250 Jahre USA – Macht und Demokratie
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Die Rolle der USA als weltweit führende Supermacht wandelt sich. Das sicherheits- und verteidigungspolitische Fundament der NATO-Verbündeten hat Risse bekommen. Doch trotz des ambivalenten Verhältnisses zwischen den USA und Europa bleiben die Vereinigten Staaten von Amerika ein starker Partner.
119. Kongress der USA: Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit
picture alliance/Sipa USA/CQ-Roll CallDie Werte und das demokratische System der Vereinigten Staaten haben nach wie vor Vorbildfunktion für Deutschland und seine europäischen Verbündeten. Mit welchen Institutionen bleibt die Demokratie in den USA seit 250 Jahren im Gleichgewicht? Bewährt sich auch künftig das Erfolgsprinzip der Checks and Balances? IF-Autor Sascha Tamm zeigt, wie widerstands- und wandlungsfähig die US-amerikanische Demokratie ist: Sie hat Konflikten, Spannungen und sogar einem Bürgerkrieg standgehalten. Die Balance der Institutionen war und ist Garant für eine stabile Demokratie, eine pulsierende Wirtschaftskraft und eine politische Führungsrolle weltweit, auch unter der zweiten Trump-Administration. Was kann Deutschland daraus lernen?
„250 Jahre USA – Macht und Demokratie“
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Die Verbundenheit zwischen Deutschland und den USA mit ihrem American Way of Life ist hierzulande tief verwurzelt. Ein Beispiel kultureller Prägung ist der Rock ’n’ Roll, den das US-amerikanische Truppen-Radio AFN und der Rundfunk im US-amerikanischen Sektor (RIAS) nach Deutschland brachte. Der Kalte Krieg bewirkte, dass sich die drei westalliierten Siegermächte im Nachkriegsdeutschland um die Gunst der Bevölkerung bemühten. Harald Biermann stellt in der neuen IF dar, wie diese Entwicklung von „erst Besatzer, dann Beschützer“ mit Beginn der Luftbrücke Ende Juni 1948 sichtbar wurde, nachdem die Sowjetunion die Zufahrtswege zu Land und auf dem Wasser in die drei Westsektoren Berlins abgeriegelt hatte.
Abendlicher Ausgang: Drei US-amerikanische Soldaten in einem Lokal mit einer deutschen Frau. Schwarze US-Soldaten konnten während ihres Dienstes in Deutschland der Rassendiskriminierung der US-amerikanischen Südstaaten entfliehen.
picture alliance/SZ Photo/Alfred StrobelDer USA-Experte Tobias Endler stellt in seinem Beitrag anschaulich Entwicklungen der US-amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik dar, vor allem während der vergangenen und aktuellen Trump-Administration. Die veränderte Ausrichtung gegenüber früheren US-Regierungen sollte laut Endler als Chance begriffen werden, um eine größere strategische Souveränität Europas gegenüber den Vereinigten Staaten anzustreben. Nur so könne der veränderten US-amerikanischen Sicherheitspolitik unter Präsident Donald Trump aktiv begegnet werden. Europas Zukunft läge in einer Politik, die nicht im Schatten US-amerikanischer Entscheidungen stünde.
Die IF richtet den Blick nicht nur auf die Gegenwart und die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit: nämlich ins bedeutungsvolle Jahr 1776, als 13 Kolonien gemeinsam ihre Unabhängigkeit erklärten und damit den Grundstein der Vereinigten Staaten von Amerika legten. Historiker Volker Depkat nimmt die Lesenden mit auf die Reise zu den Ursprüngen der Amerikanischen Revolution, die als ein Streit über Steuern begann und sich zu einer Kontroverse über die Grundlagen rechtmäßiger Herrschaft entwickelte. Am 4. Juli 1776 wurde dies für die Welt so neu definiert: Alle Menschen seien frei und gleich geboren und hätten deshalb unveräußerliche Grundrechte.
Im Oval Office mit Präsident Trump: Kriegsminister Pete Hegseth (3.v.r.) bei der Präsentation des Raketenabwehrsystems Golden Dome for America
picture alliance/Associated Press/Alex BrandonDie USA haben seit jeher den Anspruch vertreten, einzige globale Supermacht zu sein. Zwei fundamental unterschiedliche Herrschaftsformen treffen mit den USA und China nun zunehmend aufeinander. May-Britt Stumbaum zeigt auf, wie beide Mächte gleichermaßen universelle Gültigkeit und globale Vorherrschaft beanspruchen und sich die regelbasierte internationale Ordnung mit machtpolitischem Revisionismus messen lassen muss. Europa bekomme die Auswirkungen dieses Ringens der Großmächte unmittelbar zu spüren, sagt die Autorin.
Europa kann 250 Jahre USA und die weltweiten sicherheitspolitischen Verschiebungen zum Anlass nehmen, sich endlich neu zu positionieren. Rückblickend haben die USA jedenfalls „geliefert“. Als Führungsnation in der NATO hätten sie jahrzehntelang für Schutz und Stabilität in der westlichen Hemisphäre gesorgt, betont Generalmajor Ansgar Meyer, Kommandeur des Zentrums Innere Führung und Herausgeber der IF, im Editorial. „Die USA dienten vielen Staaten auf ihrem Weg in die Demokratie als Vorbild, ihr Eingreifen beendete zwei Weltkriege“, so Meyer.
von Evelyn Schönsee