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Veteraninnen und Veteranen

Veteran der Bundeswehr: Martin H. führt ein Leben in der Luft

Veteran der Bundeswehr: Martin H. führt ein Leben in der Luft

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Testpilot, Polarflieger, Veteran: Hauptmann a. D. Martin H. hat die Bundeswehr nie wirklich verlassen. Nach seiner Dienstzeit von 13 Jahren sitzt der ehemalige Luftwaffenoffizier noch immer regelmäßig im Cockpit von Flugzeugen, Hubschraubern und Kampfjets. Was hat er aus seiner Zeit in Uniform mitgenommen?

Ein Mann im Porträt. Im Hintergrund steht ein Flugzeug.

Hauptmann Martin H. diente 13 Jahre als Offizier in der Bundeswehr, danach als Flugversuchsingenieur und Expeditionspilot. Das Veteranenkreuz trägt er bis heute mit Stolz am Revers seiner Pilotenuniform.

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Manche Menschen wissen früh, wohin sie gehören. Martin H. wusste es mit achtzehn. Als er 1984 nach dem Abitur zum Wehrdienst eingezogen wurde, lernte er die Bundeswehr kennen und dachte: „Da ist Leben. Das ist eine große Familie. Das ist meins.“ Was folgte, war eine Karriere, die sich nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen lässt – und die bis in sein ziviles Leben nach der Bundeswehr einem roten Faden folgt.

Von Anfang an mit der Luft verbunden

Schon als Kind hatte ihn beides fasziniert, die Fliegerei und das Militär. Während andere Jungs Fußballspieler werden wollten, schrieb Martin Aufsätze über Napoleons und andere große Schlachten und träumte vom Cockpit. Nach dem Abitur bewarb er sich dann bei der Lufthansa, bei der gab es damals aber einen Einstellungsstopp. Ohne Ausbildung erwartete ihn dann die Bundeswehr, denn damals wurden junge Männer nach der Schulzeit noch zum Wehrdienst eingezogen. Aus dem Wehrdienst wechselte er dann schnell in die Offizierlaufbahn. Was zuerst wie ein Umweg auf seiner Reise ins Cockpit aussah, wurde so zum direktesten Weg in den Pilotenberuf.

Drei Offizierschulen, drei Führungsstile

Bereits zu Beginn seiner Ausbildung stach der junge Soldat heraus. Er besuchte nicht nur eine, sondern gleich drei Offizierschulen: Die Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, die Air Force Academy im US-amerikanischem Colorado Springs und die École de l’Air in Salon de Provence in Frankreich. Das ist sehr ungewöhnlich, denn normalerweise ist selbst die Teilnahme an einem der Schulaustauschprogramme selten.

Jede der Schulen prägte ihn anders. Die US-Amerikaner lehrten ihn Visionsstärke und klare Führung von oben. Die Franzosen öffneten ihm den Blick für einen deutlich offeneren Führungsstil. Die Bundeswehr gab ihm das, was er bis heute als sein wichtigstes Handwerkszeug bezeichnet: die Auftragstaktik. „Der Auftrag kommt zuerst. Alles, was dafür notwendig ist, kommt danach. Und dann komme ich selbst“, sagt Martin H.

Ein Mann mit Bundeswehruniform sitzt áuf einem Segelflugzeug.

So fing alles an: Hauptmann Martin H. in jungen Jahren bei der Bundeswehr. Was er damals lernte: Struktur, Haltung, Verantwortung. All das ist ihm noch heute in seinem zivilen Leben wichtig.

Martin H.

Für ihn gab es immer nur die Fliegerei

Alle Pilotenscheine finanzierte er sich in seiner Bundeswehrzeit selbst, viel Geld blieb neben der Fliegerei nicht. „Mein ganzes Gehalt floss in meinen Traum“, erinnert sich Martin H. Neben dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Bundeswehruniversität in München trainierte er das Fliegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zivil. Sein damaliger Chef ließ ihn – solange er alle Prüfungen im Studium bestand. In seiner Diplomprüfung erklärte er dann einem Professor den Autopiloten aus der Praxis heraus. „Das war für mich einfach – ich flog ja schon seit Jahren selbst.“ Bereits damals kannten ihn alle nur als den Piloten – selbst, als er offiziell noch in keinem Bundeswehrcockpit saß. „Die Bundeswehr bietet ein Netz“, sagt er. „Und darüber kann man eben zaubern, agieren und werden was man will – wenn man sich anstrengt.“ Und das tat er.

In seiner ersten Stammeinheit, der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61) in Manching, betreute er dann dank seiner privat abgeschlossenen Fliegerausbildung als Flugversuchsingenieur schon früh Tornados und Alpha Jets, flog als Crewmitglied unterschiedlichste Hubschraubermodelle, saß in historischen Bombern und in sowjetischen Schwenkflüglern aus der ehemaligen NVA – unter anderem dem Jagdbomber Su-22. „Ging es in die Luft, war ich dabei“, so der Pilot.

Als Offizier lernt man Verantwortung zu übernehmen

Später als Staffelkapitän beim Lufttransportgeschwader 61Das Lufttransportgeschwader 61 war ein Geschwader der Luftwaffe. Seine Dienststelle hatte es auf dem Fliegerhorst Landsberg/Lech. Das Geschwader wurde am 31. Dezember 2017 offiziell aufgelöst. in Landsberg trug Martin H. dann eine Verantwortung, die weit über den Dienst hinausging. Gleich zu Beginn seiner Staffelübernahme verlor er eine Besatzung – ein Flugzeug-Totalverlust, vier Tote. In derselben Verwendung begleitete er die Angehörigen und seine Untergebenen nach einem Motorradunfall und einem Suizid im Kameradenkreis. Jedes Mal war er derjenige, der nach dem Unglück zu den Angehörigen fuhr. „Das geht unter die Haut. Es bleibt“, sagt er.

Was ihn in diesen Momenten leitete, war kein Handbuch, sondern Bauchgefühl und der feste Glaube, dass Führung bedeutet, für seine Leute einzustehen. Als er nach einem dieser Fälle gegen den Willen seines Kommandeurs entschied, stellte sich die gesamte Staffel hinter ihn. „Das hat mich in meinem Handeln und meiner Einstellung gegenüber meiner Rolle als Vorgesetzter sehr bestärkt“, sagt Martin H. „Und das ist das, was mir an der Bundeswehr immer sehr gut gefallen hat: die Kameradschaft.“

Die Bundeswehr verließ er, das Cockpit nicht

Nach 13 Jahren als Offizier und einer Ernennung zum Berufsoffizier verließ Martin H. die Bundeswehr und wechselte zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und von dort schnell in die Polarregionen. Als Expeditionspilot flog er dann sechs Jahre für das Alfred-Wegener-Institut Forschungsflüge in der Antarktis und Arktis. Dabei überwinterte er monatelang an den zwei Enden der Welt. „Wenn man sich im Schnee hinlegt, die Augen zumacht und einfach nur ruhig ist, dann hört man das eigene Herz schlagen. Sonst nichts. Da kann man sehr gut reflektieren“, berichtet er von seiner Zeit dort. Andere zahlen viel Geld dafür. Er hat es im Staatsdienst erlebt.

Ein Mann steht vor einem Segelflugzeug mit der Aufschrift „Polar 2“ in einer Schneelandschaft.

Am Ende der Welt: Hauptmann Martin H. als Expeditionspilot in der Antarktis. Monatelang flog er dort Forschungsflüge für das Alfred-Wegener-Institut und das bei Temperaturen, die kaum ein ziviler Berufstätiger kennt.

Martin H.

Was von alldem im Alltag geblieben ist, zeigt sich in den Details. Martin H. schreibt sich bis heute selbst für jeden Privatflug einen Flugauftrag – mit demselben Schema, dass er schon vor vierzig Jahren nutze. Er hinterlässt seinen Arbeitsplatz so, dass er jederzeit sofort wieder einsteigen kann. Seine T-Shirts liegen auf DIN A4 gefaltet im Schrank, dank einer Schablone, genau wie in der Grundausbildung 1984. „Meine Mutter erzählt das jedem, der fragt“, sagt er und lacht.

Heute arbeitet Martin H. als Testpilot bei verschiedenen großen Unternehmen in der Luftfahrt und nimmt nebenbei auch immer wieder private Aufträge an. Die Bundeswehr ist dabei nie weit: Viele seiner aktuellen Kolleginnen und Kollegen hätten selbst gedient, sagt der Pilot. Kein Zufall, findet Martin H., „aus Vertrauensgründen“. Wer denselben Hintergrund habe, bringe dieselben Werte mit.

Einmal Soldat, immer Soldat

Das Veteranenkreuz  trägt er mit Stolz – am Revers, wenn er arbeitet an der Fliegerkombi, wenn er auf Geschäftsreise ist am Anzug. Nicht aus Nostalgie, sondern als Haltung. „Ich bin immer Soldat“, sagt Martin H. Und meint das nicht als Klischee, sondern als Selbstbeschreibung: strukturiert, verantwortungsbewusst, loyal. Jemand, der für sein Team einsteht, auch wenn es unbequem wird. Der nach Lösungen sucht, statt die Worte „geht nicht“ zu benutzen. Auf die Frage, wie er seine Bundeswehrzeit und das, was bliebe in einem Satz zusammenfassen würde, antwortet er ohne Zögern: „Einmal Offizier und Gentleman, immer Offizier und Gentleman.“ Bei ihm klingt das nicht merkwürdig – es ist eine ehrliche Selbstbeschreibung, die es auf den Punkt bringt.

Drei Fragen an Hauptmann a. D. Martin H.

Was hat die Bundeswehr Ihnen fürs Leben mitgegeben?

Martin H.

Die Auftragstaktik. Der Auftrag kommt zuerst in die Umsetzung, alles, was dafür notwendig ist, kommt danach – und dann komme ich selbst. Das ist megacool für einen Arbeitgeber. Für mich selbst manchmal etwas nachteilig, weil ich mich dabei vergesse.

Sehen Sie sich heute noch als Soldat?

Martin H.

Ich bin immer Soldat. Das sagen mir die Leute auch. Ich hinterlasse meinen Arbeitsplatz beispielsweise noch heute so, dass ich sofort einsteigen kann, sobald ich zurückkomme. Das war immer so. Das bleibt.

Was möchten Sie Menschen mitgeben, die heute zur Bundeswehr gehen?

Martin H.

Man ist immer und in erster Linie Soldat. Das hat auch die Folge, dass man immer bereit sein muss, komplett für sein Land einzustehen, sollte es zum Äußersten kommen. Der Preis, den man dafür zahlt, ist in meinen Augen eher ein Riesengeschenk. Man kann seinen Fähigkeiten entsprechend das erlernen, was man machen will, wenn man sich einbringt.

von Arthur Galbraith

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