Das Basislager des deutschen UNIFIL-Kontingents
- Datum:
- Ort:
- Naqoura
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Je nach Einsatzland betreibt die Bundeswehr größere oder kleinere Feldlager. Im libanesischen Naqoura ist ein Teil des Deutschen Einsatzkontingents UNIFIL in die bestehende UN-Infrastruktur integriert worden. Wie leben und arbeiten die Soldatinnen und Soldaten hier? Und was verbirgt sich hinter dem Namen des Camps?
Geht man im UNIFIL-Hauptquartier im libanesischen Naqoura von den Unterkunftsblöcken entlang der breiten Hauptlagerstraße Richtung Camp Martin, könnte man beinahe vergessen, dass man sich in einem Krisengebiet befindet. Links und rechts säumen blütenreiche rosa Sträucher den Weg. Blickt man an den Querstraßen den Hang zum Meer hinab, sieht man sanfte Wellen, die sich am felsigen Ufer brechen. Nur ein hoher, mit Stacheldraht bewehrter und von Wachtürmen umgebener Zaun trennt das Lager vom Strand.
Direkt an der rechten Zufahrtseite zum Camp Martin wird klar, woher der Name des Lagers stammt. Hier steht ein Gedenkstein für Company Sergeant James Martin, der 1981 während seines Einsatzes beim irischen UNIFIL-Kontingent verstarb.
Bundeswehr/Fabian FriedlAm Eingang des Camps Martin prangt links das Wappen der Maritime Task Force 448 der UN – auf einem dunkelblauen Schild steht mittig ein goldener Anker, auf dem Ankerstock trägt er das weiße UN-Emblem. Direkt gegenüber befindet sich auf der rechten Straßenseite ein Gedenkstein, der dem Namensgeber des Camps gewidmet ist – Company Sergeant James Martin.
Der Portepeeunteroffizier verstarb am Donnerstag, den 10. Februar 1981, als Mitglied einer irischen Militärpolizei-Einheit der UN. Martin befand sich gerade mit einem anderen Soldaten auf dem Weg zu einem Außenposten nördlich der israelischen Stadt Tel Aviv, als er einen Herzanfall erlitt. Im Krankenhaus angekommen, konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Es war sein zweiter UNIFIL-Einsatz und sein fünfter UN-Einsatz insgesamt. Zuvor war er auf Zypern und auf der Sinai-Halbinsel eingesetzt.
Das Camp ist Anlaufpunkt aller Deutschen , die in der UN-Mission im Libanon eingesetzt sind. Das betrifft neben den Angehörigen des Kontingentes sowohl zivile Mitarbeitende der UN als auch die im Hauptquartier eingesetzten Soldatinnen und Soldaten.
Bundeswehr/Fabian FriedlCamp Martin spielt eine zentrale Rolle für die im Deutschen Einsatzkontingent UNIFIL eingesetzten Soldatinnen und Soldaten. Seit Deutschland im Januar 2021 die Führung der Maritime Task Force 448 – kurz: MTF – übernommen hat, ist der Teilbereich des UNIFIL-Hauptquartiers zum Dreh- und Angelpunkt des dienstlichen und sozialen Lebens geworden. Hier befinden sich neben dem Büro des Kommandeurs des deutschen Einsatzkontingents, der zugleich der Commander der multinationalen MTF ist, auch die Diensträume der nationalen und internationalen Stabsangehörigen unter seinem Kommando.
Stäbe bezeichnen den Zusammenschluss mehrerer spezialisierter Fachleute, welche die militärisch Führenden vor Ort in ihrem Zuständigkeitsbereich beraten, um Entscheidungen bestmöglich vorzubereiten. Für den Großteil der deutschen und internationalen Soldatinnen und Soldaten ist Camp Martin aber nicht nur Arbeitsstätte, sondern gleichzeitig der Platz zum Schlafen und Ausspannen. Dank der räumlichen Nähe dauert es im Ernstfall nur wenige Minuten, um die Stäbe – die Operationszentrale ist durchgängig besetzt – wieder in volle Funktionsbereitschaft zu versetzen.
Neben Tischkicker, Dartscheibe und Spielekonsole im Fernsehraum wartet das Deutsche Haus auch mit einer umfangreichen Brettspielsammlung auf. Die kleine Küche bietet Hobbyköchen vielfältige Optionen, sich zu verwirklichen.
Bundeswehr/Fabian FriedlInsbesondere für die Gestaltung freier Zeiträume spielt das Deutsche Haus eine herausragende Rolle. In diesem funktionalen Gebäude treffen sich die deutschen Soldatinnen und Soldaten zum Tischkickern, zum Kochen in der Gemeinschaftsküche, zum Filmeschauen oder zum Spielen an der Konsole im Fernsehraum. Die Sitzgruppe auf der Terrasse mit direktem Blick aufs Meer ist ein idealer Ort für ein gekühltes Getränk in geselliger Runde.
Jeden Donnerstag wird das Deutsche Haus Schauplatz des wöchentlichen Seemannsonntags. Dabei handelt es sich um ein echtes Stück Marinebrauchtum. Reihum lädt jeweils eine kleine Gruppe den Rest des Kontingents sowie internationale Gäste zu einem Stück Kuchen oder einer selbstgebackenen Waffel und einer frischen Tasse Kaffee ein. Figurbewusste Soldatinnen und Soldaten finden im angeschlossenen Fitnessraum zum Glück gleich das nötige Equipment, um unnötigen Pfunden den Kampf anzusagen.
von Fabian Friedl