schlüsselpersonal deutscher Einsatzkontingente zur Einsatzvorbereitung bei.

Seit April 1994 ist das Zentrum auch in Strausberg bei Berlin präsent, um die Möglichkeiten der Hauptstadt für die Lehre zu nutzen.

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr erhält das Zentrum 2014 neue Aufträge. So werden die Bereiche Beauftragter des Generalinspekteurs der Bundeswehr für Erziehung und Ausbildung und Innere und Soziale Lage neu aufgestellt.

Seit 2014 führt es truppendienstlich das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam und das Militärhistorische Museum in Dresden und Berlin-Gatow. Seit dem 1. August 2017 ist das Zentrum Innere Führung direkt dem Generalinspekteur der Bundeswehr unterstellt.

Auch während der Corona-Pandemie ruhte das Zentrum nicht. Lehrgänge mit hoher Priorität, die für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr unerlässlich sind, wurden unter strengen Auflagen durchgeführt. Zudem wurde die Zeit genutzt, bestehende Projekte zu vertiefen, neue Projekte zu entwickeln. So bleibt die Innere Führung stets am Puls der Zeit.

Hauptmann Gödderz: Die Innere Führung ist kein separates Ausbildungsgebiet. Sie ist die Führungskultur, die für alle Soldatinnen und Soldaten auf allen Ebenen bindend ist. Sie gilt im Grundbetrieb und im Auslandseinsatz. Sie durchdringt als wesentliches Führungs- und Verhaltensprinzip den gesamten Dienst. Sie bietet mit ihren Hauptgestaltungsfeldern ein Wertegerüst. Die wesentliche Entscheidungsleistung besteht jedoch darin in konkreten Führungs- und Entscheidungssituationen den jeweils richtigen, an den Werten des Grundgesetzes ausgerichteten Weg zu finden.

Oberleutnant Hildenbeutel: In den vergangenen 65 Jahren haben sich die Innere Führung und das Zentrum Innere Führung immer wieder an gesellschaftliche und sicherheitspolitische Veränderungen angepasst.

Hauptmann Gödderz: Aber eins ist immer gleichgeblieben: die Orientierung an den grundlegenden Werten unserer Gesellschaftsordnung. In diesem Sinne …

Hauptmann Gödderz und Oberleutnant Hildenbeutel: Happy Birthday Zentrum Innere Führung!

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